Der religiöse Trump

 

Theologe und Philosoph Andreas G. Weiß hat ein neues Buch geschrieben

 

SALZBURG (eds-22. 2. 2019) / „Trump ist nicht vom Himmel gefallen." Davon ist Andreas Weiß überzeugt. Vom politischen Aufstreben des Immobilienhais konnte sich der gebürtige Schwarzacher selbst in den Vereinigten Staaten überzeugen. Dorthin führte ihn ein Studienaufenthalt. Weiß, der zuvor Theologie und Philosophie in Salzburg studierte, wollte aus dem „barocken und katholischen" Salzburg aus- und für ein Jahr in die USA einreisen – vorzugsweise am „Bible Belt". Der an der Pluralität Interessierte landete – gerade recht – in der Stadt Springfield/Missouri, der nachgesagt wird, „mehr Kirchen als Fast-Food-Restaurants zu haben", wie Weiß schmunzelnd erzählt. Aus der Vielfalt des kirchlichen Angebots machte Weiß sich „einen kleinen Sport", er besuchte während seines religionswissenschaftlichen Studiums an der öffentlichen Uni jede Woche eine andere religiöse Gemeinschaft. Samstags oder sonntags zog es ihn dann doch in den katholischen Gottesdienst – „Heimat", wie er es nennt.

Trump wurde unterschätzt

In den USA lernte Weiß die Pensionistin Lynn Glor kennen – eine überzeugte Demokratin. Ihr politisches Engagement, ihr Aufbegehren beeindrucken den Theologen. Ihr widmet er sein Buch. Mehrere Forschungsaufenthalte bis 2016 verbrachte Weiß in den USA, dazwischen schloss er sein Studium in Salzburg ab und nahm das Doktoratsstudium auf. Als erster Nichtamerikaner unterrichtete er 2013 „religion in America" an der Missouri State University. „Der Blick von außen als Europäer wurde begrüßt", begründet der Theologe nüchtern und bescheiden. Die Vorwahlen 2015 verfolgte er in mehreren TV-Debatten, ein „hartes Gerangel um den Startplatz" – der Pongauer Dialekt schlägt leicht durch. Politisch änderte sich etwas, erinnert sich Weiß, der heute beim Katholischen Bildungswerk arbeitet. Den höflich-sachlichen Argumenten seines Gegenübers begegnete Trump mit Rundumschlägen und persönlichen Attacken. „Die Menschen wollten Trump sehen." Jedoch: „Man hat Trump unterschätzt, auch seitens der Parteispitze. Die Gegner konnten ihm nichts mehr entgegensetzen, um ihn loszuwerden war es zu spät."

Katerstimmung nach der Wahl

An die Präsidentenwahl am 8. November 2016 erinnert sich der heute 32-Jährige genau. Als „surreal" und „schlechte Katerstimmung" beschreibt er sein Empfinden nach Klarwerden des Wahlergebnisses in den frühen Morgenstunden. Von „egozentrischen und unorthodoxen Auftritten Trumps" schreibt der Autor in seinem Buch. „Je perfekter er sich inszeniert, umso mehr zieht er sich und sein Amt ins Ironische", sagt er. Dabei unterscheidet er zwischen Selbstinszenierungen und seiner politischen Strategie, die nicht ohne Konsequenzen bleibt. Die Beispiele reichen von sehr konservativen Richterbesetzungen bis zur Anerkennung Jerusalems zur Hauptstadt Israels. Er lasse sich nicht an Verträge, Allianzen, persönliche Versprechen oder an ungeschriebene Gesetze der Partei binden. Womit Weiß aufhorchen lässt: Er sieht den US-Präsidenten als ein Spiegelbild der Gesellschaft, nicht nur der amerikanischen. Trump sei nicht Ursache eines Übels, sondern ein Resultat. Im Buch stellt er den ungewöhnlichen Vergleich mit einer Stuhlprobe an. Diese lasse Rückschlüsse auf einen Organismus, Trump auf eine Gesellschaft zu. Sorgen um die USA macht Weiß sich nicht. Man müsse realistisch bleiben und den Präsidenten weder unter- noch überschätzen. Ihn nicht „hochstilisieren" zum Untergang westlicher Zivilisation. „Rechtliche Grundlagen schützen vor Trump, Gerichte stellen sich gegen seine Entscheidungen." Unsicherheit der Bevölkerung, Politikverdrossenheit, Establishment-Kritik – Schlagworte, die man auch in Europa kennt. Sein Buch möchte schließlich auch eines sein: „Anstoß für Christinnen und Christen, die eigene politische Verantwortung ernst zu nehmen und demokratische Ideale nicht als selbstverständlich hinzunehmen" – à la Lynn Glor.

Der religiöse Trump? Was wir nie für möglich hielten, hat uns schon verändert. 
Referent: MMag. Dr. Andreas G. Weiß, Theologe, Philosoph
Termin: Donnerstag, 7. März, 19 Uhr
Ort: Buchhandlung Motzko, Rainerstraße 17–19,  Salzburg
Anmeldung:  Tel. 0662/ 883311-99

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