In der Mitte steht immer der Mensch

 

„‘Merkeln‘ Sie oder ‚Orbanisieren‘ Sie eher?“ Diese Frage stellte Paul M. Zulehner bei der Präsentation seines neuesten Buches „Entängstigt euch!“

 

SALZBURG (eds/kbw - 11.3.2016) /Das Publikum in der vollbesetzten Dombuchhandlung ist aufgefordert, seine eigene Einstellung zum Thema Flüchtlingsbewegung zu reflektieren. Der Pastoraltheologe und Werteforscher Zulehner sieht das Pendel der gesellschaftlichen Stimmungslage aktuell zwischen Angst und Zuversicht ausschlagen, dazwischen befindet sich die Besorgtheit.

Wie kommt es also zu diesen Gefühlen, die in weiterer Folge auch bestimmen, wem ich zuhöre und was ich lese? Die Entscheidung fällt Zulehner zufolge in mir, lange bevor ich mit der Realität und den Fakten konfrontiert werde.  Ausschlaggebend sind die eigenen Ängste, die jede und jeder in sich trägt und welches Werkzeug mir durch Bindung und Beziehung in der frühen Entwicklung in die Hand gelegt wurde, mit diesen Ängsten umzugehen. Zulehner plädiert in diesem Zusammenhang vor allem in den ersten Lebensjahren dafür, Bindung über Bildung zu stellen und „dem Chaos der Angst festes Land des Vertrauens abzugewinnen“.

Auf dem Weg von diffuser Angst hin zu rationaler Furcht sieht Zulehner die Politik und sämtliche Bildungseinrichtungen gefordert. Als besonders wichtig erachtet er die persönliche Begegnung mit Flüchtlingen, um einem aufkeimenden „archaischen Nationalismus“ entgegenzuwirken. „Gegen Angst kann man nicht moralisieren, sie verschwindet nur durch Begegnung“, so Zulehner bei der Veranstaltung des Katholischen Bildungswerkes. Bei allen Überlegungen müsse der Mensch in der Mitte stehen und die Kernaufgabe unserer Zeit  sei, Menschen aus dem Angsteck „herauszulieben“. Dann bestehe die Chance, aus Abwehr Einsatz werden zu lassen und durch das Helfen anderer auch persönliche Bereicherung zu erfahren.

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