Gemeinsam gegen die Familienarmut

 

Caritas Salzburg veröffentlicht Studie zum Thema "Familienarmut im Land Salzburg"

 

SALZBURG (eds/caritas -25. 10. 2016) Beengter Wohnraum, eine kalte Heizung im Winter, Geld, das nicht bis zum Ende des Monats reicht – 1,5 Millionen Menschen in Österreich sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Eine Studie über Familienarmut der Caritas Salzburg zeigt auf, dass auch im reichen Salzburg bereits jede siebte Familie von Armut betroffen ist. Die Caritas hilft. In der Sozialberatung werden Menschen in Notlagen unterstützt. In den Lerncafés bekommen Kinder einen Platz zum Lernen und Hilfe bei den Hausaufgaben. Im neueröffneten Haus Franziskus finden 70 Obdachlose einen Platz zum Schlafen und Langzeitarbeitssuchende einen Arbeitsplatz. Spenden zur Unterstützung von Menschen in Not im Inland werden dringend benötigt.

Caritas Direktor Johannes Dines: „70.000 Kinder und Jugendliche sind in Österreich auf Mindestsicherung angewiesen. Wer von Anfang an mit der harten Realität materieller Not konfrontiert ist, startet einen Meter hinter der Startlinie ins Leben. Materielle Not hat folgenreiche Auswirkungen: Kinder aus benachteiligten Familien haben oftmals Probleme in der Schule, kämpfen öfter mit gesundheitlichen Problemen und erleben, was es heißt nicht dazuzugehören.“

Auch in Salzburg sind 80.000 Personen armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das sind 14 Prozent aller Salzburger. 33.500 Personen in Haushalten mit Kindern verfügen über ein Einkommen unter der Armutsgrenze, sind nicht oder nur geringfügig erwerbstätig bzw. können sich Güter des täglichen Lebens nicht leisten (Deprivation).


Neue Studie zu Familienarmut der Caritas Salzburg

Die von der Caritas Salzburg durchgeführte Studie „Familienarmut im Land Salzburg“ liefert neueste Erkenntnisse über die soziale und ökonomische Entwicklung und Armutsproblematik von Familien im Salzburger Land. Die Studie basiert auf empirischen Daten (EU-SILC, Statistik Austria etc.) und einer Online-Umfrage der Caritas Salzburg, an der 121 SozialarbeiterInnen teilgenommen haben.

„Das Wesentliche an diesem Bericht ist nicht, dass man jetzt plötzlich draufkommt, dass Familienarmut existiert, sondern dass er die Vielfältigkeit und Komplexität des Themas widerspiegelt, und dass er mit aktuellen Zahlen unterfüttert ist, die die täglichen Erfahrungen der Sozialberatungsstellen bestätigen“, so Robert Buggler, Verfasser der Studie.


Lebensstandard von Familien sinkt

Laut Studie sind zwei Familientypen besonders von Armut betroffen: Mehrpersonen-Haushalte und AlleinerzieherInnen. Ihr Lebensstandard ist im Vergleich zur Gesamtpopulation deutlich geringer, da sie pro Person weniger Geld zur Verfügung haben als zum Beispiel Familien mit nur einem Kind. Gerade AlleinerzieherInnen können oftmals nicht in Vollzeit arbeiten und haben daher ein geringeres Einkommen. Rund 7.000 Euro haben Ein-Eltern-Haushalte pro Jahr im Vergleich zum österreichischen Medianeinkommen weniger zur Verfügung, das bedeutet einen rund 30 Prozent geringeren Lebensstandard als der Durchschnitt. Freizeitaktivitäten für Kinder oder die notwendige Brille werden hier schnell zum finanziellen Problem.


Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer

Vergleicht man die Haushaltseinkommen der letzten zehn Jahre, so zeigt sich, dass diese in Salzburg durchschnittlich um zehn Prozent gestiegen sind. Das heißt, die Menschen haben mehr Geld zur Verfügung, als noch vor zehn Jahren. Nicht jedoch Mehrpersonen-Haushalte mit mindestens drei Kindern und Ein-Eltern-Haushalte – sie mussten kaufkraftbereinigte Verluste hinnehmen. So hat ein Mehrpersonen-Haushalt jährlich ca. 1.000 Euro weniger in der Tasche, als noch vor zehn Jahren, AlleinerzieherInnen haben jährlich 1.400 Euro weniger zur Verfügung. Im Gegensatz dazu haben die reichsten zehn Prozent jährlich um 2.000 Euro mehr. Dies wirkt sich beispielsweise auf die Bildung der Kinder aus, da sich arme Familien den oft notwendigen Nachhilfeunterreicht nicht mehr leisten können.


