Gott loben ist das Amt des Priesters

 

Das Collegiatstift Mattsee ist die älteste bestehende Weltpriestergemeinschaft Österreichs. Kürzlich wurden neue Kanoniker aufgenommen

 

Mattsee (eds – 6.1.2020) / 12 Kanoniker und bis zu vier Ehrenkanoniker gehören der Gemeinschaft an, die von einem Propst geleitet wird. Mit der Überreichung von Mozetta und Kapitelkreuz durch Weihbischof Hansjörg Hofer wurde bei der adventlichen Tassilovesper der Kirchenrektor von Maria Bühel in Oberndorf, Heribert Jäger, als Ehrenkanoniker aufgenommen. Der Pfarrer der Salzburger Stadtpfarren Itzling, Gnigl und St. Severin, Johann Schwaighofer, rückte vom Ehren- zum Kapitularkanoniker auf. 

Weihbischof Hofer rief in seiner Predigt die wichtigste Aufgabe für Priester in Erinnerung: „Gott loben – und zwar mit einer ganz großen Treue und Verbindlichkeit“, sagte der Weihbischof. „Das ist unser Amt als Priester!“ Genau das habe jeder Priester bei seiner Weihe auch versprochen. „Denn auf die Frage des Bischofs ,Seid ihr bereit, Männer des Gebetes zu werden?‘, haben wir alle geantwortet: ,Ja, ich bin bereit!‘“, sagte Hofer. So gehöre das Gebet zum Wesen der Sendung jedes Priesters, zur Grundlage seines Wirkens schlechthin. „Es ist ein Teil unseres Dienstes“, bekräftigte Hofer. 

Dabei sei das Beten der Priester immer auch ein stellvertretendes Beten; ein Beten für: ein Beten für die Menschen: für die Kinder und jungen Leute, für die Familien, für die Alten und Kranken, für die Mühseligen und Beladenen, für die Menschen am Rande, für die Gestrandeten und Heimatlosen, für die Kirche, für den Frieden, für die Berufenen und um neue Berufungen und so weiter; „Gott zu loben und zu beten f ü r …, das ist unser Amt!“, sagte Hofer. Was für das Gebet der Priester gelte, gelte auch für das Gebet aller Christinnen und Christen, die beten, ermutigte Weihbischof Hofer.

Stift Mattsee: Mehr als 1200 Jahre Geschichte

Gemäß alter Überlieferung hat Bayernherzog Tassilo III. um das Jahr 760 am Mattsee eine Kirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael errichtet und zugleich ein Kloster gegründet. Wie Kremsmünster und Mondsee vertraute er seine Gründung den Benediktinermönchen an. Auch wenn ein Stiftsbrief bzw. eine Gründungsurkunde fehlt, weist doch vieles darauf hin, dass Mattsee zu den ältesten kirchlichen Stiftungen im heutigen Österreich gehört. 

Unter Bischof Berengar von Passau (1013 bis 1045) wurde die Benediktinerabtei in ein weltpriesterliches Collegiatstift umgewandelt. Als solches besteht es ohne Unterbrechung und ist somit das älteste Österreichs. Seit 1807 steht Mattsee unter der Rechtssprechung des Salzburger Erzbischofs.

Im Zuge des ersten Weltkrieges verlor das Collegiatstift einen Großteil seiner Besitzungen. In den letzten Tagen der NS-Zeit war auch eine Aufhebung des Stiftes geplant. 1977 wurde in der alten Propstei das allgemein zugängliche Stiftsmuseum eingerichtet. Mit wertvollen Kunstgegenständen hält es die Erinnerung an die Aufbewahrung des ungarischen Kronschatzes wach, der infolge der Wirren des zweiten Weltkrieges zur Aufbewahrung nach Mattsee gekommen war.

 

Foto: Die Gemeinschaft der Kanoniker des Collegiatstiftes Mattsee mit Weihbischof Hansjörg Hofer. Im Vordergrund rechts der Tassilokelch. 

Foto: Heribert Jäger erhält von Weihbischof Hansjörg Hofer Mozetta (Schulterkragen)und Kapitelkreuz überreicht.

Fotos: Erzdiözese Salzburg (eds/roi)

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