Geraubte Kindheit, geschenkte Zukunft

 

Die Caritas Salzburg setzt sich gemeinsam mit ihren ägyptischen Partnern seit Jahren für Straßenkinder ein. Das Rupertusblatt hat die Projekte vor Ort besucht

 

ALEXANDRIA (eds/chp-25.02.2019) / Vorsichtig klopft Karim an die Bürotür. Er weiß, dass Hebba gerade Gäste hat. Trotzdem möchte der kleine Junge sein Erlebnis von heute Vormittag unbedingt mit seiner Vertrauten teilen: "Un dann hab' ich einen Elefanten aus Ton gemacht" - erzählt das Kinder der Frau aufgeregt, die beim Anblick des Jungen die Arme ausbreitet. Karim lässt sich in ihren Schoß fallen und flüstert ihr etwas ins Ohr. Hebba lacht laut und drückt den Kleinen fest an sich. 

Der Junge mit den großen braunen Augen und dem gewinnenden Lächeln ist fünf oder sechs Jahre alt. So genau weiß das keiner. Wie viele Straßenkinder hat auch Karim keine Papiere, ein Problem mit weitreichenden Folgen. Denn Geburtsurkunde und Personalausweis sind wichtig, wenn es um den Zugang zu Bildung, Arbeit und zur eigenen Wohnung geht. 

Karim kämpft sich alleine auf der Straße durch, als ihn die Polizei vor einigen Wochen aufgreift und mit aufs Revier nimmt. Als Mutter und Großmutter den Buben bei den Beamten abholen wollen, weigert sich der kleine Junge, mit den beiden mitzugehen. Die Mutter hat ihn weggegeben, wie Karim erzählt, die Großmutter ihn geschlagen, der Vater sitzt wegen Drogenhandels im Gefängnis. Die Frauen können sich nicht ausweisen und so bringt die Polizei Karim schließlich zur Caritas - eine staatliche Einrichtung für Jungen wie ihn gibt es nicht. 

Schätzungen zufolge leben zehntausende Kinder in Ägypten auf der Straße. Die wenigsten davon sind Waisen, die meisten wurden aus unterschiedlichen Gründen von ihren Familien verstoßen oder sind weggelaufen. Karim lebt gerne in dem betreuten Wohnprojekt der Caritas, erzählt er. Hier hat er ein eigenes Bett, bekommt dreimal täglich zu essen, kann lernen, basteln und spielen, bekommt Medizin wenn er krank und eine Umarmung, wenn er traurig ist. Vor allem die psychologische Begleitung wird in der Einrichtung groß geschrieben. 

Psychologin Hebba hört täglich die Geschichten der jungen Buben, die nicht nur von unsagbarem psychischen Druck erzählen, sondern auch darauf schließen lassen, dass gesellschaftliche Muster in dem nordafrikansichen Land zur Problematik beitragen: "Die Kinder erzählen von Scheidungen der Eltern, von neuen Ehepartnern, die die 'alten' Kinder misshandeln, ausbeuten oder wegschicken", sagt die Psychologin. Häusliche Gewalt steht auf der Tagesordnung. 90 Prozent der ägyptischen Kinder haben bereits persönliche Erfahrungen mit körperlicher Gewalt in der eigenen Familie gemacht. Verwahrlosung, verbale und emotionale Übergriffe hinterlassen zusätzlich Spuren. 

"Viele Kinder finden keine Sprache für das, was sie durchgemacht haben", erzählt die Psychologin. "Die Seelen dieser Kinder sind schwer beschädigt." Es brauche viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen und die Kinder zu stabilisieren. 

Tagesstruktur und regelmäßige Abläufe sind in der Caritas-Einrichtung besonders wichtig. Allmählich erfahren die Sozialarbeiter dann über die Eltern, den Wohnort oder die Problematik zu Hause. "Diese Informationen sind für uns wichtig. Ziel ist es schließlich, die Kinder wieder mit den Familien zusammenzubringen und sei es nur, um die notwendigen Dokumente, vor allem die Geburtsurkunde, zu bekommen", erzählt Hany Maurice, Leiter der Caritas Alexandria. Er hat das Wohnprojekt für Straßenkinder aufgebaut. Mehrere hundert obdachlose Buben fanden hier ein neues Zuhause. 
Weitere Straßenkinder kommen regelmäßig in das im gleichen Gebäude betriebene Tageszentrum, um sich zu duschen, zu essen oder um zu reden; danach kehren sie wieder in ihren Unterschlupf auf den Straßen Alexandrias zurück. 

Einer davon ist Mohamad. Ihn treffen wird bei Streetwork-Bus. 

 

Den vollständigen Artikel  finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Rupertusblattes

 

Foto: Psychologin Hebba kümmert sich u.a. auch um den kleinen Karim. Er ist der jüngste Bub im betreuten Wohnen der Caritas. Foto: RB/Höckner

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