Gedanken zur Urlaubszeit

 

„Urlaub“ eignet sich hervorragend für Small Talk. Es ist praktisch immer ein erfreuliches Thema und auf unserem heutigen Wohlstandsniveau haben auch alle zumindest von einer Auslandsreise pro Jahr, im Normalfall eher von mehreren, zu erzählen.

 

SALZBURg (eds/argeschoepfung.at - 27.6.2016) /Urlaub hat sich schließlich in den letzten Jahrzehnten zu einem fixen Bestandteil des westlichen Lebensstiles und die Tourismusbranche zum wohl umsatzstärksten Geschäftszweig überhaupt entwickelt. So ist einer Schätzung der WTO nach eine von neun Personen weltweit im Tourismusgewerbe tätig.(1) Grund genug, uns vor dem Sommer auch aus dem Blickwinkel der Schöpfungsverantwortung einige Gedanken über den Urlaub zu machen.

Es soll dies aber keine Gebrauchsanweisung für möglichst klima- und umweltschonende Ferien sein, da ja dieselben Verhaltensweisen wie im Alltag gelten. Vielmehr soll diese Sammlung von Gedanken uns dabei helfen, unser eigenes Konzept von Urlaub zu hinterfragen.


Warum verreisen?

Wenn man über Urlaub schreibt, stolpert man unausweichlich über die vielen Angebote und Kategorien, die mittlerweile propagiert werden: Vom Trekking durch Tibet über das Sonnenbraten in Mallorca bis zum Wellnessen im Waldviertel spannt sich der Bogen des touristischen Angebots. Als Kategorisierung erscheint in dieser Vielfalt vor allem das Konzept des „Hin-zu“-Urlaubs im Gegensatz zum „Weg-von“-Urlaub sinnvoll. Während viele Menschen ihre Ziele bewusst aussuchen, um neue kulturelle, sportliche und Natur-Eindrücke zu erleben, zählt für andere nur das Entfliehen aus dem Alltag. Wirkliches Interesse an den Menschen und den Begebenheiten vor Ort zeichnet die erste Gruppe aus, während im zweiten Fall die Zielorte austauschbar sind, Hauptsache es ist nicht wie daheim.

Wieviel Zeit gebe ich mir?

Schnelle Abstecher in eine europäische Metropole oder sogar über den Atlantik für ein Einkaufswochenende nach New York sind bereits für viele Menschen möglich und werden auch in Anspruch genommen. Mit dem eigentlichen Ziel des Urlaubs, Entspannung und Ruhe zu finden, ist dies fast nicht mehr vereinbar. Vielmehr verkommt der Urlaub auf diese Weise zu einer weiteren Dimension der persönlichen Selbst-Optimierung. Schneller, öfter und weiter muss man reisen, um noch entsprechende Aufmerksamkeit im Freundeskreis zu erhalten. Der eigentliche Nutzen der Ferien, sich einmal aus dem alltäglichen Getriebe zu nehmen und Zeit für Begegnungen und Selbst-Reflektion zu haben, geht verloren.

Wer verdient daran?

Die Möglichkeit, zu reisen, haben in erster Linie die wohlhabenderen ErdenbürgerInnen. Erst langsam bildet sich außerhalb der „ersten Welt“ eine nennenswerte Mittelschicht, die auch ihr Recht auf Ferien einfordert. Die touristischen Angebote werden aber oftmals von
Menschen erbracht, die selbst keine Möglichkeit haben, zu verreisen.(3)
Kann der Tourismus für viele Weltgegenden eine willkommene Gelegenheit sein, wirtschaftlich aufzuschließen, profitieren andererseits vor allem westliche Firmen an den wachsenden Ausgaben im Tourismus.

Nachhaltiger Tourismus – die Lösung?

Laut der International Ecotourism Society (TIES) ist nachhaltiger Tourismus „verantwortungs-bewusstes Reisen, das die Umwelt schützt und das Wohlbefinden der einheimischen Bevölkerung aufrechterhält.“(4) Je mehr Menschen sich ihrer eigenen Wirkung auf die Ökosysteme der Welt bewusst werden, desto mehr werden auch im Tourismus neue Wege gesucht, umweltfreundlich unterwegs zu sein. Da für diese Angebote oft relativ unberührte Landschaften und Weltgegenden attraktiv sind, steht der Ökotourismus aber auch als Wegbereiter des Massentourismus unter Kritik.(1)

Wie reise ich?

5 % der weltweiten Emissionen werden vom Flugverkehr verursacht, aufgrund des Ausstoßes in großer Höhe sind die ausgestoßenen Gase aber rund dreimal so klimaschädlich wie vergleichbare Emissionen auf der Erdoberfläche. Zur Illustration sei das Beispiel eines Fluges von Mitteleuropa in die Dominikanische Republik angeführt: Für Hin- und Rückweg werden gut 5 Tonnen CO2 ausgestoßen. Damit liegt man bereits mit einer Urlaubsreise klar über dem klimaverträglichen Maß von 3 Tonnen CO2 pro Jahr und ErdenbürgerIn.(2)

Schönen Urlaub!!!

Mit diesen Fragen soll keinesfalls erreicht werden, dass man mit einem schlechten Gewissen in den Urlaub fährt. Über die Wirkungen des eigenen Tuns nachzudenken, können wir uns andererseits gerade hier nicht ersparen. In diesem Sinne bleibt nur noch, einen (für alle) schönen Urlaub zu wünschen!

Weitere Informationen: www.argeschoepfung.at

  1. www.suedwind-magazin.at/oekotourismus-etikettenschwindel-und-allheilmittel
  2. www.vcd.org/themen/flugverkehr/
  3. Plädoyer für Umdenken im Tourismus www.vcd.org
  4. www.zeit.de/reisen/2015-06/oekotourismus-nachhaltigkeit-reise/

 

 

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