Großer Andrang und hitzige Diskussion

 

Podiumsdiskussion auf der Uni Salzburg über die Loretto-Gemeinschaft sorgte für Gesprächsstoff

 

SALZBURG (eds-20.11.2019) / Vor rund 200 Besucherinnen und Besuchern diskutierten und stritten unter Moderation von Josef Bruckmoser im brechend vollen Hörsaal 101 der theologischen Fakultät: Bernadette Lang, Referentin der Jüngerschaftsschule in der Loretto-Gemeinschaft Salzburg, Bischofsvikar der Erzdiözese Salzburg Harald Mattel, Univ.-Prof. Hans-Joachim Sander von der Universität Salzburg, Annika Schmitz, Doktorandin der Theologie an der Universität Wien und Prof. P. Karl Wallner OCist von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz.

Antworten und lebendiges Christentum

In ihrem Eingangsstatement positionierte sich Bernadette Lang als Protagonistin einer geistlichen Bewegung. Sie ist Leiterin der Jüngerschaftsschule der Loretto-Gemeinschaft. Obwohl das Christentum Antworten auf die Fragen der Menschen hätte, werden diese in traditionellen Kontexten wie Volkskirche und Pfarre nicht mehr sichtbar, sagte Lang. Charismatische Bewegungen dagegen hätten diese Antworten in Formen von lebendigem Christentum und einem sicheren Lebensstil, der unter anderem auch durch geistliches "Leadership" gefunden wird. Die Stärke und zugleich ihre Schwäche sieht die Patoralassistentin  in der Geschlossenheit der Gemeinschaft.

Für die Wiener Theologin Annika Schmitz zeigen die Geistlichen Bewegungen vor allem das Defizit der restlichen Kirche auf,  junge Menschen an Kirche heranzuführen. Gleichzeitig geben geistliche Bewegungen zu schnelle und zu einfache Antworten. Ihre Frage: Welcher Inhalt steht hinter der emotionalen und ästhetischen Berührung von Menschen bei charismatischen Veranstaltungen?

Ein Segen für die Erzdiözese?

Bischofsvikar für die Junge Kirche in der Erzdiözese Salzburg Harald Mattel versteht seine Aufgabe darin, die geistlichen Bewegungen in der Erzdiözese im großen Angebot der Kirche für Jugend als eine Möglichkeit zu präsentieren. Er sieht keine Bevorteilung der Loretto-Gemeinschaft finanzieller oder struktureller Art durch die Diözese. „Bewegungen haben die große Chance, sich auf einige Veranstaltungen oder wenige Inhalte zu fokussieren“, so der Pfarrer von Seekirchen. Eine Gefahr sieht er darin, dass diese Gemeinschaften der Versuchung unterliegen, es gebe nur ihren Weg zu Gott. Alles in allem sei die Loretto-Gemeinschaft ein Segen für die Erzdiözese, sagte Mattel.

Pater Karl Wallner vom Stift Heiligenkreuz beklagte, dass sich diejenigen, die in der Kirche Wachstum ermöglichen, immer den Generalverdacht des Exklusivismus und des geistlichen Machtmissbrauches unterstellen lassen müssen. Er selber habe sich vieles von der Loretto-Gemeinschaft abgeschaut. Gemeinschaften wie diese schaffen für ihn Räume, wo Gott die Chance hat, Menschen zu berühren.

Geistlicher Machtmissbrauch?

Der Salzburger Universitätsprofessor für Dogmatik Hans-Joachim Sander gehört zu den Kritikern. In seinem Beitrag beurteilt er geistliche Bewegungen aus einem sozikulturellen Ansatz – er verwies darauf, dass die Loretto-Bewegung eine Glaubensutopie sei. Die Basis der geistlichen Bewegungen sei nicht der Heilige Geist, sondern Begeisterung, so der Dogmatiker. Dabei rückt er die geistlichen Bewegungen in die Nähe von Begeisterten für autoritäre Herrschaft. Geistliche Gemeinschaften missionieren nicht, sie intensivieren den Glauben von bereits Gläubigen und benutzen daher bestehende Formen von Kirche, „plündern“ deren Strukturen und Ressourcen. Er warnte vor der  Gefahr des geistlichen Missbrauchs, wenn ihre „geistlichen Führer“ sich selbst nicht relativeren und der Versuchung erliegen, von kirchlichen Strukturen abzuschöpfen.

Es blieb wohl  zu wenig Zeit, um Argumente auszuführen und Unterstellungen zu widerlegen bzw. in eine vertiefende Diskussion zu kommen.
Emotional wurde die Stimmung nicht erst bei den Publikumsbeiträgen. Auf jeden Fall zeigte sich: Der erste Schritt einer offenen Konfrontation ist getan. Der Weg zum gegenseitigen Austausch ist noch ein langer.

 

Foto1: Josef Bruckmoser, Prof. P. Karl Wallner OCist, Univ.-Prof. Hans-Joachim Sander, Annika Schmitz,Theologin Wien,  Bernadette Lang, Harald Mattel (v.l.). / eds

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