Das Wort ist Fleisch geworden

 

Erzbischof Lackner am Christtag: "Allerletzte Instanz unseres Glaubens ist folglich auch nicht irgendein Mehrheitsbeschluss"

 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. (...) Alles ist durch das Wort geworden“ So steht es im Prolog des vierten Evangeliums, wir haben es eben gehört.

Goethe wird in seinem weltberühmten Meisterwerk darauf Bezug nehmen und anmerken: „Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muss es anders übersetzen.“ Für ihn wäre besser übersetzt mit „Im Anfang war die Tat". Als gläubige Christen und Christinnen sind wir gut beraten, es in der ursprünglichen Weise zu belassen. Denn am Schöpfungsmorgen hat es geheißen: „Gott sprach und es geschah!“ Es ist nun einmal so, wie es Karl Rahner sehr pointiert zum Ausdruck bringt: „Gott spricht und wir denken“ - und nicht umgekehrt, wie man es heute zuweilen gerne haben möchte: Wir denken und Gott möge demnach auch sprechen.

Dieses uranfängliche Wort ist Fleisch geworden. Das feiern wir in diesen Tagen: Die Menschwerdung Gottes.

Der Heilige Papst Johannes Paul II. schreibt in seiner Missionsenzyklika und die Päpste Benedikt und Franziskus haben dies in ihre Lehrschreiben direkt übernommen:

„Das Reich Gottes ist nicht eine Anschauung, eine Doktrin, ein Programm, das man frei ausarbeiten kann, es ist vor allem eine Person, die das Antlitz und den Namen Jesu von Nazareth trägt.“

Die allerletzte Instanz unseres Glaubens ist folglich auch nicht irgendein Mehrheitsbeschluss, auch kein Konsens im Sinne eines kleinsten gemeinsamen Nenners, sondern die Wahrheit im Sinne Jesu Christi, der von sich gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Wahrheit ist eine Person mit einem menschlich-göttlichen Antlitz.

Der selige Johannes Duns Scotus hat einmal das Wesen wahrer Worte definiert: Dieses liege nämlich darin, sich bekennend zu verhalten zu dem, was sich zeigt. Das heißt Zeugenschaft. Das göttliche Wort braucht Zeugen. Das Vorbild schlechthin, was Zeuge bedeutet, gibt Johannes der Täufer. Er wird im Prolog als einziger von allen anderen wichtigen Lichtgestalten der Hl. Schrift namentlich genannt. Er wird Vorläufer genannt. (Er spricht von dem, der nach ihm kommt, aber er weiß, nach ihm kommt einer, der immer schon vor ihm war.) Und dann das schöne Bekenntnis: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.“ Das schöne Zeugnis gibt Johannes aber etwas später, als es zwischen den beiden Jüngergruppen zum Streit gekommen ist. Die Jünger des Johannes kommen zu ihrem Meister und beklagen sich, dass nun alle zu diesem Jesus laufen und da heißt es, Johannes spricht: „Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe, ich bin nicht der Christus. … ich bin der Freund, ich stehe dabei, ich höre seine Stimme und diese Freude ist für mich Wirklichkeit geworden.“

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche Euch, dass ihr in der Frohen Botschaft von Weihnacht seine Stimme hören könnt, und die Freude des Evangeliums in Euch Wirklichkeit wird.

Der Friede sei mit Euch!

Amen.

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