Erzbischof Lackner eröffnet Salzburger Hochschulwoche 2015

 

Renommierte akademische Veranstaltung heuer vom 27. Juli bis 2. August zum Thema "Prekäre Humanität" - "Theologischer Preis" für deutsche Koranforscherin Angelika Neuwirth

 

SALZBURG (eds/kap – 27. 7. 2015) / Mit einem Appell an die eigene Kirche und die Theologie, Humanität und Menschsein neu zu bedenken und weiterzuentwickeln, hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner am Montag die "Salzburger Hochschulwoche" eröffnet. "Abscheulichkeiten, fundamentalistische Bestrebungen, Leben im Namen Gottes zu vernichten" machten Humanität heute zu einem flüchtigen, letztlich prekären Gut, so Lackner unter Verweis auf das Thema "Prekäre Humanität", unter dem die renommierte Veranstaltung an der Universität Salzburg in diesem Jahr steht. "Hier könnte und müsste das Christentum, in dessen Zentrum die Menschwerdung Gottes steht, die Menschheitsgeschichte fortschreiben". Zugleich mahnte Lackner in seinen Eröffnungsworten, dass auch Kirchen und religiöse Gemeinschaften nicht vor Inhumanität gefeit seien.  

Auf die Aktualität des Themas verwies im Gespräch mit "Kathpress" auch der Obmann der Hochschulwochen, der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff. Sei es der Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" vom heurigen Jänner, sei es die aktuelle Flüchtlingskrise, Gewalt im Nahen Osten oder die Frage, ob es Europa gelingt, Griechenland zu stützen - "all dies zeigt, dass wir heute mehr denn je herausgefordert sind, politisch, ökonomisch und gesellschaftlich neu zu bestimmen, was Humanität eigentlich ausmacht". "Prekär" gestalte sich dabei nicht zuletzt der Blick auf die Religion selbst: So könne diese zwar Quellen der Humanität freilegen und neu ins Bewusstsein rufen, dies jedoch nur, wenn sie sich der "eigenen Problemgeschichte" bewusst werde, die Terror und Gewalt im Namen Gottes und damit letztlich Inhumanität beinhalte.  

Die Salzburger Hochschulwoche dauert noch bis 2. August. In Vorträgen, Workshops, Diskussionsrunden und einem umfassenden auch spirituellen Rahmenprogramm werden in den kommenden Tagen rund 800 Studierende und Interessierte in Salzburg erwartet. Ziel dieser traditionsreichsten akademischen Veranstaltungsreihe im deutschen Sprachraum, die bis ins Jahr 1931 zurückreicht, ist u.a. eine interdisziplinäre Vernetzung der Theologie und damit eine Festigung der Theologie als universitäre Wissenschaft. Unter den Referenten sind u.a. der Berliner Philosoph Volker Gerhardt, der Kölner Theologe Hans-Joachim Höhn, der Berliner Wissenschaftshistoriker Jürgen Renn und die in Bonn und Leuven lehrende Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher.  

Neben dem wissenschaftlichen Programm bieten die Hochschulwochen außerdem ein spirituelles Rahmenprogramm. So bildete ein Gottesdienst in der Erzabtei Stift St. Peter den Auftakt der heurigen Hochschulwochen. In seiner Predigt verwies Abt Benno Malfer dabei auf den "prekären Zusammenhang von Leben und Energie, von Liebe und Freiheit". Menschliches Leben sei nur dort "human", wo es sich der "Abhängigkeitsverhältnisse" sowohl vom jeweiligen Mitmenschen als auch von der natürlichen Begrenztheit des Lebens bewusst sei, so Malfer.  

Die einzelnen Veranstaltungstage heben ebenfalls mit Gottesdiensten oder ökumenischen Gebeten an; den Endpunkt bildet schließlich am Sonntag, 2. August, ein Festgottesdienst mit Erzbischof Lackner im Salzburger Dom (8.30 Uhr).  

"Theologischer Preis" an Islamforscherin  

Der im Rahmen der Hochschulwochen alljährlich vergebene "Theologische Preis" geht heuer an die deutsche Orientwissenschaftlerin Angelika Neuwirth, die an deutschen und internationalen Universitäten (Italien, Iran, Israel) lehrte und seit 2007 Leiterin des Projekts Corpus Coranicum an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ist  

"Religionstriennale" mit internationalem Flair  

Ein eigenes Begleitprogramm speziell für Studierende stellt darüber hinaus die zeitgleich stattfindende "Salzburger Religionstriennale" sowie die Vergabe eines "Publikumspreises für Wissenschaftliche Kommunikation" der Hochschulwochen dar. In Kooperation mit dem Fachbereich "Systematische Theologie" der Universität Salzburg arbeiten 20 junge Wissenschaftler aus ganz Europa zu Fragen aus Religion, Kultur, Politik und Identität.  

Es habe angesichts der Fragen der Humanität auch eine besondere "Symbolkraft", so Hoff, dass u.a. Studierende aus Russland und der Ukraine angereist sind. Es sei nicht zuletzt diese Internationalität der jungen Nachwuchswissenschaftler bei der "Religionstriennale", die den "Salzburger Hochschulwochen" ihre besondere Strahlkraft und "europäische Dimension" geben, so Hoff. Heuer widmen sie sich in Vorträgen und Diskussionen dem Thema "Religionskulturen: Zivilisierung und Humanität im Zeichen der monotheistischen Religionen". (Infos: www.salzburger-religionstriennale.at)
 

Programm- und Detailinformationen sowie Anmeldung zur Salzburger Hochschulwoche unter: www.salzburger-hochschulwochen.at

Foto: Erzbischof Franz Lackner mit Hochschulwochen-Obmann Gregor Maria Hoff und Universitätsrektor Heinrich Schmidinger bei der Eröffnung der Salzburger Hochschulwoche 2015. Foto: EDS

 

 

Zurück