Ein Weg zum Miteinander

 

Der Deutschkurs in Leopoldskron-Moos ist ein Beispiel kirchlichen Engagements für Flüchtlinge in der Erzdiözese Salzburg

 

SALZBURG (ibu – 27. 8. 2015) / Heiar ist sechs und freut sich schon auf die Schule. „Ich möchte auch in die Schule“, ruft Perjav, die sich aber noch gedulden muss. Sie ist erst vier Jahre alt. Ihren Namen kann sie schon schreiben. Da staunt auch Nathanael. Er verbringt mit den beiden syrischen Mädchen und weiteren Kindern einen Ferienvormittag am Spielplatz von Leopoldskron-Moos und hat immer wieder ein Auge auf die Kleineren. Der Neunjährige ist einer der jüngsten Freiwilligen in der Salzburger Stadtpfarre und an diesem Tag gemeinsam mit Sigrid Hamberg und Marlies Haslauer im „Betreuungs-Team“ für die Flüchtlingskinder. „Sie sind ganz unkompliziert und sehr lieb. Wir kommen gut miteinander aus“, betont Haslauer.  

Während die Kinder draußen spielen, üben ihre Eltern drinnen eine Gesprächssituation beim Einkaufen. Noch bis Freitag verwandeln sich der Pfarrsaal und die Küche im Pfarrhof jeden Vormittag in Klassenräume. Ehrenamtliche unterrichten syrische Frauen und Männer. Der Deutschkurs in Leopoldskron-Moos ist ein Beispiel kirchlichen Engagements für Flüchtlinge in der Erzdiözese Salzburg.  

Wenn die Zahlen Gesichter bekommen  

„Wie geht es dir?“ Die Begrüßung geht Rami schon leicht über die Lippen. Seit einigen Wochen lebt er mit anderen Syrern im Zeltlager in der Salzburger Alpenstraße. Außer warten bleibt hier nicht viel zu tun. Lichtblick ist da der Deutschkurs, den die Pfarre Leopoldskron-Moos auf die Beine gestellt hat. Gemeinsam mit seinen Freunden ist Rami aus dem Bürgerkriegsland Syrien geflohen. Dort wo einmal sein Zuhause stand, ragen nur mehr Ruinen aus dem Boden. Handyfotos zeigen die Zerstörungskraft einer Bombe. Verlust, Angst und die ungewisse Zukunft beschäftigen alle Flüchtlinge, die sich seit knapp einem Monat jeden Vormittag in der Pfarre Leopoldskron-Moos treffen. Doch sie eint noch etwas anderes: Sie wollen rasch Deutsch lernen.  

Ihren Unterricht machen Freiwillige wie Rita Hartl möglich. „Eine Stunde in der Volksschule ist anstrengender“, lacht die Pädagogin und ergänzt: „Die Bereitschaft, etwas zu lernen ist bei allen da. Sie schreiben mit, sind sehr aufmerksam. Für mich ist es schön, einen kleinen Beitrag leisten zu können. Wenn ich die Menschen vor mir habe, sind es plötzlich nicht mehr die Asylbewerber. Sie bekommen ein Gesicht und ich erlebe ihre Liebenswürdigkeit“, sagt Hartl, die auch betont, dass mehrere junge Leute aus der Pfarre mithelfen. „Das finde ich besonders toll.“ Als „Assistentinnen“ stehen der Volksschullehrerin an diesem Tag die  Maturantinnen Valerie und Nelly zur Seite, die erklären: „Als einzelne Person weißt du  eigentlich nicht, was du für die Flüchtlinge tun kannst. Hier mitzumachen finden wir sehr wertvoll. Und es bringt etwas. Wir sehen ja die Fortschritte im Kurs.“  

Aus dem Pfarrsaal wird ein Klassenzimmer  

Es muss jemand den Mut und die Initiative für den Anfang aufbringen. In der Pfarre Leopoldskron-Moos ist das mit dem Sprachkurs für syrische Flüchtlinge geglückt. Die Lehrenden sind alles Ehrenamtliche. Einige Pfarrmitglieder bereiten jeden Tag eine Jause vor. Für die Kleinkinder wird während des Unterrichts eine Betreuung angeboten.   

„Wie eine Familie“ - Interview mit Gabriela Binia  


Gabriela Binia ist mit Pastoralassistentin Margarita Paulus und dem Syrologen und Kirchenhistoriker Aho Shemunkasho federführend bei der Kurs-Organisation.  

RB: Wie kam es zum Deutschkurs in der Pfarre?

Binia: Wir wollten in der Pfarre etwas für Flüchtlinge machen und überlegten: Ausflüge, Kochen... wir hatten verschiedene Ideen. Es war dann ein schneller Entschluss diesen Deutschkurs zu organisieren. Die Menschen möchten lernen und sie  brauchen den Unterricht. Rund 18 kommen regelmäßig, das sind Familien, die schon länger in Salzburg sind und vier junge Syrer aus der Alpenstraße. Sie wollen nur raus aus dem Zeltlager. An einem Sonntag waren sie bei der Messe, dann beim Pfarrcafé und am nächsten Tag schon beim Sprachkurs.  

RB: War es schwierig Freiwillige zum Helfen zu motivieren?


Binia: Überhaupt nicht. Es waren sofort Leute bereit zu helfen. Darunter sind viele Lehrer und Studenten, die unterrichten. Jugendliche und Pensionisten bringen sich genauso ein. Es ist generationenübergreifend. Manche kommen mit Kuchen für die Pause vorbei, andere haben Fahrräder für die Flüchtlinge abgegeben. Ich staune selbst, wie sich das in der Pfarre entwickelt hat.  

RB: Geht die Begegnung mit den Flüchtlingen über den Sprachkurs hinaus?


Binia: Mir liegen die vier aus dem Zeltlager sehr am Herzen. Meine Familie ist gewachsen und meine Töchter haben Brüder dazubekommen. Wir gehen zum Almkanal schwimmen, üben Deutsch – sie bringen mir auch Arabisch bei, ich kann schon zählen – oder sie kommen zu uns zum Kochen und Fußballschauen im Fernsehen. Über allem hängt aber immer die Sorge, ob sie in Österreich bleiben dürfen. Ihr größter Wunsch: Alles vergessen, studieren und arbeiten dürfen.    


Foto: „Die Pfarrfamilie“ Leopoldskron-Moos organisiert einen Ferienmonat lang einen Sprachkurs für syrische Flüchtlinge Foto: Rupertusblatt/ibu


      

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