„Die Leute dürfen nicht egal sein“

 

Am 9. Juni feierte Johannes Perkmann, der Abt der Benediktinerabtei Michaelbeuern, seinen 50. Geburtstag. 

 

MICHAELBEUERN (eds/sab-11.6.2018) / Seine Wünsche sind bescheiden: weiterhin viele bereichernde Begegnungen und als Mönch auf der Suche nach Gott zu bleiben. Wenn man durch die Gänge des 1.300 Jahre alten Gemäuers schreitet, würde man es nicht glauben, aber Zeiten der Stille – das ist im Kloster nicht anders als anderswo –, die muss man sich nehmen. Besonders wenn man mit so vielfältigen Aufgaben betraut ist wie Johannes Perkmann. Er ist Abt in der Benediktinerabtei Michaelbeuern, dazu Seelsorger, Pädagoge und Manager. „Da geht es mir wie vielen anderen“, sagt er, „auch wenn es die Voraussetzungen im Kloster natürlich einfacher machen, Einkehr zu halten: der ruhige Garten, der Kreuzgang, der Auferstehungsaltar von Johann Michael Rottmayr, vor dem ich mich am liebsten aufhalte.“

Viel zu tun

So ist auch der Start in den Tag ein besinnlicher: Nach dem Morgengebet und der Messe gemeinsam mit den elf anderen Mönchen im Kloster ist es mit der Ruhe aber Ruhe. Pfarrgemeinderatssitzungen und Kurse wollen geleitet, Gäste im Exerzitienhaus betreut, Gottesdienste gefeiert werden. Und auch in der Neuen Mittelschule mit Tagesheim, die die Abtei beherbergt, ist genug zu tun. 340 Schüler gehen dort täglich ein und aus. Drei Sprachen will ihnen Perkmann mitgeben: „Die des Verstandes, die der Hände und die des Herzens. Sie sollen die Welt verantwortlich mitgestalten, mit Mitgefühl und Gottvertrauen leben.“ Lernen sollen sie das durch guten fordernden und fördernden Unterricht, soziale Projekte wie die Schulpartnerschaft mit Ghana, und die Schulpastoral, vom Versöhnungstag bis zum selbstgestalteten Schulgottesdienst, den der Abt jedes Semester mit jeder der 14 Klassen feiert.

Für den Abt gleicht kein Tag dem anderen. Und diese Vielfalt der Aufgaben ist es, die Perkmann auch nach gut drei Jahrzehnten als Benediktiner begeistert – neben den menschlichen Begegnungen. „Das Schönste ist, wenn man innerlich berührt wird und etwas dazu beitragen kann, dass andere berührt werden. Sei es in der Stille, im monastischen Leben oder wenn man die Liturgie miteinander feiert. In der Pastoral in der Gemeinde Dorfbeuern, in der die Abtei liegt, ist die Feier der Sakramente das, was für mich Berührung ausmacht.“ Auch Salzburg-Mülln und Perwang in Oberösterreich betreuen die Benediktiner von Michaelbeuern seelsorgerisch.

„Unsere Tore stehen offen“

Kennen lernte Perkmann das Klosterleben in der Abtei mit 16 Jahren während eines Ferialjobs auf der Baustelle. Er war davon so begeistert, dass er sich dazu entschloss, selbst diesen Weg einzuschlagen. „Ich würde mir wünschen, dass es mehr jungen Menschen geht wie mir. Unsere Tore stehen immer offen“, sagt der Abt. Heutzutage sei es aber schwer, Menschen für ein geistliches Leben zu gewinnen. Die Zukunft der Orden beschäftigt ihn auch als Abtpräses, als der er seit vergangenem Herbst den 14 Benediktinerabteien in Österreich vorsteht: „Ich bin überzeugt, dass es Orden immer geben wird und für die Zukunft der Kirche auch braucht. Ohne gelebte Spiritualität kann man den Auftrag, die Sendung nicht leben. Es ist wichtig zu wissen, aus welchen Wurzeln wir leben und das so zu formulieren und vorzuleben, dass die Menschen heute das verstehen. Was Gott mit uns vorhat, überlassen wir aber ihm.“

„Wo Leute begeistert sind, zieht das Kreise.“ Das gilt für Perkmann auch in der Seelsorge. „Wichtig sind Menschen, die brennen, denen die Leute und das Evangelium nicht egal sind. Sie dürfen nicht nur für eine kleine gleichgesinnte Gruppe da sein, sondern genauso für die Enttäuschten, die Zweifler, die Suchenden – für die Leute, wie sie sind. Zu uns ins Kloster kommen alle: Schüler, Gäste, Menschen, die etwas loswerden wollen. Es braucht eine breit aufgestellte, engagierte Seelsorge.“ 

Zum bevorstehenden Geburtstag zeigt sich Perkmann dankbar: „In meinem Leben hatte ich immer das Gefühl, dass ich auf einem zielgerichteten, von Gott vorgezeichneten Weg bin. Mein Primizspruch ‚Du zeigst uns den Weg zum Leben‘ trägt mich immer noch.“

 

Zur Person: Johannes Perkmann wurde 1968 in Salzburg-Maxglan geboren, wo sein Vorgänger als Abt, Nikolaus Wagner, bis 1982 Pfarrer war. Perkmann war Mitglied in der Kolpingjugend und Ministrant und leitete selbst eine Gruppe von Messdienern. Er studierte in Salzburg Theologie und in Benediktbeuern Soziale Arbeit und Theologie. 1986 trat er in das Noviziat der Benediktiner in Michaelbeuern ein und wurde 1994 zum Priester geweiht. Danach war er zwölf Jahre lang Erzieher und Religionslehrer an der ordenseigenen Hauptschule. 2006 wählten ihn die zehn wahlberechtigten Kapitulare der Abtei zum Abt. Seit Oktober 2017 steht er zudem als Abtpräses den 14 Benediktinerabteien in Österreich vor.

 

Foto: Einen Blick für viele Dinge braucht Johannes Perkmann: als Abt und Abtpräses, als Pädagoge und als Seelsorger.

Foto: Erzdiözese Salzburg

 

 

 

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