Kardinal-König-Kunstpreis an Julia Haller

 

Erzbischof Franz Lackner überreichte in Salzburg/St. Virgil die Auszeichnung

 

SALZBURG (eds - 28. 11. 2015) / Erzbischof Franz Lackner überreichte gestern Abend in einem Festakt in St. Virgil der deutschen Künstlerin Julia Haller den mit 11.000 Euro dotierten Kardinal-König-Kunstpreis 2015. Zugleich eröffnete der Erzbischof eine Ausstellung mit Arbeiten aller 22 in diesem Jahr nominierten Künstlerinnen und Künstler.

Der Kardinal-König-Kunstpreis wurde – auf Anregung von Prälat Dr. Johannes Neuhardt – 2004 gegründet und 2005, also vor zehn Jahren, zum ersten Mal vergeben, und zwar an Hans Schabus. Die weiteren PreisträgerInnen waren das Künstlerduo Nicole Six / Paul Petritsch (2007), Marko Luliæ (2009), Christian Mayer (2011) und Kathi Hofer (2013). Zielsetzung des Kunstpreises der Erzdiözese Salzburg ist es, „Initiativen zur Begegnung und zum Dialog zwischen Künstlerinnen und Künstlern und römisch-katholischer Kirche“ zu fördern, wie in den Statuten festgelegt ist. Alle zwei Jahre wird deshalb ein Werk ausgewählt, das „eine für den zeitgenössischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Diskurs wichtige Position darstellt“.

Auf Vorschlag einer namhaften Jury wurde in diesem Jahr Julia Haller einstimmig zur Preisträgerin gekürt. Mit Julia Haller wird eine Künstlerin ausgezeichnet, die zwar nicht in Österreich geboren wurde, hier aber über ihr Studium eine künstlerische Heimat gefunden hat. Erstmals wird damit eine gleichsam malerische Position prämiert, nach architektonischen, skulpturalen, installativen, fotografischen bzw. medienübergreifenden Beiträgen in den vergangenen Jahren. „Sich dem Zeichnerischen und Malerischen anzuvertrauen“, so stellte die Jury in ihrer Begründung zur Zuerkennung des Preises an Julia Haller fest, „gehört zu den raren, vielleicht innovativsten Möglichkeiten einer heutigen Kunstproduktion“.

Dabei widersetzt sich Julia Haller jeglicher Kategorisierung. „Das gemalte Bild ist nicht mehr glaubwürdig“, sagt die Künstlerin, die 1978 in Frankfurt geboren wurde und u.a. bei Heimo Zobernig in Wien textuelle Bildhauerei studierte. Sie wehrt sich vehement „gegen die konventionelle Sicht des Malerischen und Zeichnerischen“, wie Dr. Rainer Fuchs (stellvertretender Direktor mumok Wien und Jurymitglied des Kardinal-König-Kunstpreises) betont. Der nicht greifbare Inhalt, die Abwesenheit des Bildes, die oft auch bildhauerische Dimension des Zeichnerischen bei Julia Haller verwirrt die Wahrnehmung des Betrachters. Hallers Werk fordert dazu heraus, eigenständig zu entscheiden, was man sieht und das Sehen selbst zu befragen.

Julia Hallers durchaus sperrige Arbeiten „verstehen sich als Rebellion gegen einen allzu glatten ,Kunstbetrieb‘, der es verlernt hat, Fragen zu stellen“, kommentiert dazu Prälat Dr. Johannes Neuhardt. Wie die Religion versuche auch die Kunst, „von ihrer Position aus die Sinnfrage des Lebens zu erhellen“ und „jenseits der Grenzen von Logik und Verstehen weiter zu fragen, grenzenlos neugierig, was denn sein könnte, wenn scheinbar nichts mehr ist. 

Foto: V. l. n. r. Erzbischof Franz Lackner mit Antonia Gobiet, Julia Haller, der Preisträgerin des Kardinal-König-Kunstpreises, und Prälat Johannes Neuhardt.
Foto: EDS/Lochschmidt

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