Kirchliche Reform nicht ohne "fähige Laien"

 

Salzburger Erzabt Birnbacher in "Salzburger Nachrichten": "Eine rein priesterzentrierte Versorgungsstruktur hat längst ausgedient"

 

SALZBURG (eds/kap - 14.11.2016) Kirchliche Reformen werden künftig nicht umhin kommen, "fähige Laien" stärker zu berücksichtigen und sie in Mitverantwortung zu bringen: Das hat der Erzabt der Salzburger Benediktiner-Abtei St. Peter, Korbinian Birnbacher, in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Montag) betont. Kirche dürfe nicht auf den Pfarrer reduziert werden: "Kirche sind wir alle. Die Kirche hat genug starke Menschen, die Gemeinde bilden, sie bereichern oder gar leiten können", so Birnbacher. Eine "rein priesterzentrierte Versorgungsstruktur" habe "längst ausgedient". Priester müssten nicht "bei jedem Vereins- und Jahrgangstreffen dabei sein", auch Pfarrgemeinderäte repräsentierten schließlich die Gemeinde.

Hinterfragt werden müsse laut Birnbacher auch das "Credo, dass keine Pfarre aufgelöst werden darf". Das Ziel bestehe schließlich nicht darin, Pfarren als "Verwaltungseinheiten" zu prolongieren, sondern es müsse darin bestehen, lebendige Gemeinschaften vor Ort zu haben. Das Entscheidende bei all dem bleibe der "Kontakt des Priesters mit den Menschen. Dafür muss er Zeit haben", so der Erzabt. Dass die künftige Pfarrstruktur mit längeren Wegen etwa zu Gottesdiensten auch für die Gläubigen einhergehen wird, ist für den Erzabt kein Problem: Schließlich seien es die Menschen inzwischen gewohnt, zum Einkaufen kilometerweit zu fahren - "Ist es zu viel verlangt, am Sonntag ein paar Minuten mit dem Auto zur Kirche zu fahren?"


Erzabtei ohne Prior?

Anlass des Interviews war u.a. der plötzliche Tod des Pfarrers von Maria Plan, Benedikt Röck, und eine durch die Nachbesetzung erfolgte Personalrochade. Die Pfarre wird von der Erzabtei St. Peter betreut. Nachbesetzt wurde die Stelle durch den leiblichen Bruder des Verstorbenen, P. Bernhard Röck. Dieser wiederum verlässt dazu den Pfarrverband Lammertal, wo er bisher als Pfarrer tätig war. Dessen Stelle als Pfarrer von Abtenau, Annaberg und Lungötz wird ab Februar kommenden Jahres vom bisherigen Prior der Erzabtei, P. Virgil Steindlmüller, übernommen.

Eine Entscheidung, wer künftig Prior in St. Peter sein wird, sei noch nicht gefallen, so Birnbacher gegenüber den "Salzburger Nachrichten". Zwar habe er bereits mehrere Kandidaten näher ins Auge gefasst, die Entscheidung jedoch werde "wohl das Christkind bringen".

Die Erzabtei St. Peter ist das älteste durchgängig bestehende Kloster im deutschsprachigen Raum. Es wurde 696 vom heiligen Rupert als Missionskloster gegründet. Papst Pius XI. erhob das Stift, um seine Rolle bei der Errichtung der Universität Salzburg zu würdigen, 1927 zur Erzabtei. Seither führen die Äbte von St. Peter - derzeit ist es Korbinian Birnbacher - den Ehrentitel des Erzabtes. Derzeit zählt die Abtei 23 Mönche.  
www.stift-stpeter.at

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