Evangelium und Kommentar

 

2. Fastensonntag, 1. März 2015

 

 

 

Evangelium: Mk 9, 2–10

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus.Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.?Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.



1. Lesung: Gen 22, 1–2.9a.10–13.15–18

In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.

Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar und schichtete das Holz auf. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.

Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit den Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des Herrn: Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen. Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.



2. Lesung: Röm 8, 31b–34

Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.


Kommentar zum Evangelium

Der Bund fürs Leben

Können Sie sich noch an die erste Lesung von letzter Woche, dem ersten Fastensonntag, erinnern? Ich denke, sie stellt eine Überschrift dar, über alle Lesungs- und Evangelientexte der Fastenzeit: Es geht um den „Bund“.

Gott schließt seinen Bund mit Noah im Lesungstext der letzten Woche. Er stellt seinen Bogen in die Wolken. Gott verspricht von sich aus, dass er keine Flut mehr über die Erde kommen lässt. Er verpflichtet sich selbst ganz ohne Gegenleistung. An was denken Sie, wenn Sie das Wort „Bund“ hören? Ich denke an die Ehe, ans Heiraten. Dass zwei sich gegenseitig versprechen, füreinander da zu sein, verlässlich zu sein, Vertrauen und Respekt zu haben, sich zu lieben. Und was hat das jetzt mit dem Evangelium und den Lesungstexten zu tun? Nun: Diese Woche verspricht Gott Abraham, dass er an seinem Bund festhält und ihn zum Stammvater für viele Völker machen wird. Das hat ihm Gott auch schon in den Kapiteln Genesis 12, 15 und 17 versprochen, doch nach der Beinaheopferung des Sohnes, an dem diese Verheißung hängt, erneuert JHWH, der „Ich bin da“ sein Versprechen. Er bindet sich selbst an die Menschen, die er geschaffen hat. Aus Liebe zu seiner Schöpfung, ohne Gegenleistung, möchte er das Gute für die Menschen die Gott liebt. Stellvertretend für alle Menschen ist dies hier Abraham, der Stammvater der Juden, der Christen und der Muslime.


Gottes Treue kennt keine Zeit und keine Dimensionen. Sie umschließt die Zeit von Abraham über Mose bis Jesus. Auch wir stehen heute in seiner Liebe.


Gott ist für uns, wir sind seine Auserwählten sagt der Römerbrief. Und Gott stellt klar, Jesus Christus ist sein „geliebter Sohn“ der Auserwählte, der Messias. Jesus wird als Opfer für alle Menschen am Kreuz sterben, aber in der Liebe Gottes gibt es kein Ende! Jesus wird auferstehen am dritten Tag und er erneuert so den Bund der Liebe. Ich höre die Frage: Und dafür verlangt Gott, dass ein Kind stirbt? Das ist doch grausam! Stirbt Isaak denn? Nein, darum geht es nicht, das Kind lebt! Abraham vertraut sich ganz diesem Gott an. Er stellt sein Leben, die Zusage Gottes, alles stellt er in Frage um auf Gott zu hören. Und dann stellt die Bibel klar: Gott will keine Menschenopfer, er möchte ... doch dazu kommen wir erst nächste Woche.

Bertram Neuner ist Pastoralassistent in Salzburg-Maxglan
redaktion@rupertusblatt.at

 

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