Humanismus in Zeiten wie diesen

 

Abschluss der „Salzburger Hochschulwochen“ mit einer Festrede von Rektor Heinrich Schmidinger 

 

SALZBURG (eds/kap-4.8.2019) / Mit einem Festgottesdienst im Dom und Festakt endeten die diesjährigen „Salzburger Hochschulwochen“. Der Festakt in der Universitätsaula stand ganz im Zeichen der Verabschiedung des langjährigen Rektors der Universität Salzburg, Prof. Heinrich Schmidinger, der mit 1. Oktober in den Ruhestand tritt. Schmidinger ist Theologe und Philosoph und stand den Hochschulwochen von 1993 bis 2005 als Obmann vor. Entsprechend fiel die Verabschiedung auch „philosophisch“ aus, insofern Schmidinger den Festvortrag zum Thema „Humanismus in Zeiten wie diesen“ hielt. 

In seiner Begrüßung verwies der Obmann der Salzburger Hochschulwochen, Prof. Martin Dürnberger, auf die Notwendigkeit von Reflexionsorten, die das Gespräch zwischen Philosophie, Kunst und Theologie koordinieren, um „gegen das Regiment der einfachen Antworten und gefühlten Wahrheiten“ anzugehen. Ein solcher Ort seien die Hochschulwochen, die heuer mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Salzburg gelockt hätten, so Dürnberger. Im Namen des Landes Salzburg dankte Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf den Organisatoren für ein „großartiges Symposion mit großartigen Menschen“, das aufgezeigt habe, dass die Welt „maximal komplex“ sei, aber – sobald man dies verstanden habe – „alles andere einfach“ werde.

Ethos der Menschlichkeit und Würde jedes Menschen

In seinem Vortrag plädierte Schmidinger für eine Relecture des Begriffs des Humanismus unter den Vorzeichen einer stetig komplexer werdenden Welt. Humanismus als eine Form eines sich in Handlungen und Sprache entfaltenden Ethos der Menschlichkeit und der Aufmerksamkeit für den je anderen könne in einer komplexen Welt zu einer Fokussierung auf das Wesentliche beitragen und zugleich gegen „ideologische Vereinfachungsangebote“ ins Feld geführt werden. In der dem Humanismus eigenen Konzentration auf den konkreten Menschen anerkenne er zugleich den „durch und mit nichts auf der Welt vergleich- und verrechenbaren Wert, nämlich die Würde jedes Menschen in seiner Individualität“.

Berührungspunkte zum christlichen Glauben ortete der Theologe und Philosoph etwa dort, wo der Humanismus „eine Zuversicht, eine Hoffnung“ in sich trage, die auch das Christentum kenne: „Den Glauben an den Menschen und damit an dessen Zukunftsfähigkeit“. Daher sei er auch „der festen Überzeugung, dass sich Humanismus und Christentum in diesem Glauben treffen“.

Heinrich Schmidinger, geboren 1954 in Wien, studierte von 1972 bis 1980 Theologie und Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1984 habilitierte er sich an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck für das Fach Christliche Philosophie. Seit 1993 war Schmidinger Professor am Fachbereich Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg, zu deren Dekan er 1995 gewählt wurde. Im Jahr 1999 wurde Schmidinger Vizerektor für Ressourcen und Stellvertreter des damaligen Rektors Adolf Haslinger, zu dessen Nachfolger er im Jahr 2001 bestellt wurde. Von 2011 bis 2015 war er außerdem Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz.

Von 1984 bis 2015 war Schmidinger Mitglied des Direktoriums der Salzburger Hochschulwochen und von 1993 bis 2005 dessen Obmann. 1985 wurde Schmidinger mit dem Kardinal Innitzer-Förderungspreis ausgezeichnet. 2016 erhielt der das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2017 den Kardinal Innitzer-Würdigungspreis.

