Krankensalbung: Ein oft missverstandenes Sakrament

 

Stärkung statt "letzte Ölung" zum Welttag der Kranken am 11. Februar:

 

WIEN (kap – 10. 2. 2020) / Das Sakrament der Krankensalbung kann jedem Gläubigen gespendet werden, der aufgrund von Krankheit, Unfall oder Altersschwäche in Gefahr gerät. Damit hat die Krankensalbung nichts mit der sogenannten "Letzten Ölung" zu tun, die lange Zeit als letzte Stärkung ausschließlich im Angesicht des Todes verstanden wurde. Begründet wird das Sakrament mit dem 5. Kapitel des Jakobusbriefes. Dort heißt es in Vers 14: "Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben."

Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) wurde noch von der "ultima unctio" (dt.: "letzten Ölung") gesprochen. Dies änderte sich spätestens mit Papst Paul VI., der in der Apostolischen Konstitution "Sacram Unctionem Infirmorum" im Jahr 1972 von der "Salbung der Kranken" schrieb. Seitdem ist es möglich, sich in Zeiten schwerer Krankheit, vor einer bevorstehenden Operation oder in Lebenskrisen von einem Priester das Sakrament spenden zu lassen.

Hinter dem Begriff Krankensalbung steht das Verständnis eines sakramentalen Mittels der Stärkung und Ermutigung des Kranken. Sie soll in schwerer Krankheit Anteil am Heiligen Geist schenken und in dem Kranken Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit wecken.

Ablauf der Krankensalbung

Die Krankensalbung spendet gültig jeder Priester: Er salbt dabei Stirn und Hände des Kranken mit heiligem Öl. Dabei spricht er folgende Worte: "Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen; er stehe dir bei in der Kraft des Heiligen Geistes: Der Herr, der dich von deinen Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf. Amen."

Die Weihe eines für Kranke bestimmten Öles ist ab dem 4. Jahrhundert, möglicherweise schon bei Hippolyt (170-235 n.Chr.), nachweisbar. Innozenz I. (378-417 n.Chr.) beschreibt die Krankensalbung klar im heutigen Verständnis und verweist dabei auf Jak 5,13-15; die Salbung musste Menschen, die im Büßerstand lebten, vorenthalten werden.

Die Sakramentalität ist seit dem Hoch-Mittelalter genauer erkannt worden, und bei der Festsetzung der Siebenzahl der Sakramente im 11./12. Jahrhundert gehörte die Salbung dazu. Wie in der Ostkirche war es auch in der Lateinischen Kirche bis ins 13. Jahrhundert üblich, dass mehrere Priester zusammen die Krankensalbung spendeten, indem sie die Salbungen unter sich aufteilten. Auch die private sakramentalische Salbung durch andere Personen und Selbstsalbungen wurden in der Spätantike praktiziert, ebenfalls Waschungen mit dem Öl oder sein Trinken.

"Welttag der Kranken"

Eng verbunden mit der Krankensalbung ist auch der "Welttag der Kranken", der jedes Jahr am 11. Februar begangen wird. Er wurde im Jahr 1993 von Papst Johannes Paul II. anlässlich des Gedenkens an alle von Krankheit betroffenen Menschen eingeführt. Seither wird er jährlich am 11. Februar, dem Gedenktag "Unserer lieben Frau von Lourdes", begangen. Er steht in diesem Jahr unter dem biblischen Motto "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken". Der Welttag findet heuer zum 28. Mal statt.

 

Foto: pixabay

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