„Der prophetische Blick von Papst Franziskus“

 

Das Rupertusblatt hat mit Erzbischof Franz Lackner über die Amazonien-Synode und die nachsynodale Tagung in St. Virgil gesprochen

 

SALZBURG (eds-6.11.2019) / Nach der Eröffnung der nachsynodalen Tagung vergangene Woche in St. Virgil Salzburg sprach das Rupertusblatt mit Erzbischof Franz Lackner über seine Einschätzung zu Synode und Tagung.

RB: Wie sind Ihre Eindrücke der nachsynodalen Tagung in Salzburg?

Erzbischof Lackner: In diesen wenigen Stunden konnte man erfahren, was Glaube für Menschen in lebensbedrohenden Umständen bedeutet. Es ist wieder einmal der prophetische Blick von Papst Franziskus, der die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf diese schwer in Not geratene Region gelenkt hat. Die Synode muss – nur aus diesen wenigen Begegnungen in St. Virgil – ein Geist erfülltes Ereignis gewesen sein: schlichte Einfachheit, tiefer Glaube und eine daraus erwachsene Theologie des Hinhörens auf die Armen und Bedrängten und einer stöhnenden, ächzenden Schöpfung.

RB: Was können die Ergebnisse der Synode für Salzburg bedeuten?

Erzbischof Lackner: Mit einer Selbstverständlichkeit steht Gott für die Menschen in Amazonien an erster Stelle. Dabei erleben sie einen pastoralen Notstand. Manche Gemeinden können nur einmal jährlich die Messe feiern. Die Sehnsucht nach der Eucharistie, nach der Begegnung mit dem Herrn, ist dort in einer berührenden Weise lebendig – das muss nachdenklich stimmen. Wenn man bedenkt, dass in der Stadt Salzburg nur etwa vier Prozent der Gläubigen den Gottesdienst besuchen, so wird augenscheinlich: die Wirklichkeit von Amazonien darf nicht einfach auf Europa übertragen werden. Sonst sind wir in einem kolonialen Denken verhaftet. Dort herrschen offensichtliche Nöte, denen durch neue Wege begegnet werden muss; in allen von Papst Franziskus angesprochenen Dimensionen, der pastoralen, kulturellen, sozialen und ökologischen – dessen bin ich mir sicher. Ob das auch Wege für Europa sind, bleibt für mich fraglich. Der Zölibat ist weiterhin die vorrangige Form priesterlichen Lebens. Dennoch muss für solch entlegene Orte die sakramentale Dimension der Kirche lebendig bleiben können. Hauptthema der Synode ist die Klimakatastrophe. Sie raubt vielen indigenen Völkern schier den Lebensraum. Die ökologische Krise ist von uns mitverantwortet. Die Sorge um „unser gemeinsames Haus“, die Schöpfung, muss in unseren Herzen brennen und konkrete Taten zur Folge haben. Als Diözese werden wir uns mit allen Kräften bemühen. Damit eng verbunden ist der Lebensschutz. Die demographische Schieflage unserer Gesellschaft hier in Europa zeugt von einer unverbindlichen „Ich-Religion“, wie es Papst Franziskus mehrmals benennt. Auf allen Ebenen gilt: Umkehr tut not.

 

Diesen und weitere interessante Artikel zur Amazonassynode und zur Erzdiözese Salzburg finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Rupertusblatts.

 

 

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