Jugend erobert Ambo und Hostienschale

 

Ein ungewohntes Bild hält in den ersten Pfarren der Erzdiözese Salzburg Einzug:

 

SALZBURG (eds-22. 1. 2020) / Mädchen und Burschen ab 15 Jahren spenden in Gottesdiensten die Kommunion und verkünden das Wort Gottes. Und das tun sie mit Freude – und Ernsthaftigkeit.

Bramberg, Niederau, Oberalm, Rehhof, Seekirchen, Tamsweg: Sie gehören zu den ersten Pfarren, die erfahrene Ministrantinnen und Ministranten offiziell in weitere verantwortungsvolle Aufgaben entsenden – als Kommunionhelferinnen und Lektoren. „Die meisten der 20 Teilnehmer sind 17 oder 18 Jahre alt und keine Newcomer, sondern absolute Profis im Dienst am Altar“, sagt Birgit Esterbauer-Peiskammer.

"So ist mir um die Zukunft der Kirche nicht bang"

Die Liturgiereferentin der Erzdiözese Salzburg hat die ersten Jugendlichen, die jüngsten sind 15 und die ältesten 22 Jahre, an einem Samstagvormittag zusammengebracht. Ihr Eindruck: „In einem Alter, in dem sie sich sonst eher auf den Rückzug aus der Kirche machen, bestärkt sie diese Verantwortung.“ Das Ausbildungsteam nehme sie als Erwachsene wahr, nicht als Kinder. „Wenn ich an sie denke, ist mir um die Zukunft der Kirche nicht bang“, sagt Esterbauer-Peiskammer. Der Kurs entstand in Kooperation mit dem Bereich Junge Kirche, der Jungschar und Renate Orth-Haberler, Pastoralssistentin in Ausbildung.
Wort Gottes braucht seriöse Vorbereitung 

Für diesen Sonntag hat Papst Franziskus weltweit den „Sonntag des Wortes Gottes“ ausgerufen. „Die Lektorinnen und Lektoren, die wir als nächstes ausbilden, lesen nicht einfach einen Text aus der Bibel vor. Sie verkünden das Wort Gottes“, erklärt die Liturgiereferentin. Dieses habe den Anspruch, Nahrung zu sein, sagt sie und fordert, sich mit den Inhalten auseinander zu setzen. Das habe sie auch den Jugendlichen mitgegeben. „Sie entwickeln eine große Ehrfurcht vor diesem Dienst, der mit der Verantwortung verbunden ist, sich seriös vorzubereiten.“
Mit Blick auf die aktuellen Kirchenaustrittszahlen – sie stiegen in der Erzdiözese im Vergleich zu 2018 um rund elf Prozent an – ist Esterbauer-Peiskammer überzeugt, dass weiter an der Qualität von Pastoral und Liturgie gearbeitet werden müsse. „Stimmt die Güte, kommen die Menschen doppelt so gern in die Kirche“, sagt sie.

An der Ausbildung zu Kommunionhelfern und Lektorinnen können gefirmte Jugendliche ab 15 Jahren teilnehmen. Infos unter kirchen.net/jungschar. Wissen für Ehrenamtliche bietet das Liturgieseminar: kirchen.net/seelsorgeamt/veranstaltungen.

 

Foto: Üben mit Oblate: Aus den Händen eines jungen Teilnehmers bekommt Birgit Esterbauer-Peiskammer die „Kommunion“ (l.). Die Idee zur Ausbildung hatte Bischofsvikar Harald Mattel.
Foto: eds/KJS

 

 

Interview: „Es ist so cool, dass man uns das zutraut“

Carina Premstaller (19) studiert Mathematik und teilt in Rehhof die Kommunion aus.

Erzdiözese: Ihre ersten Einsätze als Kommunionhelferin haben Sie schon absolviert – wie ist es gelaufen?
Premstaller: Beim ersten Mal war ich so nervös, dass ich mich auf gar nichts im Gottesdienst ordentlich konzentrieren konnte. Alles ist gut gegangen. Aus meiner Pfarre Rehhof haben wir zu dritt die Ausbildung gemacht, seither ist immer jemand von uns in den Gottesdiensten dabei.

Erzdiözese: Wie reagieren die Kirchgänger auf die jungen Menschen, die die Hostien ausgeben?
Premstaller: Unser Pfarrer ist längst fertig mit dem Austeilen, da stehen bei uns noch Leute an – ganz bewusst, weil sie uns als Junge unterstützen wollen. Ich glaube ihnen gibt es das Gefühl, dass Kirche nicht nur aus älteren Menschen besteht, sondern dass auch die Jugend voll dabei ist.

Erzdiözese: Folgt nun die Ausbildung zur Lektorin für Sie?
Premstaller: Ich überlege, weil es zeitlich eng ist bei mir. Jedenfalls ist es so cool, dass man uns diese Aufgaben zutraut. Ministranten in meinem Alter wissen oft nicht, wie sie weitertun sollen. Diese „Risikogruppe“, die der Kirche oft wegbricht, mit Kommunion austeilen oder lesen zu beauftragen, ist wirklich super.

 

Foto: Carina Premstaller
Foto: eds/privat

Michaela Hessenberger

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