Lautes Schweigen

 

Das Massensterben im Mittelmeer müsse ein Ende haben, befand die Caritas und lud gemeinsam mit sozialen und kirchlichen Organisationen zu einer Mahnwache auf den Salzburger Domplatz sowie zum anschließenden Gebet in die Kirche von St. Peter. Mehr als 150 Menschen folgten dem Ruf und zeigten ihre Solidarität mit den zuletzt ertrunkenen 800 Flüchtlingen.

 

SALZBURG (EDS/Rupertusblatt- Bernhofer – 27.04.2015) . Fünf Minuten – 300 Sekunden – dauerte das Schweigen auf dem Domplatz. Nicht einmal eine halbe Sekunde für jeden der 800 Männer, Frauen und Kinder, die vergangenes Wochenende auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken sind. Dennoch bekam man eine Ahnung, wie viele das gewesen sein müssen. „Noch nie war das Los der Menschen auf der Flucht schlechter als jetzt“, sagte Sabine Kornberger-Scheuch, die Landesgeschäftsführerin des Roten Kreuz. „Solange korrupte Kriegstreiber und Waffenlords die Welt mit Gewalt überschwemmen, solange werden Menschen fliehen und sich in die Hände skrupelloser Schlepper begeben“, betonte Doris Witzmann, die Präsidentin der Katholische Aktion und forderte wie Adis Serifovic von der Plattform Menschenrechte bei uns eine Bereitschaft zur Aufnahme von Menschen in Not und Rahmenbedingungen für deren Integration: „Erst die geschlossenen Grenzen machen es nötig, dass Boote benutzt werden.“ Zudem dürfe man die Staaten am Rande Europas nicht alleine lassen: „Wir sind alle Europa.“
800 Flüchtlinge, die allein in einer Nacht ertranken, fast 219.000 Flüchtlinge, die laut UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) im vorigen Jahr die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer nach Europa gewagt haben – das seien Zahlen, die vielen Angst machen, meinte ein Vertreter der evangelischen Kirche und ermutigte zu einer anderen Sichtweise: „Es sind unsere Schwestern und Brüder, die uns in ihrer Not anvertraut sind. Es sind unsere Nächsten im biblischen Sinne. Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein zu helfen.“

Initiative gegen Unrecht
Dass es durchaus Menschen gibt, denen das Schicksal von Flüchtlingen am Herzen liegt, zeigten nicht nur die Schweigenden auf dem Domplatz, sondern auch jene 26.000 Menschen, die bereits die Petition „Initiative gegen Unrecht“ unerschrieben haben. Die Caritas betreibt die Initiative österreichweit, unterschreiben kann man auf www.gegen-unrecht.at. 

Stimme gegen Unrecht erheben.
„‚Ich war nackt, und ihr habt mich nicht bekleidet, ich war fremd, und ihr habt mich nicht aufgenommen‘ – das sind Worte Jesu und an diesen Taten und Untaten werden wir einmal gemessen werden“, sagte Erzbischof Franz Lackner in seiner Ansprache. „Angesichts einer solchen Katastrophe dürfen wir nicht schweigen und untätig bleiben.“ Es brauche jetzt keine Diskussion, wo Grenzen zu ziehen seien, sondern eine Allianz des guten Willens, die Verantwortung dafür trägt, „dass dieses Mittelmeer, wo mancher Luxusdampfer kreuzt, nicht zum Massengrab wird.“ Es sei dies eine Stunde der Umkehr, „auf dass wir an keiner Not vorübergehen, auf dass Menschen gläubigen Herzens beten und die Stimme erheben.“

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