„Die Saat geht langsam auf“

 

Unter dem Titel „miteinander bewegt“ findet derzeit der 2. Österreichische Pädiatrische Hospiz- und Palliativkongress im Bildungszentrum St. Virgil Salzburg statt 

 

SALZBURG (eds-14. 6. 2019) / Am Donnerstagvormittag wurde mit vielen Ehrengästen der 2. Pädiatrische Hospiz- und Palliativkongress in St. Virgil eröffnet. Die österreichweite Tagung gibt einen Überblick zu aktuellen, nationalen und internationalen Entwicklungen, stellt neue Therapiemöglichkeiten vor und zeigt Wege für eine qualitative Begleitung und Beratung auf. Denn wenn Kinder sterben, gerät die Welt ins Wanken. Betroffene Familien brauchen eine multiprofessionelle Begleitung auf unterschiedlichen Ebenen. Das ist vor allem Teamarbeit. Viel wurde in den letzten Jahren erreicht, vieles bleibt zu tun. 

Herausforderungen in der Hospizarbeit 

„Die Saat geht langsam auf: Was sich in den letzten Jahrzenten in der Palliativarbeit in Österreich getan hat, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Es muss uns dabei immer bewusst sein, dass Kinder, deren Lebenszeit verkürzt ist, denselben Wert und dieselbe Würde haben wie andere Kinder“, so Waltraud Klasnic, Präsidentin des Dachverbands Hospiz Österreich bei der Eröffnung. Die größte Herausforderung in der Hospizarbeit sei, dass es noch keine Regelfinanzierung gebe. „Unser Hauptwunsch ist, Hospizarbeit in Österreich leistbar, erreichbar und flächendeckend anbieten zu können“, so Klasnic. 

„Die Aufgaben in der Hospizbewegung sind ein Geschenk. Am wichtigsten ist dabei, dass Menschen, die mit einem Schicksalsschlag umgehen müssen, das Gefühl haben, nicht alleine zu sein. Es gibt eine ehrliche Dankbarkeit. Die Menschen sind froh, dass es uns gibt“, so Klasnic weiter. 

„Die größte Motivation ist für mich die tägliche Begegnung mit Menschen und die Begeisterung von Ehren- und Hauptamtlichen, mit der sie an die Arbeit gehen“, freut sich Klasnic. „Die Politik ist für mich abgeschlossen. Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich in der Hospiz- und Palliativarbeit Menschen begleiten kann – es ist eine wunderbare Aufgabe.“ 

Aktuelle Lage 

„Weltweit haben erst 50 Prozent der Menschen, die es bräuchten, Zugang zu Palliative Care. Bei den Kindern sind es laut Schätzungen noch weniger, nämlich nur fünf bis zehn Prozent“, betont Julia Downing, Geschäftsführerin des internationalen Netzwerks Palliative Care für Kinder (icpcn), in ihrem Eröffnungsvortrag. In Österreich geht man davon aus, dass ungefähr 5.000 Kinder und Jugendliche an lebensverkürzenden Erkrankungen leiden und jährlich rund 1.000 davon samt ihren Familien die Unterstützung von spezialisierten Kinderhospiz- und Palliativangeboten benötigen. 

Seit 2013 verfügt Österreich über ein akkordiertes Konzept zur Hospiz- und Palliativ-versorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Für Gesundheitspersonal gibt es einen eigenen Lehrgang für Palliative Care in der Pädiatrie, für die Qualifizierung von ehrenamtlichen Kinderhospizbegleiterinnen und -begleitern existiert ein österreichweites Curriculum. Damit befindet sich Österreich im internationalen Vergleich in einer Vor-reiterrolle. 

Einrichtungen in Österreich 

Mit Mai 2019 stehen in Österreich 14 mobile Kinderpalliativteams in acht Bundesländern und zwölf Kinderhospizteams in allen Bundesländern zur Verfügung. Ein stationäres Kinderhospiz mit psychosozialer Ausrichtung gibt es im Burgenland, einen Kinderhospiz- platz in Niederösterreich. Der Bedarf sind zwei bis drei Standorte in Österreich. Pädiatrische Palliativbetten sollte es an jeder Kinder-/Jugendabteilung in Österreich (derzeit 43 Abteilungen) geben. Aktuell gibt es drei Krankenhäuser mit pädiatrischen Palliativbetten – in Kärnten, Niederösterreich und Tirol. 

Foto 1: Eröffnungsapplaus beim 2. Österreichischen Pädiatrischen Hospiz- und Palliativkongress in St. Virgil: Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl, Primar Wolfgang Sperl, Leena Pelttari, Waltraud Klasnic, Präsidentin Hospiz Österreich, Julia Downing, Chief Executive Officer des Weltverbandes (v. l. n. r.). 

Foto 2: Waltraud Klasnic, Präsidentin Hospiz Österreich und Primar Wolfgang Sperl bei der Eröffnung. 

Fotos: St. Virgil 

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