Kirche braucht heute Binnendifferenzierung

 

Unter den Teilnehmern der Österreichischen Pastoraltagung sind auch Erzbischof Franz Lackner und die Bischöfe Alois Schwarz und Manfred Scheuer. Foto: EDS

 

SALZBURG (eds/kap - 9. 1. 2015) / Wie die Lebenslagen sind heute auch die Glaubensweisen der Menschen "hochgradig plural" geworden; um "Deutungsmusterkonflikte" bestmöglich zu lösen, ist nach Überzeugung der in Erfurt lehrenden Wiener Theologin Maria Widl Binnendifferenzierung erfolgversprechend. In ihrem Eröffnungsvortrag bei der diesjährigen Österreichischen Pastoraltagung in St.Virgil riet sie zu einer kirchlichen Marketingstrategie wie etwa bei einer Waschmittelfirma: Es gelte nicht besser, wohl aber differenzierter zu sein als die anderen und dabei die vorfindbare Vielfalt des Christlichen zu nutzen. Geschehe dies nicht, würden sich verschiedene Gruppen aus dem kirchlichen Leben verabschieden, weil sie sich und ihr Leben nicht wiederfinden, so Widl.

Die seit neun Jahren im weitgehend entkirchlichten Ostdeutschland lebende Theologin unterschied drei wesentliche Deutungsmuster, wie Menschen heute auf Kirche und Glauben zugingen: Die "Traditionalen" würden im Alten, Bewährten, auch das Gute sehen und die Welt als gottgewollte Ordnung sehen. Diese Sicht spreche auch Junge wieder an, nicht umsonst hätten Orden mit traditionsverhafteter Spiritualität besonderen Zulauf. Weiters gibt es laut Widl die "Modernen", die Vorgegebenes durch Beziehungsorientierung ersetzten und bereit seien, Überkommenes über Bord zu werfen. Und schließlich die "Postmodernen", die der "Gottanmaßung" des heutigen Menschen skeptisch gegenüber stünden und zugleich das inhaltliche Vakuum beim Thema Religion spürten. Sie seien bereit, sich der Frage zu stellen: "Was glauben (wir als) Christen eigentlich?"

Diese drei Gruppen seien zwar alle legitim, könnten miteinander aber wenig anfangen, wies Widl hin. Sie erlebten mit- und aneinander nicht "bunte" Pluralität, sondern befremdende Heterogenität. Die Theologin nannte als Beispiel dafür, wie mit kirchlicher Unterschiedlichkeit erfolgreich umgegangen werden kann, die Kleinstadt Friedberg im Speckgürtel von Augsburg, wo an verschiedenen Gotteshäusern liturgische und milieuspezifische Ausdifferenzierung geschehe. Es gehe nicht darum, bestimmten Zielgruppen Angebote zu machen, die womöglich für die Anbieter selbst gar nicht "passen", erläuterte Widl gegenüber "Kathpress". Besser sei es, die Betreffenden selbst gestalten zu lassen und ihren Vorlieben wertschätzend Raum zu geben.

"Christlich leben in der Welt von heute"
"Christlich leben in der Welt von heute" lautet das Thema der bis morgen andauernden, vom Österreichischen Pastoralinstitut (ÖPI) veranstalteten Pastoraltagung, die sich an kirchliche Mitarbeiter in Seelsorge und Schuldienst richtet. 300 Interessierte diesseits und jenseits der Grenzen Österreichs, nehmen alljährlich daran teil, darunter zahlreiche Bischöfe wie Franz Lackner (Salzburg), Manfred Scheuer (Innsbruck), Alois Schwarz (Gurk) und Egon Kapellari (Graz). Vortragende sind u.a. der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer und die renommierten deutschen Theologen Gerhard Lohfink und Gotthard Fuchs. 

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