Erzbischof Lackner und syrischer Bischof danken Salzburgern

 

Salzburger Erzbischof bei Tagung der Initiative Christlicher Orient: "Glaube light", aber trotzdem großes solidarisches Potenzial in der Bevölkerung - Debatte über Möglichkeiten des Dialogs zwischen Christen und Muslimen

 

SALZBURG (KAP - 29.9.2015) /Die große Solidarität der Salzburger mit den Flüchtlingen hat Erzbischof Franz Lackner gewürdigt. Lackner äußerte sich in seinem Grußwort bei der Jahrestagung der Initiative Christlicher Orient (ICO) im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil, die am Dienstag zu Ende gegangen ist. Die Tagung stand u.a. im Zeichen der aktuellen Situation in Syrien, über die der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, berichtet hatte. Die Mehrheit der tausenden Flüchtlinge in Salzburg kommt aus Syrien. Audo würdigte in St. Virgil ebenfalls die Bereitschaft der Regierungen Österreichs, Deutschlands oder Schwedens, die Flüchtlinge gut aufzunehmen.

Erzbischof Lackner zeigte sich in seinem Grußwort überzeugt, dass sich der Glaube im globalen Zusammenspiel von Kulturen und Religion als einheitsstiftende und versöhnende Kraft bewähren werde. Christen und Muslime wie auch Angehörige aller anderen Religionen müssten bezeugen und zeigen, "dass wir alle eine gemeinsame Verantwortung haben vor Gott und den Menschen".

Für Europa konstatierte Erzbischof Lackner einen Art "Glaube light", der sich nicht in Extremsituation wie im Nahen Osten bewähren müsse. Trotz dieses Glaubens auf eher niedrigem Niveau gebe es nun aber in Österreich auch sehr viel gelebte Solidarität, was sich gerade jetzt bei der Bewältigung der Flüchtlingsherausforderung zeigt. Hohe moralische Standards bei gleichzeitiger A-Religiosität seien realistisch gesehen zwar von Einzelpersonen lebbar. Bei ganzen Gesellschaften sei dies aber nicht voraussetzbar, so der Erzbischof.

Die ICO-Tagung stand unter dem Motto "Christen und Muslime - Wege in die Zukunft?". Der Grazer Religionswissenschaftler Prof. Karl Prenner ging auf aktuelle Problemfelder innerhalb des Islam ein. Der Islam sei weltweit durch große religiöse und kulturelle Vielfalt geprägt. Gerade bei Migranten, die nach Europa kommen, würden die Muslime aber aus ihrem kulturellen Umfeld herausgerissen. Sie müssten sich in Europa neu orientieren und diese Neudefinition der muslimischen Identität erfolge ausschließlich über die Religion und nicht mehr über die Kultur. Prenner sprach von einem "rein religiösen Riten-Islam". Ein solcher Verlust von Vielfalt führe aber leicht zu Fundamentalaismus, warnte der Religionswissenschaftler.

Der Münsteraner islamische Theologe Prof. Mouhanad Khorchide diagnostizierte zwei Haltungen innerhalb des Islam: Die Haltung des Sich-Verschließens und die des Sich-Öffnens. Korchide plädierte dafür, den Koran nicht als abgeschlossenes System zu sehen. So müsse man zwischen historisch bedingten und a-historischen Aussagen des Koran unterscheiden. Es gehe darum, zwischen dem zu unterscheiden, "was göttliche Offenbarung ist und was dem gesellschaftlichen Wandel unterliegt".

So dürften etwa Passagen im Koran zu körperlichen Strafen heute nicht wortwörtlich verstanden werden. Wohl aber müsse man das dahinterstehende Bemühen um eine gerechte Gesellschaft beachten. Als übergeordnetes Kriterium, was wortwörtlich zu verstehen sei und was nicht, nannte Korchide das "Kriterium der Barmherzigkeit".

Der in Münster lehrende Theologe räumte allerdings auch ein, dass er mit seiner Position nur eine kleine Minderheit der Muslime repräsentiere. So gebe es beispielsweise in vielen muslimischen Ländern große Bildungsdefizite, begründete der Theologe seine Minderheitenposition.

Der Würzburger emeritierte Bischof Paul-Werner Scheele diskutierte in seinem Vortrag den Vorstoß zu einem kirchlichen "Tag der Märtyrer". Ein solcher Tag wäre u.a. ein Akt der Solidarität und der ökumenischen Verbundenheit unter den Kirchen. Das Zeugnis jener Menschen, die um ihres Glaubenswillen verfolgt und ermordet wurden, sei gemeinsames Erbe aller Konfessionen. Freilich gelte es bis zur Einführung eines solchen Tages noch eine Reihe von Fragen und Details zu klären, so Scheele.

Die ICO begann 1989 mit dem Einsatz für die bedrängten christlichen Gemeinden in der Südosttürkei ("Tur Abdin"), später wurde die Hilfe auf den gesamten Orient ausgeweitet. So leistete die ICO beispielsweise im kurdischen Nordirak Pionierarbeit. Die ICO hat aktuell pro Jahr knapp 60 Hilfsprojekte laufen, wobei der Schwerpunkt aauf der Flüchtlingshilfe in Syrien, im Nordirak und anderen Länder im Orient liegt. Bekannt ist die ICO auch durch die Aktion "Licht für Bethlehem".

(ICO-Spendenkonto: IBAN; AT42 5400 0000 0045 4546, BIC: OBLAAT2L, Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe)

Bild: Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo Antoine Audo und Erzbischof Franz Lackner (EDS/RB - ibu)

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