Geschlechterrollen aufbrechen

 

KATHARINAfeier an der Theologischen Fakultät in Salzburg mit Soziologin Barbara Kavemann

 

SALZBURG (eds/Ursula Eisl – 29. 5. 2019) / Eine liturgische Feier im Sacellum, gestaltet von jungen Theologinnen, läutete die KATHARINAfeier am Dienstagabend ein. Anschließend folgten in der Aula der Universitätsbibliothek Vortrag und Diskussion zum diesjährigen Thema: „Frauen als Täterinnen sexueller Gewalt – auch in Einrichtungen der katholischen Kirche“. Das Festreferat hielt die Soziologin Prof. Barbara Kavemann aus Deutschland.    

Frauen als Missbrauchstäterinnen bislang kaum im Blick

Es ist üblich, dass sich die KATHARINAfeier Themen kirchlicher und gesellschaftlicher Relevanz und Brisanz widmet. Dieser Tradition ist die Veranstaltung auch in diesem Jahr mehr als gerecht geworden. Obwohl sexualisierte Gewalt nun schon seit Jahren in der medialen Öffentlichkeit und der katholischen Kirche breit diskutiert wird, rücken Frauen als Missbrauchstäterinnen bislang kaum bis gar nicht in den Blick. Doch auch bei diesem Thema gilt es, bestehende Vorstellungen von Geschlechterrollen aufzubrechen, wie der Vortrag von Barbara Kavemann zeigte. Die Soziologin beschäftigt sich seit den 70er-Jahren mit Gewalt im Geschlechterverhältnis. Gerade im Bereich der sexualisierten Gewalt werde ihrer Meinung nach eine Differenz in der Wahrnehmung der Geschlechter deutlich. Dies führe unter anderem dazu, dass es betreffend sexueller Gewalt durch Frauen zu einer Tabuisierung und Abwehr kommt. Für die Betroffene stelle das eine zusätzliche Hürde dar, über die Vorfälle zu sprechen. Ebenso zeige sich bei der Beurteilung von Fällen, in denen Frauen zu Täterinnen wurden, häufig Verharmlosung oder Dämonisierung.

Es gibt laut Kavemann zwei gegensätzliche Tendenzen: Entweder werden sexuelle Übergriffe durch Frauen aufgrund der unterschiedlichen Wahrnehmung der Geschlechter als viel weniger schlimm oder als viel schlimmer beurteilt als durch Männer verursachte Übergriffe. Die Festrednerin untermauerte ihre Ausführungen noch mit Beispielen aus dem Bereich der katholischen Heimerziehung, der Familie und der Pflege. 

Zur Festrednerin: Barbara Kavemann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts zu Geschlechterfragen / FIVE Freiburg sowie Honorarprofessorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin.

Publikation (Neuerscheinung): Kavemann, Helfferich, Nagel, Kindler (2018) Re-Victimization of adolescent girls after sexual violence in childhood – a conceptual framework for prevention. In: Journal of Gender Based Violence, Policy Press, University of Bristol.

KATHARINAfeier ist Fixpunkt im akademischen Kalender 

Seit dem Jahr 1990 wird an der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg jährlich die KATHARINAfeier begangen. Sie ist seither als Ergänzung zur Thomasfeier ein Fixpunkt im akademischen Kalender der Theologischen Fakultät. Den Verantwortlichen war es ein Anliegen, neben dem Kirchenlehrer Thomas von Aquin auch eine weibliche Kirchenlehrerin – Katharina von Siena – in den Fokus zu rücken und ein Forum zu schaffen, in dem Frauen im theologischen Diskurs eine Stimme gegeben wird.

Foto: Ein Teil des Vorbereitungsteams mit der Referentin, Prof. Dr. Barbara Kavemann (3. v. l.)  und Vizedekanin und Moraltheologin, Univ.-Prof. Dr. Angelika Walser (4. v. r.). 

Foto: Erzdözese Salzburg/thz

 

 

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