Eine stille Kraft zur Veränderung

 

Erzbischof Lackner beklagte bei der Maria-Namen-Feier im Wiener Stephansdom den Verfall christlicher Werte 

 

WIEN (eds/kap-17.09.2019) / „Höchste Werte wie Ehe, Familie zwischen Mann und Frau oder das Leben als göttliche Gabe von seinem Anfang an bis zum gottgewollten Ende werden eingeebnet und auf einen Minimalkonsens reduziert“, merkte der Erzbischof kritisch an. „Eine stille Kraft zur Veränderung der Welt“ – so lautet das Motto der Feier, die von der Rosenkranz-Sühnekreuzzug-Gebetsgemeinschaft (RSK) seit Jahrzehnten in Wien veranstaltet wird und in Verbindung mit dem kirchlichen Maria-Namen-Fest (14. September) an die Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung erinnert.
Negativ wirke sich das etwa auf die Lage der Kirche aus, „die von den Marktplätzen unserer Welt vertrieben wird“. Der Erzbischof zeigte sich besorgt angesichts der „horrenden Kirchenaustrittszahlen“ und der „antichristlichen Gebärdung“ einer Majorität der Bevölkerung. So hätten etwa Menschen, die sich gegen Abtreibung aussprechen keinen Platz mehr in der Mitte der Gesellschaft. 

Mit Jesus am Abgrund

Aber auch innerhalb der Kirche habe Gott bei Vielen an Bedeutung und Verbindlichkeit eingebüßt und musste zu einem großen Teil dem Menschen weichen, der nun im Mittelpunkt des Geschehens stehe; gemeint sei allerdings nur jener Mensch, der in der Mitte des Lebens stehe, nicht aber der kranke, alte oder etwa flüchtende Mensch, kritisierte der Bischof. „Wenn wir diese Themen betrachten, können wir sagen, wir stehen mit Jesus am Abgrund, man will uns hinabstürzen“, so Lackner. Aber auch angesichts dieser Herausforderungen dürfe der Mensch zurecht glauben, „weil wir das Wort Gottes kennen, weil wir das Opfer Christi feiern dürfen“.

Dabei habe das Christentum nachdrücklich zur Entwicklung Europas beigetragen. Lackner verwies etwa auf jene Frauen und Männer, die die Geschichte hindurch, motiviert von einer innerlichen Berührung Gottes, „Großtaten der Barmherzigkeit“ vollbracht hätten; und auch die in Europa so hoch geschätzten Menschenrechte hätten sich aus einem Dialog zwischen jüdisch-christlichem Denken und der griechischen Philosophie entwickelt.

Die Predigt von Erzbischof Franz Lackner im Wortlaut

Foto: kathbild/Rupprecht

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