Im Dialog voneinander lernen

 

Achter Empfang der Religionen in Salzburg im Zeichen des Sikhismus

 

SALZBURG (eds-8.11.2018) /Jedes Jahr richtet der Empfang der Religionen an der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg seinen Blick auf eine andere Religion. Heuer stand der Sikhismus im Mittelpunkt.

Den Abend eröffnete traditionell ein religionsverbindendes Gebet in der Salzburger Kollegienkirche – organisiert vom Arbeitskreis interreligiöser Dialog des Afro-Asiatischen Instituts. Vertreterinnen und Vertreter des Judentums, Buddhismus, Christentums, Islams, der Sikhs und der Baha’i sprachen Gebete und luden zum Erinnern ein: In der Nacht vom 9. auf 10. November jähren sich zum 80. Mal die Novemberpogrome von 1938 gegen die jüdische Bevölkerung.

Empfang der Religionen holt Sikhs vor den Vorhang

Nach dem gemeinsamen Beten im Zeichen des Friedens und der Verständigung  und einem Ortswechsel an die Theologische Fakultät betonte Franz Gmainer-Pranzl, Leiter des Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religionen, in seinen Begrüßungsworten: „Es braucht den Dialog nicht als Inszenierung, sondern als Bereitschaft, voneinander zu lernen. Und: Wir haben es alle nötig, voneinander zu lernen.“

Sikh-Vertreter Amrit Pal Singh Bhogal berichtete vom Alltag in der Salzburger Gemeinde, zu der sich rund 200 Familien zugehörig fühlen. „In Österreich leben geschätzt an die 10.000 Sikhs“, so Singh-Bhogal. Er erklärte, dass 2002 der Salzburger Tempel, der „Sanjhiwal Singh Sabha Gurdwara“ eröffnet wurde und dass es jedes Jahr einen großen Umzug in der Schallmooser Hauptstraße gebe, zum „Tauffest“ der Sikhs. Singh Bhogal unterstrich außerdem die  zentrale Stellung der „wohltätigen Dienste“ in ihrer Gemeinschaft. Ein Beispiel sei der Einsatz während der Flüchtlingskrise 2015: „Wir haben 2.000 Flüchtlinge mit Essen versorgt, 100 Tage lang.“

Teilen und Gastfreundschaft als wichtige Tugenden

Der Baseler Religionswissenschafter und Erwachsenenbildner Christoph Peter Baumann gab in seinem Festvortrag einen Einblick in die Welt des Sikhismus. Er verwies auf die wichtigsten Grundsätze wie den Glauben an einen Gott, der das ganze Universum erschaffen hat und die Einheit der Menschen. Eine besondere Bedeutung haben das heilige Buch und die zehn Gurus der Gemeinschaft und das Teilen mit weniger Begünstigten. „Das Teilen geschieht vor allem in den Gurdwaras, den Tempeln. Hier ist jeder Mensch willkommen und erhält ein warmes Mittagessen, das Freiwillige vorbereiten.“ Der Turban sei eines der sichtbaren Erkennungszeichen der Sikhs und Teil der fünf „Ks“ wie Kirpan (kleiner Dolch), Kangha (Holzkamm), Kara (Armreifen aus Stahl), Kachhera (knielange Hose) und Kes (ungeschnittene Haare unter dem Turban). Merkmal der Geschwisterlichkeit sei, dass jeder Mann den Nachnamen Singh trage, das bedeute Löwe. „Frauen heißen Kaur, Prinzessin.“ Baumann unterstrich weiters die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Sikhismus. „Frauen können jedes Amt ausüben.“

Empfang der Religionen erlebt 2019 seine Fortsetzung

Im Jahr 2011 lud das Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen erstmals zum „Empfang der Religionen” – aus Anlass des 25-Jahr-Jubiläums des Weltgebetstags für den Frieden (27. Oktober 1986 in Assisi).  Jedes Jahr steht seitdem eine andere Religion im Mittelpunkt – für 2019 wird die Entscheidung noch getroffen.

Der Empfang der Religionen ist eine Kooperation der Universität Salzburg mit der Erzdiözese Salzburg, dem Afro-Asiatischen Institut Salzburg, der Diözesankommission für den interreligiösen und interkulturellen Dialog (DKID), dem Katholischen AkademikerInnenverband (KAV) und dem Institut für Religionspädagogische Bildung Salzburg der Privaten Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein.

Foto 1: Vetreter der Sikh-Gemeinde aus Salzburg beim interreligiösen Gebet in Salzburg.

Foto 2: Amrit Pal Singh Bhogal, Vertreter der Sikh-Gemeinde in Salzburg.

Foto 3: Festredner Christoph Peter Baumann.

Fotos: Erzdiözese Salzburg

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