Die Wertevorstellungen der Patienten im Blick

 

Krankenhausseelsorgetagung über Seelsorge und Medizinethik

 

SALZBURG (eds-27. 3. 2019) / Medizinethische Themenfelder beleuchtet heute noch die Österreichische Krankenhausseelsorgetagung im Bildungszentrum St. Virgil. „Seelsorger haben eine wichtige Funktion“, sagte Barbara Friesenecker, Medizinethikerin an der Uniklinik Innsbruck, gestern Abend bei einer Podiumsdiskussion. „Sie erfahren vieles aus dem Leben des Patienten oder der Patientin und welche Werte wichtig sind. Das fließt  in Besprechungen ein.“ Die Tagung steht unter dem Titel „Vom guten Tun und Lassen. Chancen und Herausforderungen für die Seelsorge im Kontext medizinethischer Fragen im Krankenhaus“ und richtet sich an alle haupt- und ehrenamtlich Tätigen im Krankenhaus und in den Pflegeheimen aus den klinischen Bereichen der Seelsorge, der Pflege und der Medizin.

Entscheidungen im Team treffen

„Ich verstehe mich als Mediator und Widerständigen“, meinte Matthias Hohla, Seelsorger im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Salzburg. Hinterfragen sei im Theologie- und Philosophiestudium ein Thema, im Medizinstudium aber nicht. „Seelsorgerinnen und Seelsorger haben Wertevorstellungen und Glauben der Erkrankten im Blick. Wenn sie nicht hinzugezogen werden, fällt das unter den Tisch.“ Seelsorger hätten nicht die medizinische Kompetenz, aber im Team bringe jeder seine Erfahrungen mit dem Erkrankten ein, um eine nachvollziehbare Therapie-Empfehlung zu geben. 

Qualitätvolles Leben oder verlängertes Sterben?

Mit verbesserter Technik und Medikamenten überleben Menschen heute länger als früher. „Man muss abwägen: Ist ein qualitätvolles Leben möglich oder wäre es verlängertes Sterben?“, so Friesenecker. „Auch das Pflegepersonal kann Signale der Patientin oder des Patienten wahrnehmen und bei der Visite massiv darauf hinweisen, ob noch Reserven da sind“, erläuterte Helga Tschugg, Leiterin der Pflege Intensiv an der Uniklinik Innsbruck. Nur vier Prozent der österreichischen Bevölkerung hätten eine Patientenverfügung: „Wir sollten jemanden bestimmen, der weiß, was mir wichtig ist im Leben. Wenn ich dann nicht mehr entscheiden kann, kann derjenige es. Ansonsten muss der Arzt handeln, der den Patienten eigentlich nicht kennt“, empfiehlt Friesenecker so früh wie möglich eine Verfügung.

Foto: Bei der Krankenhausseelsorgetagung am Podium: Helga Tschugg, Leiterin Pflege Intensiv an der Uniklinik Innsbruck, Krankenhausseelsorger Matthias Hohla, Barbara Friesenecker, Medizinethikerin an der Uniklinik Innsbruck, und Moderator Günther Brandstetter, Redakteur „Der Standard“ (v. l.).

Foto: Erzdiözese Salzburg

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