Erzdiözese sucht neue Orte für die Mission

 

Unerwartet, herausfordernd: Angesichts sinkender Katholikenzahlen und wegen Strukturdebatten muss sich die Kirche fragen, wie ihr Schiff zu retten ist

 

FREISING (eds/ 31. 1. 2020) Ein Weg, das Steuer herumzureißen, ist gelungene Mission. Wie muss diese heute aussehen? 100 Seelsorgerinnen und Seelsorger haben in Freising bei München Antworten gesucht – und Überraschungen gefunden.

Verblüffend muss sie sein, aktuell, gerne auch einmal witzig, jedenfalls echt und nahe bei den unterschiedlichsten Menschen in all ihren Lebenslagen: War Mission in der ferneren Kirchengeschichte oft ein recht geradliniges Instrument, so sind in der Seelsorge von heute mehr die feine Klinge in Kombination mit Einfühlsamkeit und Kreativität gefragt. „Jetzt ist sie eine konkrete Haltung, über die wir mit Menschen im Gespräch sein wollen“, sagt Johannes Wiedecke, der in der Erzdiözese Salzburg das Referat für Missionarische Pastoral leitet. Für ihn ist klar, dass das ohne Strategie nicht geht. Ebenso wenig ohne Vertrauen.
In Sachen Mission hat Salzburg in den vergangegen Jahren international beachtete Leuchtturmprojekte vorgelegt oder mitgestaltet. Etwa den Offenen Himmel mit seinem Infopoint in der Salzburger Franziskanergasse, die große Jugendsozialaktion „72 Stunden ohne Kompromiss“ oder Jungunternehmer mit ihren Start-ups in Räumen der Stadtpfarre St. Andrä. Mission hat in der gesamten Erzdiözese im Jahr 2020 viele Gesichter.


Mission wird weiter entstaubt 

Längst sind es nicht mehr glühende Glaubensvermittler, die mit dem Kreuz in der Hand auf neu entdeckten Kontinenten Jesus und das Evangelium verkünden. „Wir alle sind Seelsorger und Mitarbeiter im Weinberg des Herrn“, erinnerte Generalvikar Roland Rasser die Anwesenden in Freising bei München, die vier Tage lang zum Thema „Mission (im)possible? Von der Notwendigkeit und den Schwierigkeiten Missionarischer Pastoral“ arbeiteten.
Insgesamt 100 Frauen und Männer, Laien und Priester, waren Ende Jänner zusammengekommen. Auch Erzbischof, Weihbischof und Generalvikar waren dabei. Diese Weiterbildungswoche ist längst gute Tradition geworden. „Es ist ein Raum des offenen Wortes, über alle Grenzen und Anschauungen hinweg, die es in unserer Erzdiözese so gibt“, erklärt Seelsorgeamts-Leiterin Lucia Greiner.
Wie sie den Auftrag an die katholische Kirche Salzburgs nach diesem Start in das neue Jahr sieht? „Der muss lauten, dass wir das Evangelium verkünden, um das Handeln Chris-ti zu bezeugen.“ Mission sei in der Pastoral der Grundgedanke, der sich durch alle weiteren Tätigkeiten ziehe.

Keine Kirche ohne Rausgehen

In dieselbe Kerbe schlägt Johannes Wiedecke, der Referent für Missionarische Pastoral. „Ohne das Hinausgehen, das Verkünden und Bezeugen des eigenen Glaubens gibt es keine Kirche mehr. Sie ist schlicht undenkbar“, lautet seine Überzeugung.
Ihm gehe es keinesfalls darum, jemandem den christlich-katholischen Glauben zu verordnen. Viel mehr stehe im Mittelpunkt, dass Seelsorgerinnen und Seelsorger von anderen Leuten lernen. Wiedecke: „Es schafft Relevanz, wenn wir wahrnehmen, wie jemand wo und auf welche Weise lebt. Wenn wir hingehen und wissen, was den Menschen tatsächlich wertvoll ist.“ Dann könne man auch „auf Augenhöhe über Glaubensinhalte reden“, sagt er.

Auftrag mit Schwung

Dabei darf sich die Mission der Moderne, ihrer Medien und Ausdrucksformen bedienen. Ein Psalm beispielsweise lässt sich durchaus im „Hiphop-Style“ beten. Das mag nicht jedermanns Sache sein, in Freising war jedoch der Platz, genau das auszuprobieren. Wiedecke machte es mit lockeren Knien und lässigen Gesten in der Art afroamerikanischer Musiker vor, seine Kollegen (und auch der Erzbischof) ahmten seine Bewegungen und den Sprechgesang neugierig und offen nach.
Selbst wenn Psalmen auf diese spezielle Art nicht in jeden Kirchenraum der Erzdiözese einziehen werden, kommt es offensichtlich auf den Versuch neuer Methoden an, um bei den Gläubigen (und jenen, die es vielleicht bald werden wollen) authentisch anzukommen.

In „Schuhen der Hoffnung“

„In der Bibel zeigt die Apostelgeschichte ganz genau, wie das Hinausgehen funktioniert.“ Diese Leseempfehlung gab Marlies Prettenthaler-Heckel aus Graz. Die Vortragende holte ein Stoffsackerl hervor, aus dem sie mehrere „Zutaten“ für das missionarische Tun hatte. Zuerst präsentierte sie die „Schuhe der Hoffnung“, welche die Kirche zu Licht und Hoffnung führen sollen. Als nächstes kam die „Kette der Liebe“ mit einem herzförmigen Anhänger. Sie habe die Aufgabe, innere Freude an Jesus sichtbar zu machen. Teil drei der Kombination war der „Gürtel der Wertschätzung“, der, einmal umgeschnallt, an die Würde jedes Menschen als Kind Gottes erinnern solle. Das „Armband der Fülle“ sei Hinweis auf jenes gute Leben, das Gott für alle vorgesehen habe. Der „Schal der Freude“ schließlich möge gegen alles Negative schützen, das auf Missionarinnen und Missionare von heute zukomme, wenn sie sich aus der eigenen Komfortzone bewegten.

Bewahren – ein Auslaufmodell

In den Leitlinien zum Zukunftsprozess der Erzdiözese Salzburg ist festgeschrieben, dass missionarisches Umdenken auf allen Ebenen stattfinden muss. Und zwar „weg vom System ,aufrechterhalten und bewahren‘ und hin zu expansiver Seelsorge und Kreativität in der Evangelisierung. Ziel ist klar das Wachstum des christlichen Lebens in Salzburg und dem Tiroler Anteil.
Dass die Ziele herausfordernd sind und wohl einiger Anstrengung bedürfen, scheint klar. Zu Redaktionsschluss hat die zweite „Freising-Woche“ gerade erst begonnen und Fahrt aufgenommen; Formate der Glaubensweitergabe und Einfallstore sollen aufgemacht werden.

 


Foto: Gesandte: Rund 50 Frauen und Männer aus der Erzdiözese machten sich auf die Suche nach Methoden für gelungene Mission.
Foto: Eine Geschenkidee mit Überraschungseffekt: Kekse, die einen Bibelvers der Ermutigung und des Segens enthalten.
Fotos: eds

 

Michaela Hessenberger

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