Erst wenn man selbst Mutter ist, versteht man ...

 

Gedanken einer Mutter zu einem lebenslangen Vollzeitjob

 

... was ein Kinderlachen auslösen kann.

Das erste Lächeln, die ersten Schritte, die erste Zeichnung, auf der man etwas erkennen kann, der erste gelungene Purzelbaum, ... Wie stolz ist man als Mutter über jeden noch so kleinen Erfolg. Kennen Sie die Freude, wenn von den Kindern etwas zurückkommt? Ein Lachen, eine Umarmung, ein Stück Schokolade, das sie teilen, ein selbstgepflückter Blumenstrauß, ein „Ich-hab-dich-lieb, Mama“. Das sind Momente voller Ehrlichkeit, voller Herzlichkeit und Liebe, voller Dankbarkeit.

Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen man Angst hat, dass ein Kind zum Beispiel vom Klettergerüst fällt, oder hofft, dass alles gut ausgeht, weil man mit dem Kleinen gerade auf dem Weg ins Krankenhaus ist. Manchmal weiß man im Nachhinein gar nicht mehr, wie man das alles geschafft hat, zum Beispiel dem Ältesten Skifahren zu lernen, während die Mittlere mit dem Bob beschäftigt wird und der Kleinsten in der Bauchtrage ist, wenn alle gleichzeitig aufs Klo müssen oder sie nacheinander die Windpocken haben und man wochenlang zuhause bleiben muss. Irgendwie geht immer alles, weil nur Mütter die besten im Hochleistungs- und Ausdauersport sind. Gott-sei-Dank relativiert sich vieles und bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man eigene Kinder hat. 


... was uns Kinder lernen können.

Es ist nicht nur das Staunen über Kleinigkeiten, die uns unsere Kinder wieder vor Augen führen. Man nimmt beispielsweise bei einem Spaziergang Dinge wahr, die man jahrelang nicht mehr gesehen hat. Seit mein Sohn mich fast überallhin begleitet, übersehe ich keinen Bagger oder Zug, mit meiner Tochter kein Pferd auf der Wiese. Ist es nicht schön, jeden Schmetterling wahrzunehmen, über jede Raupe zu staunen, die ersten Gänseblümchen im Frühling zu pflücken, im Sommer zu planschen wie ein Kind, im Herbst gemeinsam in die Pfützen zu springen und sich im Winter selbst einmal mit dem Rutschteller den Hang hinunterzustürzen?

Kinder zeigen uns auch, wie wichtig Ausdauer im Leben ist: Etwas noch einmal zu versuchen, wenn man es nicht auf Anhieb schafft, oder hartnäckig noch einmal nachzufragen, wenn man etwas haben möchte. Sie führen uns außerdem täglich vor Augen, dass sofort wieder alles gut sein kann, wie schnell meist eine Versöhnung möglich wäre und dass man sich – so wie ich – das Leben verkomplizieren kann, wenn man nachtragend ist.

Kinder leben uns eine unvergleichbare Unbeschwertheit vor. Sie fordern uns auf, selbst in noch so schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren. Meine Kinder lehrten mich, geduldig zu sein, und sie zeigten mir, wie wichtig es ist, gelassen zu bleiben –auch dann, wenn man schon schwitzt, wenn doch erst eines von drei Kindern endlich den Skianzug anhat. Heute kann ich behaupten, dass ich in meinem Leben noch nie so gelassen war wie jetzt mit drei kleinen Kindern. Für mich waren sie zudem eine Schule weg vom Perfektionismus. Und das tut unglaublich gut. – Mutter-Sein ist eine Qualifikation, die in unserer Gesellschaft leider immer noch unterschätzt wird, aber auf die ich unglaublich stolz bin. Erst wenn man Mutter ist, kann man zum Beispiel Zeitmanagement und Organisationstalent neu definieren.

