In Liebe loslassen können

 

Selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen - Kirche als Plattform

 

SALZBURG (eds/hud – 1.7.2016) /Selbst über sein Leben zu bestimmen ist für Menschen mit einer Behinderung nicht selbstverständlich, zu sehr sind sie oft von Angehörigen und Betreuern abhängig. Im Rahmen eines, vom Referat für Behindertenpastoral der Erzdiözese veranstalteten Fachtages in St. Virgil, zeigte Sonja Stadler den Teilnehmern, wie erfrischend ein Leben trotz Beeinträchtigung sein kann, wenn die Person selbst sagt, was sie möchte. „Personenzentriertes Leben“ ist der Fachausdruck dazu, was nichts anderes heißt als auf den Menschen mit Behinderung und seine Wünsche einzugehen. Für Eltern von behinderten Menschen bedeutet das zum Beispiel, „in Liebe loslassen zu können“, so Psychologin Monika Sommerer.

Sonja Stadler bezeichnet sich selbst als eine der ersten, selbstbestimmten Frauen in Salzburg. Die 48-jährige Lebensberaterin beschreibt Personenzentriert so: „Ich weiß, was ich brauche, ich weiß, wie man mich lebendig werden lassen kann“. Die Selbstbestimmtheit ist auf den US-Aktivisten Ed Roberts in den 1960-er Jahren zurückzuführen, „der frech genug war, nach der Matura studieren zu wollen“, erzählt Stadler. Als er während des Studiums aber in einem Krankenhaus wohnen sollte, wehrte er sich und suchte sich Assistenten, die ihm geholfen haben und die er auch bezahlte. Eine Art Aktivistin ist auch Stadler, sie ermutigt zum Beispiel Eltern, loszulassen und dem behinderten Menschen ein eigenes Leben zu ermöglichen. Dass das klappen kann bestätigt ihre Mutter, „Sonja ist mit 23 Jahren ausgezogen, heute mache ich mir keine Sorgen um sie, also nicht mehr als eine normale Mutter“, meint Annemarie Stadler lachend.

Vom Rand in die Mitte

Menschen mit einer Behinderung wurden früher oft in Einrichtungen am Rande der Stadt untergebracht, „dann hat man doch festgestellt, dass diese Menschen zurück ins Zentrum sollen“, so Psychologin Monika Sommerer. „Mittlerweile leben wir die Inklusion, also dass nicht nur Betreuer und Angehörige mit beeinträchtigen Menschen zu tun haben, sondern eben alle“.

Generell soll das Thema „Menschen mit Behinderung“ ein Thema für alle sein, „das ist auch das Anliegen der Erzdiözese Salzburg, die uns dafür auch eine Plattform bietet“, sagt Barbara Schubert, die das entsprechende Referat in der Erzdiözese leitet. In der UN-Behindertenrechts-Konvention seine zwar alle Rechte festgeschrieben, „aber bis alle diese Inhalte im Alltag mit Leben erfüllt sind ist es noch ein weiter Weg“, so Schubert. Auch die Kirche müsse hier noch viel lernen.

Eigene Assistenz und eigenes Budget

Wie schwierig das Streben nach Selbstbestimmtheit in der Praxis ist weiß auch Soziallandesrat Heinrich Schellhorn. Bei der Umstellung auf ein neues Konzept für das Wohnbetreuungsheim Schernberg in Schwarzach vor drei Jahren habe es anfangs große Widerstände gegeben. Doch es gibt auch Fortschritte, in der nächsten Woche werde im Landtag ein Gesetz verabschiedet, dass für Menschen mit Behinderung Projekte für eine persönliche Assistenz vorsehe, so Schellhorn.

Fotos: M. Hudelist

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