Kirche, Kunst und Öffentlichkeiten

 

Sommerfest im Rahmen der Salzburger Hochschulwochen am 3. August im Bischofsgarten

 

 

 

SALZBURG (eds/kap -  7.6.2017) Eine "Wüstenwanderung" der Kirche in Europa, bedingt durch den Verlust an Glaubenssubstanz, kann nach den Worten des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner nicht ausgeschlossen werden. Am Rande des großen Loretto-Pfingsttreffens in Salzburg erklärte er im Gespräch mit der deutschen Zeitung "Tagespost" (Ausgabe 2. Juni), trotz einiger guter Ansätze, Gott in einem säkularen Umfeld neu zur Sprache zu bringen - Lackner nannte als Beispiele u.a. den "Alpha-Kurs" für Glaubensneulinge oder das "Bibelteilen" - erscheine ihm "der Tiefpunkt noch nicht erreicht". Die Kirche sei, wie auch die Päpste Benedikt und Franziskus wiederholt gesagt hätten, "noch immer reich an Ressourcen, personell und finanziell, dennoch arm an Glaubenssubstanz".

Er glaube auch nicht, so der Erzbischof, "dass - wie einige meinen - die ankommenden muslimischen Flüchtlinge so etwas wie eine Rückkehr des Religiösen bringen werden". Dies möge ein Weckruf sein, räumte Lackner ein. Aber: "Wirklicher Glaube schöpft aber nicht aus einer Oppositionshaltung."

Dass wie jedes Jahr zu Pfingsten tausende Jugendliche dem Ruf der Loretto-Gemeinschaft folgten und im und um den Salzburger Dom anbetend und lobpreisend, meditierend und diskutierend präsent waren, bezeichnete Lackner als "so etwas wie ein prophetisches Zeichen". Ihn habe beeindruckt, dass der Dom so voll betender Jugendlicher war, dass die Bestuhlung entfernt werden musste. Es sei vielfach zu spüren gewesen, "dass junge Menschen nach Halt im Glauben suchen und mit den Herausforderungen unserer Zeit ringen". Lackner sprach von einer "tiefen Sehnsucht nach Wegweisung, letztlich nach Gott" unter vielen jungen Menschen. "Hier wirkt der Heilige Geist, vergleichbar dem Anfang der Kirche", sagte er wörtlich. "Es gibt solche Berührungspunkte zwischen Himmel und Erde: Im toten Winkel einer zu sehr Institution gewordenen Kirche findet echte Berührung statt."

Doch trotz Offenheit gerade jener jungen Leute, die "weit weg sind", für Fragen nach dem Bösen, dem Sinn des Lebens oder nach Gott sei er "skeptisch, ob sich ein katholisches Milieu wieder herstellen lässt", meinte Lackner. Seine Mutmaßung: "In Österreich und im gesamten Westen Europas werden wir noch mehr leiden müssen."


Als Bischof Amt und Charisma verbinden

Charismatische Bewegungen wie etwa das Neokatechumenat haben nach den Worten des Erzbischofs etwas Missionarisches. "Diese Gruppen fordern uns heraus, sie gehören in das Geflecht einer Diözese eingebunden", wies Erzbischof Lackner hin. "Darum bemühe ich mich, wenngleich mit mäßigem Erfolg." Er sehe hier die bekannte Spannung zwischen Amt und Charisma; "überall, wo Heiliger Geist wirkt, ist etwas in Bewegung und in Spannung zu einer Kirche, die etwas unbeweglich geworden scheint". Als Bischof habe er die Aufgabe, um der Einheit willen das Prophetische und Spontane einerseits und das Bewährte und Festgewordene andererseits zu verbinden. "Ich merke in den Schulen, vor Kindern und Jugendlichen fällt mir das Reden von Gott nicht schwer. In den Gremien ist es nicht so, dort herrscht viel Vorgefasstes, die Rede von Gott ist eher störend."

Junge, charismatische Aufbrüche gelte es in das Gefüge der Kirche sorgsam einzubauen. Gewachsene Strukturen seien oft statisch, befand der Salzburger Erzbischof und fügte hinzu: "Hier werde auch ich zum Systemkritiker."

Auch beim laufenden Zukunftsprozess für die Erzdiözese Salzburg gelte es zu beachten, dass der christliche Glaube "keine Naturreligion menschlicher Prägung" sei. Von Menschen organisierte Strukturen dürften nicht im Zentrum stehen, dort sei der Platz Gottes. Es brauche Impulse von außen, betonte Lackner: "Unser Glaube basiert auf Offenbarung - Gott spricht, der Mensch hört. Ich habe heute zuweilen den Eindruck, dass wir diesen Charakter unseres Glaubens verlieren."

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