Meine Kinder haben mir darüber hinaus wieder bewusst gemacht, wie wichtig Vertrauen ist. Es erfüllt mich mit Verantwortung aber auch mit Freude und Dank, wie sie sich auf mich verlassen und mir vertrauen. Mit der Zeit habe ich gelernt, wie wichtig es ist, zur richtigen Zeit Vertrauen in die Kinder zu haben. Auch wenn man als Mama immer einen oder mehrere Schritte voraus denkt, kann man, gerade wenn man mehrere Kinder hat, nicht zu jeder Sekunde alle im Auge behalten. Es braucht zum Beispiel das Vertrauen, dass sie an der Gehsteigkante stehen bleiben oder nicht mit den Stiften die ganze Wohnung ausmalen. Meine Kinder haben in mir das Urvertrauen gestärkt, dass ich die richtigen Entscheidungen treffe, auch wenn sie nicht immer von A bis Z durchdacht sind und jede Eventualität einbezogen wurde, und dass alles gut ausgeht. Ich habe ein tiefes Vertrauen, dass wir im Leben getragen werden und alles seinen Sinn hat, auch wenn dieser manchmal erst im Nachhinein ersichtlich ist.

 
... wie viel ein Körper aushalten kann.

Welche Eltern kennen sie nicht: die schlaflosen Nächte, wenn ein kleines Kind erkältet ist, Zähne plagen oder sie einfach nur kuscheln wollen. Das ständige Herumtragen, das die Armmuskeln so mancher Mama gewaltig stärkt, aber sich auch auf den Nacken, den Rücken und die Knie auswirkt. Ein ausgelaugter Körper, weil man nur herumrennt und kaum zum Essen kommt. Den „Ausschaltknopf“ sucht man vergeblich bei Wutanfällen und Trotzphasen, bei „Quasseltanten“ und nervigen Angewohnheiten. – Trotzdem weiß eine Mutter, warum sie das dennoch gerne liebevoll, herzlich und geduldig macht und alles aushält. Und im Rückblick ist das auch gar nicht mehr so schlimm. Man vergisst vieles und erinnert sich nur noch an die Highlights der Strapazen mit einem Lächeln im Sinne von „Weißt du noch, wie wir nachts mit dem Auto eine Runde gefahren sind, weil die Kleine nicht mehr eingeschlafen ist ...?“

Zeit für sich oder für den Partner bleibt oft nicht. Insbesondere dann, wenn – so wie bei uns – keine Großeltern in der Nähe sind. Vom Abendessen zu zweit träume ich  momentan noch, einfach einmal in Ruhe zu duschen kann auch schon viel Kraft und Energie geben. 


... was es heißt, ein Leben lang die wichtigste Person zu sein.

Erinnern Sie sich noch, wie am Anfang alle das Neugeborene anschauen und halten wollten. Und auch daran, dass es beim ersten Quengeln sofort wieder an die Mutter übergeben wurde? Wie hilflos plötzlich alle waren, wenn es anfing zu schreien? –Wenn Mama da ist, ist sofort wieder alles gut: egal, ob das Baby Hunger hat, es Tränen am Spielplatz gibt oder gerade ein Wutanfall vorausging. Mama ist die wichtigste Trösterin, wenn die Katze stirbt. Sie hat am meisten Verständnis, wenn die Schularbeit danebengeht. Mama weiß einfach, was das Kind braucht, und sie ist da, wenn es krank ist, jemanden zum Zuhören braucht, einen Rat oder eine zweite Meinung haben oder einfach nur in den Arm genommen werden will. Und das ändert sich, wenn ich an meine Mama denke, ein Leben lang nicht. Auch umgekehrt nicht, weil sich eine Mutter auch ein Leben lang Sorgen um ihr Kind macht. Egal, wie alt es ist. Und das ist gut so. 


Für mich ist es zweifellos das größte Glück, dass ich Mutter sein darf. Und das gleich drei Mal. 


Foto: Daniela Pfennig mit ihrem Mann Markus und Jonas (knapp 4 Jahre), Livia (2 Jahre) und Finnian (4 Monate).

Foto: privat

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