Eine Künstlerin zwischen Fragilität und Stabilität

 

Erzbischof Lackner überreichte Angelika Loderer den mit 11.000 Euro dotierten Kardinal-König-Kunstpreis 2019

 

SALZBURG (eds-28. 11. 2019) / In einem feierlichen Festakt überreichte Erzbischof Franz Lackner gestern Abend im Salzburger Bildungs- und Konferenzzentrum St. Virgil den Kardinal-König-Kunstpreis 2019 an die gebürtige Steirerin Angelika Loderer. Auch der weltweit bekannte Galerist Thaddaeus Ropac und Harald Krejci, Chefkurator des Belvedere Wien, sowie zahlreiche Kunstliebhaber waren anwesend.

In seinen Begrüßungsworten sagte Michael Max, Kirchenrektor von St. Virgil: „Die Kunst ist die Mahnerin in der Genossenschaft zwischen Zeit und Mensch, nicht zu schnell eng zu werden, nicht zu schnell den Blickwinkel zu verkleinern und somit in Extremismen zu landen.“ In diesem Sinn sei Kunst stets auch eine wichtige Herausforderung und gute Dialogpartnerin für Religion und Glaube.

Österreichische Kunstszene

Wie vielfältig Kunst sein kann, sah man in Videoporträts, die die Filmemacherin Carolina Revertera von den 20 nominierten Künstlerinnen und Künstler gedreht hat. Die für den Preis eingereichten Werke und auch der Film, für den Reverta die Kunstschaffenden in ihren Ateliers besucht hat, sind bis 29. 1. 2020 in Rahmen einer Ausstellung in St. Virgil Salzburg zu sehen. Des Weiteren steht ein Katalog der diesjährigen Ausstellung zum Verkauf zur Verfügung. Antonia Gobiet, Kuratorin und Geschäftsführerin des Kardinal König Kunstpreises, betont die hohe Qualität der Arbeiten: „In der Ausstellung sind die aktuell wichtigsten jungen Positionen der österreichischen Kunstszene vertreten.“

Empathie in der Kunst

Die prämierte Arbeit „Poems to Gadgets (Icicles)“ von Angelika Lederer ist ein Ensemble von Messingskulpturen, die abgegossene Eisblöcke auf zarten, verbogenen Stahlstangen zeigen. Das Spannungsverhältnis zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren, dem Fragilen und dem Stabilen durchzieht ihr Werk ebenso wie die prekäre Balance zwischen dem präzise Planbaren und dem Unvorhersehbaren und Zufälligem. „Als ich das erste Mal die Skulpturen von Angelika Loderer gesehen habe, hat mich die Verbindung von Fragilität und Stabilität beeindruckt“, sagte Erzbischof Franz Lackner bei der Verleihung. „Als gläubig denkender Mensch fiel mir sofort das Wort ‚Getragen-Sein‘ ein“, so der Salzburger Erzbischof

In seiner Laudatio an Angelika Loderer hob Harald Krejci die besondere Begabung der Künstlerin hervor: „Sie ist eine außergewöhnliche Künstlerin, die eine unglaubliche stringente Auseinandersetzung pflegt und wie eine Forscherin vorgeht. Angelika Loderer hat Empathie in die Kunst und Bildhauerei gebracht.“

Angelika Loderer, geb. 1984 in Feldbach/Stmk., arbeitet vor allem im Bereich von Skulptur und Rauminstallation; ihre Werke waren u. a. in der Secession Wien, im Grazer Kunstverein und in namhaften Gruppenausstellungen vertreten, z.B. „all natural“ Museum der Moderne Salzburg (2019). 2016 wurde ihr der Dagmar Chobot Skulpturenpreis verliehen. Angelika Loderer lebt und arbeitet in Wien.

Der Kardinal-König-Kunstpreis wurde auf Anregung von Prälat Johannes Neuhardt 2004 gegründet. Zielsetzung des Kunstpreises ist es, „Initiativen zur Begegnung und zum Dialog zwischen Künstlerinnen und Künstlern und Kirche“ zu fördern, wie in den Statuten festgelegt. Alle zwei Jahre wird deshalb eine künstlerische Position ausgewählt, die beispielhaft für „den zeitgenössischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Diskurs ist“.

 

Foto: Erzbischof Franz Lackner mit der Preisträgerin Angelika Loderer, Kuratorin Antonia Gobiet, Galerist Thaddaeus Ropac und Initiator Johannes Nuehardt (v.l.).

Foto: Erzdiözese Salzburg

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