Familienarmut in Salzburg

Besonders die steigende Wohnungsnot und Zahlungsschwierigkeiten machen Familien in Salzburg zu schaffen. Nur für ein Drittel aller Salzburger Familien sind Wohnkosten keine Belastung. Viele Familien finden keine geeignete, leistbare Wohnung – 9.000 Haushalte wohnen in Salzburg im Überbelag. Unerwartete hohe Ausgaben werden für Familien schnell zum Problem, wie z.B. der Kauf einer neuen Waschmaschine.
Armut und ein niedriges Bildungsniveau korrelieren stark. 331.000 Personen, das sind 35 Prozent, der Armutsgefährdeten weisen österreichweit maximal einen Pflichtschulabschluss auf, nur zehn Prozent verfügen über einen universitären Abschluss. Rund 6.100, das sind 39 Prozent, der Arbeitslosen im Bundesland Salzburg haben lediglich einen Pflichtschulabschluss. Kinder aus bildungsfernen Schichten haben geringere Chancen einen hohen Bildungsstandard zu erreichen, als Kinder aus Akademiker-Familien.

Caritas Direktor Johannes Dines: „Kinder, die zuhause keinen Platz zum Lernen haben, Familien, die nicht wissen wie sie die Stromkosten bezahlen sollen oder AlleinerzieherInnen, die sich den Schulausflug für das Kind nicht leisten können. Tagtäglich haben wir bei der Caritas Salzburg mit solchen Fällen zu tun. Politik, Gesellschaft und wir als Caritas sind gefordert diesen Menschen zu helfen. Ein Gespräch, ein Zuschuss zu den Heizkosten oder ein Platz für das Kind in einem unserer Lerncafés sind oftmals schon eine große Hilfe. Doch es braucht noch mehr: Den Ausbau des Beratungs- und Betreuungsangebotes, preiswerten Wohnraum sowie die Anpassung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung.“


Ist die Mindestsicherung armutsfest?

Denis N. und seine Frau Jasminka leben von der Mindestsicherung. Denis konnte krankheitsbedingt längere Zeit nicht arbeiten. Die beiden haben zwei kleine Kinder im Alter von 5 Jahren und 14 Monaten. Jasminka hat nach Ende der Karenz wieder bei ihrem alten Arbeitgeber zu arbeiten begonnen. Nach kurzer Zeit verlor sie ihre Stelle. Gleichzeitig stand der Umzug in die dringend benötigte größere Wohnung bevor. Die Kaution von rund 2.000 Euro konnte die Familie nicht mehr aufbringen und musste eine private Anleihe aufnehmen. Schuldentilgungsraten und hohe Energiekosten belasten den Geldbeutel der Familie zusätzlich. Mit dem alleinigen Bezug der Bedarfsorientierten Mindestsicherung würde die Familie deutlich unter der Armutsgrenze leben. Inklusive der Familienhilfe kommt die Familie auf ein Einkommen, das knapp unter der Armutsgrenze liegt. Nur 23 Euro bleiben der Vierköpfigen Familie täglich, nach Abzug aller Fixkosten, für Lebensmittel, Kleidung und sonstige alltägliche Besorgungen.
„Die finanzielle Grundlage der Bedarfsorientierten Mindestsicherung liegt unter der Armutsgrenze, nur durch Zuziehung anderer Familienleistungen kann man die Armutsgrenze überschreiten“, so Robert Buggler, Verfasser der Studie.


Wir > Ich: Neue Caritas Kampagne gegen Hetze und für Zusammenhalt

In Not geratene Menschen trifft die Polarisierung der heutigen Gesellschaft am Härtesten. Angst vor der eigenen Pflegebedürftigkeit, vor Arbeitslosigkeit, aber auch Angst vor einer immer komplexeren Welt lassen das Vertrauen der Menschen auf eine gute Zukunft schwinden. In der neuen Caritas Kampagne Wir>Ich (Wir ist größer als ich) bezieht die Caritas deutlich Stellung, wofür sie steht: Nämlich für einen starken Zusammenhalt als Gegengewicht zu Angst, sozialer Kälte und Vertrauensverlust und als verbindende Kraft im Fundament der österreichischen Gesellschaft. Diese Haltung bezieht sich nicht nur auf ein Thema, sondern auf alles, was die Caritas an 1.700 Orten in ganz Österreich tut: Von der Flüchtlingshilfe über die Kinder- und Jugendarbeit, die Unterstützung für Menschen mit Behinderung, Nothilfe im In-und Ausland, den Sozialberatungsstellen bis zum Bereich Pflege.

Hier können Sie den Abstract der Studie "Familienarmut im Land Salzburg" downloaden

Hier können Sie die gesamte Studie „Familienarmut im Land Salzburg“ downloaden


Bild: Kinder die zuhause keine Unterstützung beim Lernen bekommen, finden Hilfe in den Lerncafés der Caritas Salzburg.
Foto: wildbild/ Caritas Salzburg

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