Erzdiözese Salzburg trauert um Marko Feingold

 

Erzbischof Franz Lackner: „Marko Feingolds Leben war überhaupt ein Zeugnis des Verbindenden“

 

SALZBURG (eds-20.9.2019) / Die Erzdiözese Salzburg trauert um Hofrat Marko Feingold, der am 19.9.2019 verstorben ist. Er war der älteste Holocaust-Überlebende und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Am Donnerstag ist er im Alter von 106 Jahren verstorben. Er hatte vier NS-Konzentrationslager überlebt und war stets ein unermüdlicher Mahner gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus.

„Die Botschaft vom Tod von Marko Feingold in den Trubel des Alltags hinein hat mich zutiefst erschüttert“, sagte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in einem Statement. „Ich kann mich erinnern, als ich an meinem ersten Tag in Salzburg in den Dom eingezogen bin, hat vorne ein kleiner Mann auf mich gewartet, ist auf mich zugegangen und hat mich gefragt, ob er mein „älterer Bruder“ sein darf – das geht zurück auf Papst Johannes Paul II zurück, der einmal gesagt hat, die Juden sind die älteren Brüder von uns Christen; das hat mich sehr gefreut, hat mir Hoffnung gegeben für mein Amt. Seither sind wir uns immer wieder begegnet. Trotz seines Lebens- und Leidensschicksals hat er keine Wut, keine Ressentiments gezeigt. Im Gegenteil: Er war ein versöhnlicher Mensch, der immer wieder den Dialog gesucht hat. Marko Feingolds Leben war überhaupt ein Zeugnis des Verbindenden. Er war nicht müde, auf das Gemeinsame der Religionen hinzuweisen; er hatte eine große Weite, eine Tiefensicht, was Religiös-Sein heißt; nämlich etwas, das verbindend ist, das nicht ausgrenzt, das je eigene Konturen haben kann, das aber auch einen gemeinsamen Auftrag hat: den Frieden. Marko Feingolds Stimme wird uns sehr fehlen, in unserer Diözese und in unserem ganzen Land.“

„Danke und Schalom“

Elisabeth Mayer, Präsidentin der Katholischen Aktion (KA) Salzburg: „Die Katholische Aktion verliert mit Marko Feingold einen guten Freund, einen humorvollen Ermunterer und unerschrockenen Ermutiger, ein Vorbild im Engagement gegen das Vergessen und für Menschenwürde, einen verlässlichen Mitstreiter für ein Österreich ohne Ausgrenzung und Diskriminierung. Der unermüdliche Zeitzeuge – sein langes Leben war ein besonderes Geschenk – wird uns fehlen. Danke und Schalom, lieber Herr Hofrat!“

Trauer um herausragenden Mann

Kardinal Christoph Schönborn würdigte den langjährigen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg via Kurznachrichtendienst Twitter als „eine herausragende Gestalt in der österreichischen Gesellschaft“. Feingold sei nie müde geworden, „uns ohne Bitterkeit an die Last unserer Geschichte zu erinnern“.

„Tief betroffen“ zeigte sich auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen via Twitter. Und weiter: „Vor allem die Diskussion mit jungen Menschen war ihm ein besonderes Anliegen. Für die Aufklärung und das Anliegen ,Niemals wieder‘ hat er alles gegeben. Gleichzeitig hat sich Marko Feingold stets für eine positive Entwicklung unseres Landes in einem friedlichen Europa eingesetzt.“

Als „das personifizierte schlechte Gewissen für die Vertreter all jener politischen Kräfte in Österreich, die es sich mit den alten und neuen Nazis, mit den Antisemiten verschiedenster Couleurs gerichtet hatten oder immer noch richten“ bezeichnete der KZ-Verband/Verband der AntifaschistInnen den verstorbenen Feingold am Freitag.

Vier Konzentrationslager überlebt – und Mahner geblieben

Marko Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Besztercebánya in der heutigen Slowakei geboren. Aufgewachsen in Wien wurde er während der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten 1938 ebendort festgenommen. Zwar gelang ihm die Flucht nach Prag, doch dort wurde er verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert. Er überlebte nicht nur diese Hölle, sondern auch die Konzentrationslager Neuengamme, Dachau und Buchenwald. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich Feingold in Salzburg nieder, wo er zur Aufarbeitung der NS-Gräuel durch Vorträge als Zeitzeuge in Schulen und Pfarren beitrug.
In den Jahren 1946 und 1947 sowie seit 1978 war er Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg. Feingold war stets aktiver Teilnehmer am interreligiösen Dialog. Neben seinen zahlreichen Auszeichnungen durch die Republik Österreich, Land und Stadt Salzburg wurde Feingold 2010 mit dem Kurt-Schubert-Gedächtnispreis und erst im Vorjahr mit dem Toleranzpreis der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste geehrt.

Am Donnerstag, 19. September, verstarb er an den Folgen einer Lungenentzündung. Das erklärte seine Witwe Hanna Feingold am Freitag.

Foto: Marko Feingold war ein treuer und gern gesehener Gast bei Salzburgs Erzbischöfen und Veranstaltungen in der Diözese. Die Bilder mit dem Domkuppel-Regenschirm zeigen Feingold und Erzbischof Franz Lackner im Bischofsgarten, am hinteresten Bild der Galerie besuchte er das Team der Katholischen Aktion rund um Präsidentin Elisabeth Mayer.

Fotos: Erzdiözese Salzburg

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