Der Kirche fehlt Medienkompetenz, den Medien Kirchenkompetenz

 

"Kurier"-Journalistin Martina Salomon ortet massiven Bedeutungsschwund der zu wenig kantigen Kirche bei Familie und anderen Themen

 

Wien, 20.4.2015 (KAP) "Der Kirche fehlt es an Medienkompetenz, wie auch umgekehrt den Medien Kompetenz beim Thema Kirche": Zu diesem Urteil kam die stellvertretende Chefredakteurin des "Kurier", Martina Salomon, bei einem Medienstudientag am Montag im Wiener Kardinal-König-Haus. Ja, die Kirche sei in der medialen Aufmerksamkeit bereits "in völliger Bedeutungslosigkeit versunken", sehe man von der allseits rezipierten Caritas ab. Salomon, die für die Kirche eine "Grundsympathie" empfinde, führte als Gründe dafür mangelnde Ecken und Kanten an: Die Kirche sei etwa beim Thema Familie zu wenig streitlustig, eher schweigsam und manchmal "feig"; Organisationen und Verbände in diesem Bereich würden vor allem durch ältere Herren repräsentiert und erweckten den Anschein, als stünden sie noch im vergangenen Jahrhundert.

 

Papst Franziskus empfindet Salomon als "verhaltensoriginell" und humorvoll. Es sei aber noch offen, ob man die Kirche durch seine Person auf längere Sicht ernster nimmt. Die Caritas wiederum punkte zwar bei Profanmedien, vertrete aber oft Positionen, die ihrem Eindruck nach in der Breite der Gesellschaft durchaus hinterfragt würden.

 

Die "Kurier"-Journalistin referierte und diskutierte beim Studientag "Familie - zwischen kirchlichem Anspruch und medialer Wirklichkeit", den das Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz und der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) erstmals und im Hinblick auf die Familien-Bischofssynoden in Rom veranstalteten. Den österreichischen Medien warf Salomon Einseitigkeit bei ihrer Darstellung von Familien vor: Oft habe man den Eindruck, als sei die Kernfamilie mit Vater-Mutter-Kindern bereits eine Ausnahme oder gar ein "Auslaufmodell" und müsse, wer heute nicht als "spießig" oder diskriminierend gelten will, auch Patchwork-Familien, Homo-Ehen oder Alleinerziehende präsentieren. Aber: Immer noch wachsen 80 Prozent aller Österreicher unter 18 Jahren in einer solchen Kernfamilie auf, berichtete Salomon von einer auch für sie überraschenden Recherche.

 

Kinder bevorzugen "spießiges" Familienbild

Tatsache sei auch, dass sich Kinder nicht eine als normal dargestellte serielle Monogamie ihrer Eltern wünschen, sondern das Aufwachsen in eben einer jener "spießigen" Kernfamilien. Dieses Modell sollte von Staat und Kirche "privilegiert" werden, ohne andere Familienformen zu diskriminieren, riet die Publizistin. Denn auch wenn Kernfamilien heute oft als Hort von verborgener Gewalt verunglimpft würden, dürften derlei Fälle nicht verallgemeinert werden. Der Staat erspare sich vielmehr viel Geld für Bildung, Therapien etc., wenn Familien intakt blieben. 

 

Salomon forderte auch einen Perspektivenwechsel in der Familienpolitik, die viel mehr von den Bedürfnissen der Kinder ausgehen sollte. Als eine, die als Mutter zweier Kinder selbst jahrelang in Teilzeit arbeitete "und dennoch Karriere machte", wandte sich Salomon auch gegen Vollzeit arbeitende Mütter als einzig "politisch korrektes" Lebensmodell.

 

Das voreingenommene Familienbild in vielen Medien führte die "Kurier"-Journalistin auch darauf zurück, dass Medienleute selbst oft keine Kinder hätten. Wären Journalisten repräsentativ für das Fortpflanzungsverhalten der Gesamtbevölkerung, "würden wir aussterben", so Salomon pointiert in der Diskussion.

Zurück