Die Christen und das liebe Vieh

 

Theologe Michael Rosenberger in Salzburg: Tiergerechtigkeit ist auch biblisch begründet

 

 

 

SALZBURG (eds-31.1.2018) / Expertinnen und Experten aus Kirche, Politik, Landwirtschaft, Handel und Gesellschaft – darunter auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler, Weihbischof Hansjörg Hofer und Landtagspräsident Josef Schöchl –  kamen auf Einladung der Katholischen Aktion am Dienstagabend mit dem Tierethiker und Moraltheologen Michael Rosenberger ins Gespräch.

Nachhaltige Tierhaltung für Kirche Thema

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier sei nicht erst seit den gerade erst öffentlich gewordenen Tierversuchen der Autoindustrie Thema, sagte Elisabeth Mayer von der Katholischen Aktion (KA). Die Kirche sehe sich nicht zuletzt durch Papst Franziskus Schrift „Laudato si“ zur Nachhaltigkeit verpflichtet – der Umgang mit Land, Ressource und den Tieren als „Mitgeschöpfe“, wie es auch in der Salzburger Landesverfassung festgeschrieben ist, müsse daher für die Katholische Kirche Thema sein.

Rosenberger: Eine Frage der Würde

Der Auftrag der Bibel, so Rosenberger, sei klar: „Jedes Tier muss in seiner Würde wahrgenommen werden.“ In seinem Vortrag schlug der Buchautor von „Der Traum vom Frieden zwischen Mensch und Tier“ die Brücke von theologisch-philosophischen bis hin zu biologischen, veterinären Erklärungsmodellen; das Fazit: „Mensch und Tier haben so einiges gemeinsam.“

Rosenberger: Christliche Tierethik in Bibel begründet

Einen Wegweiser zu einer christlichen Tierethik sieht Rosenberger in Bibelstellen aus dem alten Testament. Bereits in der Schöpfungserzählung sei die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier thematisiert; Gott habe den Menschen als Hüter der Tiere berufen – sein Auftrag laute demnach, die Würde der Tiere zu achten und verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. „Es widerspricht der Würde eines Tieres, wenn es ausschließlich unter dem Nutzenaspekt betrachtet wird; jeder, der Würde hat, muss gerecht behandelt werden“, sagte Rosenberger und sprach sich damit dezidiert gegen Massentierhaltung und –schlachtung aus.

Als Mitgeschöpfe, Helfer und Gefährten seien Tiere im Bund zwischen Gott und dem Archenbauer Noah mitgemeint, ein Grund, warum auch in Geboten, Gesetzen und Traditionen, Tieren bestimmte Rechte zuerkannt wurden. Dazu Rosenberger: „Das Sabbat-Gebot betraf alle, die es damals vor Ausbeutung zu schützen galt – Frauen und Kinder, Sklaven, Flüchtlinge aber eben auch die Tiere.“

Auch Biologie und Tiermedizin fragen nach den Gemeinsamkeiten von Mensch und Tier, so der Theologe. „Tiere hegen ähnliche Bedürfnisse wie Menschen; sie haben soziale Bedürfnisse, den Drang nach Bewegung, nach Abwechslung, nach sexueller Aktivität.“ In weiterer Folge gelte es, auf die Bedürfnisse der Tiere einzugehen und diese in Fragen der Nutzung und Haltung zu berücksichtigen.

Weniger Fleisch – bewussterer Konsum

Hinsichtlich des Fleischkonsums rät der Moraltheologe zu weniger, dafür bewussterem Konsum. Bei der breiten österreichischen Produktpalette ist das auch für Familien mit geringerem Einkommen möglich, ist sich der Theologe sicher.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Bio-Bäuerin Angelika Leitner-Eisl und Metzgermeister Stefan Auernig unter reger Beteiligung der Vertreter aus Politik, Handel, Konsumentenschutz und Landwirtschaft kam es zum intensiven Meinungsaustausch, etwa über den Einfluss, den Konsumenten tatsächlich ausüben können und darüber, welche Wertvorstellungen Kindern über Ernährung vermittelt werden.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit BIO AUSTRIA statt.

Foto: Michael Rosenberger war auf Einladung der Katholischen Aktion in Salzburg.

Foto: (v.l.n.r.): Michael Rosenberger, Angelika Leitner-Eisl (Bio-Bäuerin und Vorstand von BIO AUSTRIA Salzburg) und Stefan Auernig (Metzgermeister in Hallwang)

Fotos: EDS

 

 

 

 

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