Faschingsgeschichte(n)

 

Die Faschingszeit hat ihren Ausgangspunkt im christlichen Brauchtum

 

SALZBURG (eds/kap-2. 3. 2019) / Die weltweit so bunt wie kein anderes Fest gefeierte Faschingszeit hat laut der modernen Geschichtsforschung ihren Ausgangspunkt im christlichen Brauchtum. Zog man früher römische Saturnalien und Lupercalien oder auch germanische Riten als mögliche Anfangspunkte in Betracht, so sind dies heute Feste des Mittelalters. 

Das Mittelalter – eine Zeit, in der auch der außer in Österreich nur in Bayern übliche Terminus „Fasching“ entstand: „Vaschanc“ stand im 13. Jahrhundert in unseren Breiten für den letzten Ausschank von Alkoholika vor der einst viel strenger eingehaltenen Fastenzeit. Die Grundidee des Faschings war ursprünglich, so der Wiener Jesuitenpater Gustav Schörghofer, „dass die sozialen Verhältnisse einmal im Jahr verkehrt werden. Da konnte plötzlich der einfache Bürger Kaiser sein. Dieser Gedanke ist den meisten heute nicht mehr bekannt“. Für diese Ansicht spricht, dass es in der Kirche des Mittelalters immer wieder „Narrenfeste“ um den 6. Jänner gab, bei denen untere Kleriker Rang und Privilegien der Bischöfe übernahmen, ein Kinderbischof gekürt und sogar ein Pseudopapst bestimmt wurde, während die Bewohnerinnen und Bewohner von Städten in Prozessionen daran teilnahmen.  

Narren- und Eselsmessen 

Zu den eigentlichen Karnevalstagen waren Narren- oder Eselsmessen weit verbreitet. Dieser Brauch erinnerte ursprünglich an die Flucht der Jungfrau Maria nach Ägypten, wobei ein junges Mädchen mit einem Kleinkind auf einem Esel zeremoniell durch den Ort zur Kirche geführt wurde, wo es einen Gottesdienst gab. Mit der Zeit entwickelte sich daraus ein ausgelassenes Narrenfest mit Messbesuchern in Tierkostümen und Tierlauten als Gesängen. Versuche der kirchlichen Obrigkeit, das Fest zu verbieten – wie eine Chronik aus Speyer aus dem Jahr 1612 zeigt, mitunter sogar mit Androhung von Exkommunikation – verliefen im Sand. 

Begründete Duldung von Narreteien

Dass die Kirchenverantwortlichen das ihr oft allzu bunte Treiben zähneknirschend duldeten, dürfte auch didaktische Gründe gehabt haben: Augustinus gilt mit seiner „De civitate Dei“ (Gottesstaat) als einer der Anstöße für die mittelalterliche Fastnacht, deren Auswüchse mit teils gotteslästernden Szenen oft für die „civitas diaboli“, also den „Staat des Teufels“, standen. Der unausweichliche Fastenzeitbeginn am Aschermittwoch mit der Umkehr zu Gott führte vor Augen, dass die „civitas diaboli“ wie auch der Mensch vergänglich sind und am Ende Gott Sieger bleibt. Nur das Überschreiten der Fastnachts-Feiern nach dem Fastenbeginn wurde deshalb von der Kirche streng geahndet, wie den Geschichtsbüchern zu entnehmen ist.

Bis heute gilt der Karneval als Sinnbild katholischer Mentalität, da in protes-tantischen Gegenden Zentraleuropas das Karnevalsbrauchtum häufig wieder verloren ging – stellte die Reformation doch die vorösterliche Fastenzeit grundsätzlich in Frage, wodurch hier der Sinn des Feierns abhanden kam. Erst nach der Neuentdeckung in den 1990er-Jahren kam es auch in protestantischen Gebieten wieder zu einem Fastnachts-Boom.

Foto: Wie es zum Faschingskrapfen kam: Auf Sitten unserer christlichen Vorfahren geht auch der Faschingskrapfen zurück: Die Fastenzeit wurde früher weit strenger gehalten als heute, wobei man außer auf Fleisch auch auf andere tierische Produkte verzichtete. Eier- und Schmalzvorräte mussten somit vor Aschermittwoch aufgebraucht werden – wofür der Krapfen eine willkommene Möglichkeit bot. Die in Schmalz gebackenen Süßwaren spendeten viel Energie, die für die Tanzveranstaltungen, Partnersuche und Hochzeiten dieser Zeit notwendig war, und drücken bis heute Sinnlichkeit und Lebensfreude aus.

Foto: RB/Aschauer

 

 

 

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