Jubiläum: 1300 Jahre Heilige Erentrudis

 

Nonnberger Benediktinerinnen feierten mit Erzbischof Franz Lackner Festgottesdienst

 

 

 

SALZBURG (eds-30.6.2018) / „Gerade heute sollten wir Maß nehmen an den Heiligen von damals“, sagte Erzbischof Franz Lackner in seiner Predigt beim Festgottesdienst zu 1300 Jahre Heilige Erentrudis Samstagabend in der Stiftskirche Nonnberg. Gemeinsam mit Erzabt Korbinian Birnbacher und Abt Johannes Perkmann stand Lackner dem Jubiläumsgottesdienst vor.

Die Gefahr des Flachwurzelns

Wie der Weinstock in karger Umgebung tiefe Wurzeln schlagen kann, so hat auch die Heilige Erentrudis – aus Worms kommend – in fremder Umgebung aufgelebt und aus dem Antrieb des Glaubens heraus in die Welt und die Diözese hineingewirkt, führte Lackner in seiner Predigt aus. „Heute besteht die Gefahr, dass wir bei allem Überfluss und aller Fülle zu Flachwurzlern verkommen“, mahnte Lackner. „Die Werke stehen heute für viele Menschen im Vordergrund und am Abend schauen wir dann, was für Gott noch übrig ist“.

Die Tiefe, aus der die Heilige Erentrudis schöpfte, wurzle aus einer benediktinischen Geisteshaltung, die Vorbild sein könne, so Lackner. Zur Zeit der Heiligen war, der Benediktinerregel folgend, das Gebet an erster Stelle und beseelte Werke und Arbeit, führte Lackner aus.  „Gerade heute sollten wir deswegen Maß nehmen an den Heiligen von damals“, sagte der Salzburger Erzbischof. Im Anschluss an den Gottesdienst empfingen die Gottesdienstbesucher den Erentrudis-Segen.

Erentrudis-Lied

Das von zwei Nonnberg-Frauen komponierte Erentrudis-Lied feierte beim Festgottesdienst offizielle Premiere. Schwester Miriam Eisl und Schwester Emmanuel Ingrudber hatten mit Unterstützung von Kirchenmusikerin Barbara Schmelz anlässlich der 1300-Jahr-Feier eigens ein Lied für die erste Äbtissin der Abtei geschrieben. Die Salzburger Patronin und „Landesmutter“ wird darin als „Frau voll Weisheit“ und „Frau voll Liebe“ besungen. Das Salzburger Glockenspiel hat das Lied bereits für sich entdeckt und das Erentrudis-Lied zum Jubiläumstag in die Stadt hineingeläutet.

Pfarre Herrnau feiert Pfarrpatronin Erentrudis

Das Jubiläumsfest geht morgen, 1. Juli, weiter: Die Pfarre Herrnau feiert mit Weihbischof Hansjörg Hofer die Heilige Erentrudis als ihre Pfarrpatronin. Um 9.30 Uhr beginnt der Gottesdienst, von Jugendlichen gestaltete Wegweiser mit Bibelsprüchen weisen den Weg zur Pfarrkirche; Im Anschluss an den Festgottesdienst findet ein Straßenfest mit Kinderprogramm statt; Bei Schlechtwetter weicht die Festgemeinde in die Räume der Neuen Mittelschule aus.

Die Benediktinerinnenabtei auf dem Nonnberg ist das weltweit älteste christliche Frauenkloster mit ununterbrochener Tradition. Die aktuelle Äbtissin, Veronika Kronlachner, ist die 93. Nachfolgerin der Heiligen Erentrudis. Das Frauenstift wurde 714 von Bischof Rupert von Worms, dem Begründer und ersten Bischof von Salzburg, gegründet. Er setzte die spätere Heilige und Diözesanpatronin Erentrudis als erste Äbtissin ein. Seit dem 9. Jahrhundert leben die Nonnen nach der Regel des heiligen Benedikt von Nursia (480-547). Die Aufgaben der Schwestern konzentrieren sich heute neben dem Chorgebet und den innerklösterlichen Arbeiten auf wissenschaftliche und kulturelle Tätigkeiten sowie auf die Aufnahme von Gästen.

Erentrudis ist gemeinsam mit dem Heiligen Rupert und dem Heiligen Virgil Salzburger Diözesanpatronin. Das genaue Datum ihrer Geburt ist nicht bekannt, viele Quellen geben aber geschätzt das Jahr 663 an. Sie wurde in Worms in eine adelige Familie hinein geboren und kam um 696 mit ihrem Onkel Rupert aus Worms nach Salzburg, wo Rupert als Abtbischof wirkte. Als erste Äbtissin vom Nonnberg setzte sie u.a. auch zahlreiche soziale Impulse. Wie Erentrudis hatten auch ihre Mitschwestern adelige Herkunft und ein hohes Bildungsniveau, womit sie den Lebens- und Bildungsstandard der Bevölkerung verbessern und das Christentum ausbreiten konnten. Schon bald nach ihrem Tode wurde die in ihrem Kloster bestattete Erentrudis als Heilige verehrt, wie eine Urkunde aus dem Jahr 788 belegt.

Foto1:  Äbtissin Veronika Kronlachner ist 93. Nachfolgerin der Heiligen Erentrudis.

Foto2: Singend: Altäbtissin Perpetua, Sr. Miriam und Priorin Sr. Eva-Maria.

Foto3: Der Reliquienschrein der Heiligen Erentrudis wurde den Gläubigen beim Erentrudis-Segen auf das Haupt gelegt.

Foto4: Erzbischof Franz Lackner feierte gemeinsam mit den Benediktinerinnen Festgottesdienst.

Foto5: Sr. Miriam und Kirchenmusikerin Barbara Schmelz haben mit Sr. Emmanuel (nicht im Bild) das Erentrudislied komponiert und getextet; beim Festgottesdienst feierte das Lied offiziell Premiere.  

Fotos: Erzdiözese Salzburg

 

 

Bild: Heilige Erentrudis erscheint einem bairischen Nonnenchor / Szene aus Erentrudis-Vita, Ende 17. Jahrhundert

Bildnachweis: Stift Nonnberg

 

                     

Zurück