Festgottesdienst: „Folge ich dem Lebensentwurf Jesu?“ 

Dem Festakt voraus ging ein Festgottesdienst im Salzburger Dom mit Erzbischof Franz Lackner und dem Südtiroler Bischof Ivo Muser. Bezugnehmend auf die biblische Texte dieses Sonntags fragte Bischof Muser in seiner Predigt: „Was ist dann der Erfolg, der bleibende Ertrag deines Lebens? Was du angehäuft hast an materiellen Gütern, an Lebensgenuss, das lässt du hier zurück. Bekanntlich hat das Totenhemd keine Taschen. Was aber bleibt dann von diesem Leben?“

Wie der Südtiroler Bischof unterstrich stehen gerade wir Christinnen und Christen immer vor dieser Alternative und vor dieser Entscheidung: „Folge ich dem Lebensentwurf des reichen Bauern aus dem Gleichnis, das uns Jesus heute erzählt, oder folge ich dem Lebensentwurf Jesu selbst? Ist er selber für mich der alternative Lebensmaßstab und die Herausforderung zu einem alternativen Lebensstil? Sind er und sein Evangelium für mich der Schlüssel zu meiner Sehnsucht nach Einfachheit inmitten der vielen und oft auch kontrastreichen Fragen meines Lebens?“ 

Bischof Muser verwies auf Augustinus, den großen Kirchenvater, der in einer sehr aufgewühlten und komplexen Übergangszeit sagte: „Wenn du einmal im Gericht Gottes stehst, wird dir der Richter nicht viele Fragen stellen. Eine Frage aber wird er stellen müssen: Hast du geliebt? Und an der Antwort auf diese Frage entscheidet sich für dich der Gewinn oder der Verlust des Himmels.“

Mehr als 1.000 Teilnehmende bei „smarter Sommerfrische“ in Salzburg

Die „Salzburger Hochschulwochen“ standen heuer vom 29. Juli bis 4. August unter dem Generalthema „Die Komplexität der Welt und die Sehnsucht nach Einfachheit“. Mehr als 1.000 Interessierte folgten der Einladung zur „smarten Sommerfrische“ in die Mozartstadt. Das ist ein Rekordwert, den Obmann Martin Dürnberger auf die Kombination aus einem „Thema am Puls der Zeit“, Top-Refererienden und attraktive Formate zurückführte. Höhepunkte waren die Verleihung des „Theologischen Preises“ an den deutschen Theologen Prof. Karl-Josef Kuschel, die Verleihung der „Publikumspreise“ für Nachwuchswissenschaftler sowie ein Sommerfest auf Einladung von Erzbischof Franz Lackner.

Thema 2020: „Du musst dein Ändern leben!“

Im kommenden Jahr werden die „Salzburger Hochschulwochen“ sich vom 3. bis 9. August dem Thema „Du musst dein Ändern leben!“ stellen. Das teilte der Präsident der Hochschulwochen, Erzbischof Franz Lackner, zum Ende des Festaktes mit. Prozesse der Selbstoptimierung seien heute allgegenwärtig, führte Obmann Dürnberger dieses Thema gegenüber kathpress aus: Der Imperativ „Werde eine bessere Version deiner selbst“ fordere den modernen Menschen zur permanenten Veränderung und Neuerfindung heraus. Dies gelte ebenso für Institutionen, die unter dem Schlagwort „Change-Management“ nach Neuorientierung suchen. Diesem „Großtrend“ wolle man in den kommenden Hochschulwochen nachspüren und ihn kritisch durchleuchten, so Dürnberger.

Tradition seit 1931

Die „Salzburger Hochschulwochen“ fanden 1931 zum ersten Mal statt. Ihr Ziel ist es, ein universitäres, interdisziplinäres Forum zu bilden, in dem sich die Theologie dem Dialog über aktuelle Fragen mit säkularen Wissenschaften stellt. Jährlich locken sie Interessierte aus dem gesamten deutschen Sprachraum nach Salzburg. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Salzburger Äbtekonferenz der Benediktiner, dem Katholischen Hochschulwerk Salzburg, der Görres-Gesellschaft, der Katholischen Akademikerverbände Deutschlands und Österreichs sowie dem Forum Hochschule und Kirche der Deutschen Bischofskonferenz organisiert.

Seit drei Jahren sind die Hochschulwochen eine Veranstaltungsreihe der Theologischen Fakultät und als solche integriert in die Universität Salzburg. Weitere Infos: www.salzburger-hochschulwochen.at

Foto 1: Erzbischof Franz Lackner, Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, Hochschulwochen-Obmann Martin Dürnbeger und Rektor Heinrich Schmidinger (v. l.).

Fotos 2, 3, 4: Gottesdienst im Salzburger Dom mit Festprediger Bischof Ivo Muser und Festakt mit Festredner Rektor Heinrich Schmidinger.

Fotos: Erzdiözese Salzburg/kap/H. Klingen

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