Erzbischof Macheiner als Brückenbauer

 

Linzer Altbischof Maximilian Aichern bei Symposium in Salzburg: „Eduard Macheiner kann auch heute noch Vorbild sein“

 

 

 

SALZBURG (eds-6.6.2018) / „Geschichte bekommt ihre Note durch die in ihr handelnden Personen.“ Mit diesen Worten begrüßte Erzbischof Franz Lackner die BesucherInnen des Symposiums „Eduard Macheiner als Brückenbauer. Salzburgs Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Diözesansynode 1968“ Dienstagabend im Kardinal-Schwarzenberg Haus. Der Linzer Altbischof Maximilian Aichern porträtierte Erzbischof Eduard Macheiner in seinem Festvortrag als einen um den Dialog bemühten Bischof, der einen glaubwürdigen kirchlichen Führungsstil vorlebte.

Eduard Macheiner: Bischof in einer Umbruchszeit

„Macheiner war Bischof in einer Umbruchszeit“, konstatierte Aichern in seinem Festvortrag. Dem in Seetal aufgewachsenen Macheiner, der die Diözesansynode 1968 als Weihbischof und Promotor mitgestaltet hatte, oblag als Nachfolger Erzbischof Andreas Rohrachers die Umsetzung der synodalen Beschlüsse. Die Synode „Die Erneuerung der Erzdiözese durch lebendige Christengemeinden“ setzte sich mit den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965) und den damit verbundenen kirchlichen Erneuerungsprozessen auseinander.

Trotz seiner kurzen Amtszeit – Macheiner starb drei Jahre nach seiner Ernennung einen plötzlichen Herztod – habe der aus der Steiermark stammende Erzbischof konkrete Anliegen im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Diözsansynode 1968 umsetzen können. Besonders sein Bemühen um die Ökumene, die Bildungslandschaft und den Religionsunterricht hob Aichern als maßgebliche Errungenschaften der kurzen Amtszeit Macheiners hervor. Für den Bau des Bildungshauses St. Virgil, die diözesane Lebensberatung, aber auch für Neuerungen in der Gottesdienstgestaltung und der Erstellung des Gotteslobes, hatte sich der damalige Liturgiebischof der Österreichischen Bischofskonferenz eingesetzt.

Von Macheiner lernen: Führungsstil, Dialogbereitschaft

„Macheiner hat einen neuen, glaubwürdigen kirchlichen Führungsstil eingeführt, der auch für heute wegweisend sein kann“, so Aichern. Dialogbereitschaft und eine „intensive Gesprächskultur“ zeichneten Macheiners Arbeit aus. „Er hat mit allen Gruppierungen geredet, sie zu sich eingeladen und zugehört. In diesem Bemühen, Brücken zu bauen, kann Eduard Macheiner auch für Bischöfe von heute Vorbild sein“, so Aichern weiter.

Das Evangelium und die Zeichen der Zeit

Die Diözesansynode von 1968, die Macheiner maßgeblich mitgeprägt hatte, sieht Aichern als „Motor der Erneuerung“: Nach Hildesheim die zweite Diözesansynode im deutschsprachigen Raum, habe die Salzburger Diözsesansynode in die Entwicklung anderer Diözesen hineingewirkt. Konkrete Ergebnisse der Salzburger Zusammenkunft waren u. a. die Einführung von Pastoralrat und Pfarrgemeinderat als „wesentliche Formen von Mitverantwortung“, so Aichern. Parallelen sieht Aichern zwischen Erzbischof Macheiner und  Papst Franziskus. Macheiner war, so der Linzer Altbischof, „mitleidender Bruder der Menschen“ und dem jetzigen Papst damit sehr ähnlich. Den Aufruf des Papstes, auf das Evangelium und die Zeichen der Zeit zu schauen und daraus zu handeln, sieht Aichern für pastorale Fragen als zukunftsweisend.

Die Salzburger Diözesansynode fand von 16. Oktober bis 20. Oktober 1968 im alten Salzburger Kongresszentrum statt. 179 Synodalen, darunter 87 Weltpriester, 15 Ordenspriester, 9 Ordensfrauen und 68 Laien nahmen an der Synode teil. Der kirchliche Erneuerungsprozess durch das Konzil machte diese Synode zu einem Versuchsfeld für neue Ansätze, zum Forum des Austausches zwischen Tradition und dem „Aggiornamento“ von Papst Johannes XXIII. Und zur Denkfabrik für die Erneuerung der Salzburger Kirche. Unterschiedlichste Einflüsse und Denkstrukturen, Motivationen und Ansichten über das Wesen der Kirche in Gegenwart und Zukunft, ihre Verantwortung in einer modernen Gesellschaft, die theologischen Inhalte und deren Vermittlung und das Mit- und Nebeneinander mit den anderen christlichen Kirchen und Religionen trugen zu einer umfassenden Aufbruchsstimmung bei, die damals von großen Teilen der Bevölkerung und den Medien mit hohem Interesse verfolgt wurde.

Der 1907 in der Steiermark geborene Eduard Macheiner wurde 1932 zum Priester geweiht. 1935 wurde er als Hofkaplan und erzbischöflicher Sekretär von Sigismund Waitz nach Salzburg berufen. Nach seiner Promotion in Wien war er einige Jahre in der Pfarrseelsorge und als Prior für den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem tätig. 1963 wurde er zum Weihbischof ernannt und von Andreas Rohracher zum Bischof geweiht. Als Konzilsvater durfte er die Entstehung der Um- und Aufbrüche des Zweiten Vatikanischen Konzils miterleben. Als Weihbischof und Promotor der Diözesansynode 1968 gestaltete er diese Veränderungen in der Erzdiözese Salzburg mit. Als späterer Erzbischof oblag ihm in der Nachfolge seines großen Vorgängers Andreas Rohracher die weitere konkrete Umsetzung der kirchlichen Erneuerung bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1972.

Bischof em. Maximilian Aichern, 1932 geboren, wurde 1959 in Subiaco zum Priester geweiht. 1964 wurde Aichern Abt im Benediktinerkloster St. Lambrecht, 1981 von Papst Johannes Paul II zum Bischof von Linz ernannt. Die Bischofsweihe fand am 17. Jänner 1982 im Mariendom in Linz statt. Am 18. September 2005 übergab Bischof Maximilian Aichern das Amt des Diözesanbischofs an den bisherigen Weihbischof von Wien, Ludwig Schwarz.

Das Symposium „Eduard Macheiner als Brückenbauer“ wird vom Fachbereich Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte der Universität Salzburg, dem Archiv der Erzdiözese Salzburg und dem Erzbischof-Rohracher-Studienfonds am 5. und 6. Juni 2018 veranstaltet und widmet sich der Person Eduard Macheiner und seiner Rolle bei der Diözesansynode 1968. Neben Bischof em. Maximilian Aichern sprachen im Rahmen des Symposiums Robert Kriechbaumer, Matthäus Appesbacher, Dietmar W. Winkler, Josef Kremsmair, Gerlinde Katzinger, Elisabeth Kandler-Mayr, Roland Kerschbaum und Alfred Rinnerthaler.

 

Anhang: Programm der Tagung „Eduard Macheiner als Brückenbauer“

Foto: Bischof em. Maximilian Aichern beim Festvortrag Dienstagabend in Salzburg

Foto: Erzdiözese Salzburg

 

 

 

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