Lackner: Standards in kirchlicher Vermögensverwaltung überdenken

 

Visitation in Gurk soll Anlass für Lernprozess in Kirche in Österreich sein

 

KLAGENFURT (eds/kap-17.1.2019) / Die Apostolische Visitation der Diözese Gurk-Klagenfurt soll ein Anlass sein, „über die Standards in der kirchlichen Vermögensverwaltung nachzudenken“. Das hat der damit vom Papst betraute Salzburger Erzbischof Franz Lackner in einem Interview der Kärntner Kirchenzeitung „Sonntag“ betont. Zum Konflikt um die Finanzgebarung im Bistum Gurk wolle er kurz nach Beginn der Visitation "noch nicht Stellung nehmen", sagte Lackner. „Aber generell glaube ich, dass es in einer Kirche nicht sein kann, dass viel Vermögen in einer Hand ist. Das Geld gehört nie mir, sondern ist mir treuhändisch anvertraut.“ Selbst wenn man Letztentscheidender ist, brauche es eine Kontrollinstanz bzw. einen Aufsichtsrat als starkes Gegenüber, sagte der Erzbischof. „Dass da einer allein entscheidet, geht einfach nicht.“

Befragt nach Schlussfolgerungen für die Gesamtkirche sprach Lackner von einem „Lernprozess“ für die Kirche in Österreich. Seiner Ansicht nach ist es „auch bei kleineren Vermögen wichtig, dass es ein Mehraugenprinzip gibt“. In manchen Bistümern sei dies ja ein fixer Bestandteil.

Bei der Aufklärung der Vorwürfe bezüglich der wirtschaftlichen Gebarung im Bistum Gurk werde das Visitationsteam auch mit weltlichen Behörden zusammenarbeiten, kündigte Lackner an: „Selbstverständlich suchen wir einen Weg, um mit der Staatsanwaltschaft gut zu kooperieren.“

Die Staatsanwaltschaft Graz hatte kurz vor Jahresende 2018 bestätigt, wegen Untreueverdachts gegen den ehemaligen Kärntner und nunmehrigen St. Pöltner Diözesanbischof Alois Schwarz und auch gegen dessen frühere enge Mitarbeiterin Andrea Enzinger zu ermitteln. Die Sprecherin von Bischof Schwarz, Katharina Brandner, erklärte dazu, dass die Anforderung des Berichts der Wirtschaftsprüfer des Bistums Gurk durch die Staatsanwaltschaft „ein reiner Routinevorgang“ sei.

Wie Erzbischof Lackner in dem „Sonntag“-Interview darlegte, wolle er jetzt ­­– „noch dazu am Beginn der Visitation – nicht als einer auftreten, der genau weiß, wie alles wieder gut wird“. Er bemerke bei sich selbst „eine gewisse Sprachlosigkeit“, bekannte Lackner. „Aber Krisen in der Kirche waren auch immer wieder Zeiten, in denen etwas Neues aufgebrochen ist.“ Ihm gehe es jedenfalls darum, „den Menschen die Glaubwürdigkeit der Kirche wiederzugeben“. Vertrauensbildend seien Ehrlichkeit und Respekt vor den Menschen, so der Erzbischof. „Auf gar keinen Fall darf man in Wehmut und Traurigkeit versinken.“

 

 

Foto: Erzbischof Franz Lackner / Foto: Kolarik

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