„Die Passion berührt mich jedes Mal“

 

Barbara Maier spielt bei den Passionsspielen in Erl die Rolle der „Maria“

 

ERL (eds/DP-18. 4. 2019) / Seit Mitte November laufen die Proben für die Passionsspiele in Erl auf Hochtouren. 2019 sind wieder 500 Laiendarsteller, ein Drittel der Erler Bevölkerung, bei 32 Aufführungen aktiv beteiligt. Eine davon ist Barbara Maier, die heuer erstmals Maria, die Mutter Jesu, verkörpert.

„Mit der Passion tauche ich als Spielerin in eine ganz eigene Welt ein. Für mich ist das Mitwirken das pure Abschalten vom Alltag“, erzählt Barbara Maier, die seit ihrer Jugend bis auf einmal immer bei der Passion dabei war. 2013 hatte die Pfarrsekretärin ihre erste Sprechrolle und war die Zweitbesetzung der Maria. Im heurigen Spieljahr sind erstmals viele wichtige Rollen doppelt besetzt. „Bisher gab es zwar zwei Christus-Darsteller, die sich abwechselten, bei den übrigen großen Rollen aber nur eine Zweitbesetzung, die im Notfall und bei den Zusatzvorstellungen zum Zug kam. Dieses Mal wechseln sich alle doppelt besetzten Rollen gleichwertig ab. Auch wenn ich sozusagen nur jedes zweite Wochenende im Einsatz bin, lasse ich trotzdem kein Spiel aus und gehe beim Volk mit“, sagt Maier, für die die Passion kein Freizeitopfer ist, auch wenn diese ein Jahr lang ihr Leben beherrscht. Vielmehr steht die Freude über das Dabei-Sein, die Gemeinschaft, das Zusammenwachsen aller Spieler und dass man mit Leuten aus dem Ort, die man bislang nur vom Sehen kannte, ins Gespräch kommt, im Vordergrund. „Wenn man sich auch danach nicht mehr so oft sieht, bleibt eine besondere Verbindung“, bekräftigt Maier.

Auftrag Nächstenliebe

Mit ihrem Auftritt will sie die Besucherinnen und Besucher inspirieren, berühren und Denkanstöße geben: „Es ist toll, vor so vielen Leuten etwas auszudrücken. Die Passion berührt mich jedes Mal wieder und mir ist es wichtig, dass durch die gemeinsame Darstellung des Lebens und Wirkens Jesu dieser Funke überspringt, denn gerade in unserer Zeit brauchen wir Hoffnung, Denkanstöße und Ruhepunkte, die uns aus der Alltagsroutine herausreißen und uns stärkende Impulse geben“, ist Maier überzeugt. Für sie ist die Hauptbotschaft der Passion und des christlichen Glaubens die Nächstenliebe. Ihr ist es ein Anliegen durch ihr Mitwirken mehr Liebe, Solidarität und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen und zu zeigen, dass es einen liebenden Gott gibt, der „nicht auf Bestrafung setzt, sondern jedem immer wieder eine Chance, die Möglichkeit, neu anzufangen, gibt“.

Maria als Vorbild

Besonders fasziniert Maier an ihrer Rolle die Einfachheit dieser biblischen Frau, die Demut, mit der sie ihr Leben gelebt hat, und ihr starkes Gottvertrauen. „Gerade dieses Gottvertrauen, insbesondere dann, wenn es einmal schwieriger wird, geht unserer Gesellschaft ab“, stellt Maier fest: „Die Hoffnung, dass etwas gut ausgeht, ist der Motor für alles im Leben. Man sollte auch einmal an etwas glauben, das man gar nicht weiß oder überprüfen kann, und man muss im Leben auch nicht immer alles verstehen. Oft erschließt sich der Sinn im Nachhinein.“

Parallelen zum eigenen Leben

Dass Barbara Maier für ihre Rolle lebt und sich in diese hineinversetzen kann, wird in der Szene des Abschiednehmens von Jesus besonders deutlich: „Als Mutter will man sich nie im Leben von seinem Kind verabschieden oder sich den Schmerz des Todes nur gedanklich ausmalen. Die Stärke von Maria ist, dass sie diesen Abschied dennoch akzeptiert – so wie es jeder von uns im Leben auch immer wieder erleben muss, wenn man sich im Alltag von etwas oder jemandem verabschieden muss. Und es ist menschlich, dass man das nicht immer schafft“, so die 46-jährige Erlerin. 

Sie wurde bei einem Schicksalsschlag vor einigen Jahren selbst auf die Probe gestellt, als ihr Sohn von einem Auto erfasst und schwer verletzt wurde: „Wir wussten lange nicht, wie das ausgehen wird, aber es nahm ein gutes Ende. Wenn man solche Ohnmacht einmal erlebt, kann man genau diese Gefühle und dieses Gottvertrauen auch in die Rolle hineinlegen“, meint die zweifache Mutter, deren persönlicher Glaube sich durch das Mitwirken bei der Passion auf jeden Fall verändert hat.

Hintergrund

Erl ist der älteste Passionsspielort im deutschsprachigen Raum. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass bayerische Wallfahrer auf ihrem Weg nach Altötting 1613 ein Osterspiel auf der Scheiben, ein Ortsteil von Erl, gesehen haben. Damit beginnt die Geschichte der Erler Passionsspiele. Gespielt wurde an verschiedenen Stätten. Das aktuelle Passionsspielhaus mit einzigartiger Architektur und Akustik wurde allein für die Aufführungen errichtet und bietet 1.500 Zuschauenden Platz. Die Aufführung – heu-er vom 26. Mai bis 5. Oktober – findet auf Deutsch mit englischen Übertiteln statt. An den Spielsonntagen wird um 10 Uhr die hl. Messe im Passionsspielhaus gefeiert. 

Infos und Karten: www.passionsspiele.at 

Foto: RB/Passionsspielverein Erl/Kitzbichler

 

 

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