Lesungen und Kommentar zum Sonntag, 6. Dezember 2015

 

Zweiter Adventsonntag, Lesejahr C

 

Der Evangelist Lukas stellt die Berufung des Johannes in den großen Rahmen der Weltgeschichte und der Heilsgeschichte. In der Predigt des Täufers wird schon deutlich, von welcher Art das Heil sein wird, das von Gott kommt: Versöhnung mit Gott durch Jesus Christus. Sie ist möglich, wenn der Mensch bereit ist, umzukehren, anders zu werden.  

1. Lesung: Bar 5, 1–9  

Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends, und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht. Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! Denn Gott will deinen Glanz dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen.  

Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht. Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten, und sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat. Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, weggetrieben von Feinden; Gott aber bringt sie heim zu dir, ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte.  

Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel, und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, so dass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann. Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten auf Gottes Geheiß. Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.  

2. Lesung: Phil 1, 4–6.8–11  

Immer, wenn ich für euch alle bete, tue ich es mit Freude und danke Gott dafür, dass ihr euch gemeinsam für das Evangelium eingesetzt habt vom ersten Tag an bis jetzt. Ich vertraue darauf, dass er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu. Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit der herzlichen Liebe, die Christus Jesus zu euch hat.

Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und Verständnis wird, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt. Dann werdet ihr rein und ohne Tadel sein für den Tag Christi, reich an der Frucht der Gerechtigkeit, die Jesus Christus gibt, zur Ehre und zum Lob Gottes.  

Evangelium: Lk 3, 1–6  

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.

So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.  

Kommentar zum Evangelium  

Gottes Heil für alle  

Der Adventkranz erinnert uns an die heilvolle Gemeinschaft mit Gott. Er gleicht einem Weg, dessen Anfang und Ende verbunden sind. Gott selbst ist der Anfang und das Omega. Wir sind begleitet von Lichtern der Hoffnung, des Vertrauens, der Freiheit und der Liebe. Im Lukasevangelium wird klar, dass inmitten der Weltgeschichte sich die Heilsgeschichte ereignet. Alle Menschen werden das von Gott kommende und zugesagte Heil schauen. Auch in dieser Zeit will Jesus uns begegnen. Reicht unsere Bereitschaft dazu aus?  

Unser freier Wille kann dies entscheiden. Der Täufer Johannes verkündet die Umkehr, die Taufe zur Vergebung der Sünden. Er ist ein Vorläufer und weist auf den Messias hin. Damit wir Gott nicht verlieren, ist es notwendig den Blick auf das Wesentliche zu richten. Persönliche Umkehr und Ruhe sind auch im Trubel des Alltags, der vorweihnachtlichen Hektik sowie der dargebotenen Ablenkungen möglich. Durch Christus ist die Versöhnung mit Gott erreichbar.  

„Ebnet ihm die Straßen.“  

Die Heiligen sind uns Vorbilder. Sie waren durch die Gemeinschaft mit Jesus erfüllt von Liebe. Durch sie wurde Gottes Heil spür- und erlebbar. Die vielen Heiligen hatten in ihrem Leben nicht immer die Wertschätzung von den Mächtigen und des unmittelbaren Umfeldes. Das menschenverachtende Gerede und Verhalten beachteten sie nicht. Sie verschenkten die von Jesus empfangene Liebe voller Freude und Geduld weiter.  

Das Heil ist für alle da. Der hl. Nikolaus lebte dies im Vertrauen auf Gott. Sein Wirken ist geprägt von Solidarität und Toleranz. Gott ist Ursprung aller Heiligkeit. Jeder Mensch will auf seine eigene Art und Weise heil werden und dies erleben. Die Propheten Jesaja und Johannes sind überzeugt von der erfüllenden Verheißung Gottes. Es lohnt sich, Jesus den Weg zu ebnen. Durch unsere Gedanken, Worte und Werke kann der Mensch Zeugnis von der heilenden Begegnung mit Jesus geben.  

Viele Wege, die wir beschreiten, können uns wie die Propheten zum Nachdenken anregen. Machen wir uns bereit. Jesus will immer wieder in unser Leben und in unsere Herzen kommen. 


Dipl.-Päd. ROL Marcella Pfister ist Religionslehrerin an der VS Neualm/Hallein und VS Siezenheim.  

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