Familienleben heute

 

Pastoraltag der Erzdiözese Salzburg setzte Schwerpunkt auf Ehe und Familie

 

SALZBURG (eds – 23.4.2016) / Der diesjährige Pastoraltag griff mit dem Titel „Familie – eine komplexe Wirklichkeit“ das Thema der Familiensynode auf. Gestern Vormittag trafen die Mitarbeiter der Erzdiözese im Pfarrzentrum Taxham zusammen, um der Frage nach einer zeitgemäßen Familienseelsorge nachzugehen.

Eine Bestandsaufnahme der heutigen Situation von Familien stand am Beginn der diesjährigen Pastoraltagung: Die Hälfte der Österreicher definiert sich dennoch über das Glück zu zweit. Das eheliche Zusammenleben, so vermittelte die Sozialwissenschaftlerin Paloma Fernández de la Hoz von der Katholischen Sozialakademie in ihrem Vortrag, ist und bleibt das Ideal vieler Menschen.

Trotzdem sei das Verhältnis von Wunsch und Wirklichkeit in eine Schieflage geraten. Gründe für die Schwierigkeiten liegen vor allem in der zunehmenden Konzentration auf das Wohl des Einzelnen und an den neuen Formen des Zusammenlebens.

„Wir leben in einer pluralen Gesellschaft“, so Fernández de la Hoz. Die Vielfalt an Kulturen, Traditionen und Lebensformen in unserer Gesellschaft trügen zur Komplexität des Themas Ehe und Familie bei. Aus der damit einhergehenden Überforderung folgt der Rückzug in das Private der Familie. Ihr gegenüber würden sich Menschen heute solidarischer als dem sozialen Allgemeinwohl fühlen, so die Sozialwissenschaftlerin. Familie und Öffentlichkeit geraten hier in ein schwieriges Spannungsfeld, das sich in vielen Aspekten des täglichen Lebens zeige.

Die immer noch schwer zu regelnde Vereinbarkeit von Arbeit und Familie lege dem Erreichen der Partnerziele zusätzliche Steine in den Weg. Und auch die Doppelbelastbarkeit der Frau in den immer noch stark rollengeprägten Partnerschaften stellt einen weiteren hinderlichen Faktor für das Gelingen des familiären Alltags dar. Fernández de la Hoz ist sich sicher: „Frauen haben hier immer noch keine Gleichstellung erreicht.“

Doch auch grundsätzliche Wertewandel scheinen für die oft fordernden Situationen verantwortlich: Die Vorstellung einer romantischen Liebesbeziehung sei auf dem Vormarsch, gebe aber „wenig Stabilität und Wachstumschancen“ für eine langandauernde gemeinsame Zukunft. Nur knapp 40 Prozent der Österreicher sehen Gemeinsamkeiten in Interessen und Weltanschauung für einen zentralen Punkt im ehelichen Zusammenleben, wohingegen Faktoren wie gegenseitiges Verständnis mit 80 Prozent als besonders wichtig angesehen wurden.

Auch beim Thema Kinder ist ein Wertewandel zu konstatieren: Familie sei, so die Sozialwissenschaftlerin, in unseren Breiten kein „wirtschaftlicher Faktor“ mehr, sondern eine bewusste und emotional getragene Entscheidung, die nicht mehr auf die Anzahl der Kinder, sondern auf die Qualität der Beziehung zu ihnen abziele.
 
Amoris laetita und die Familienpastoral

Die Entwicklung der kirchlichen Positionen zum Thema „Ehe und Familie“ zeichnete im Anschluss der Münchner Referent Holger Dörnemann, Referatsleiter der Familienpastoral des Erzbistums Köln, nach und spannte damit den Bogen zu den akuten Problemfelder der Familien von heute. Schon für die Vorgänger von Papst Franziskus war das Thema zentrales Anliegen. 

Dörnemann sieht aber erst im kürzlich von Kardinal Christoph Schönborn vorgestellten päpstlichen Schreiben Amoris laetitia eine neue Sprache umgesetzt, die den Sorgen und Ängsten der Familien begegne. Auch in der Neubewertung von Begriffen und in der Akzentuierung verschiedener Themen sei eine „neue Musikalität“ enthalten, die zeige, dass man „auf dem Weg ist“.

Im Zentrum der Betrachtungen Dörnemanns stand der Begriff der ehelichen „besonderen Freundschaft“, deren Entwicklung pastoral begleitet werden solle: „Diese Freundschaft fängt nicht erst mit der Ehe an“. Die voreheliche Lebensgemeinschaft sei eine „flächendeckende pastorale Wirklichkeit“, der man mit der Akzentuierung der freundschaftlichen Paarbeziehung begegnen könne. Die Begleitung der Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen und die „Einzelfallbetreuung“ sieht der Theologe als zukünftigen Weg einer gelungenen Familienpastoral, der im päpstlichen Schreiben bereits anklingt.  

Bild: (v.l.n.r.) Susanne Savel-Damm (Partner- und Familienberatung), Holger Dörnemann, Paloma Fernández de la Hoz, Erzbischof Franz Lackner und Seelsorgeamtsleiter Balthasar Sieberer
Foto: eds  

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