Menschliches auf den Tisch gelegt

 

Erzbischof Lackner überreichte Kerstin von Gabain den mit 11.000 Euro dotierten Kardinal-König-Kunstpreis 2017

 

SALZBURG (eds / 28. 11. 2017) / In einem feierlichen Festakt überreichte Erzbischof Franz Lackner gestern Abend den Kardinal-König-Kunstpreis an Kerstin von Gabain. Der mit 11.000 Euro dotierte Preis gehe an eine Künstlerin, die den Betrachter und die Betrachterin herausfordere Position zu beziehen, so Jury-Mitglied Angelika Nollert in ihrer Laudatio. Werke aller 23 nominierten Künstlerinnen und Künstler sind in einer Ausstellung bis 2. Februar in St. Virgil Salzburg zu sehen.

Künstlich und fremd

Im preisgekrönten Kunstwerk gehe es um „Verfremdung, Assoziation und Künstlichkeit“, machte Nollert in ihrer Laudatio deutlich: Mit seidig-glatten Abgüssen menschlicher Knochen, Arme oder Beine leite die Künstlerin den Blick der Betrachtenden auf die Verletzlichkeit des Körpers. Nollert würdigte die direkten und schonungslosen Zugänge der Künstlerin. Im Gesamtwerk finden sich immer wieder humorvoll-freche Blicke auf Alltagsgegenstände, die einen Perspektivenwechsel eröffnen. Kerstin von Gabain fordere den Betrachter und die Betrachterin zur Stellungnahme heraus und konfrontiere sie mit konkreten Fragen.

Der ehemalige Diözesankonservator Prälat Johannes Neuhardt dankte Erzbischof Franz Lackner für das Engagement bei der Förderung zeitgenössischer Kunst: „Die Kirche braucht die Kunst und zwar die von heute. Sie kann sich nicht mit der von gestern begnügen, weil ihr Auftrag für heute und morgen gilt“, so der Initiator des Kardinal König Kunstpreises.

Ein Werk mit kunstgeschichtlichen Bezügen

Kerstin von Gabain nimmt in ihrem Werk „Symposium on the dark ages“ Bezug auf Hieronymus Boschs „Weltgerichtstriptychon“ und übersetzt Emotion und Formensprache des 1504 entstandenen Altarbildes in die Gegenwart. Die Künstlerin baute ihre Installation, bestehend aus einem dreiteiligen Tisch, vor Boschs Werk in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien auf. Wie auf einem Seziertisch liegen darauf in sinnlich-fleischlichem Rosa gehaltene Wachspräparate, die an „Knochen, Mark und Fleisch“ erinnern, so Nollert.

Die Expertenjury würdigt den Umgang Gabains mit der Tradition: „Kerstin von Gabain deutet Bild-Traditionen radikal um; sie spielt auf den Objekt- und Fetischcharakter von musealen Exponaten ebenso an wie auf den manipulativen Charakter von Ausstellungen“, heißt es in der Jurybegründung.

Gefährdetes Wesen auf der Suche nach Heilung

Hieronymus Bosch formulierte mit „mittelalterlichen“ Mitteln für seine Zeit zukunftsweisende Themen – wie etwa das Ringen des Individuums um die ihm eigene Verantwortung für sich und sein Leben; ebenso entwerfe Kerstin von Gabain mit zeitgenössischen Mitteln das Bild eines gefährdeten Wesens auf der Suche nach Heilung. „Ihre Vermenschlichung von Gegenständen verweist zugleich auf die pure Materialität und Hinfälligkeit alles Menschlichen und Organischen“, heißt es von Seiten der Jury.

Kerstin von Gabain, geboren 1979 in Palo Alto, USA, studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Sie arbeitet insbesondere mit Fotografie und Skulptur. Ihre Werke waren unter anderem in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, in der Kunsthalle Wien und im MAK Wien zu sehen. Kerstin von Gabain lebt und arbeitet in Wien.

Der Kardinal-König-Kunstpreis wurde auf Anregung von Prälat Johannes Neuhardt 2004 gegründet und 2005 erstmals an Hans Schabus vergeben. Die weiteren Preisträger/innen waren das Künstlerduo Nicole Six/Paul Petritsch (2007), Marko Lulić (2009), Christian Mayer (2011), Kathi Hofer (2013), Julia Haller (2015). Zielsetzung des Kunstpreises ist es, „Initiativen zur Begegnung und zum Dialog zwischen Künstlerinnen und Künstlern und Kirche“ zu fördern, wie in den Statuten festgelegt. Alle zwei Jahre wird deshalb eine künstlerische Position ausgewählt, die beispielhaft für „den zeitgenössischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Diskurs ist“.

Foto (v.l.n.r.): Dr. Antonia Gobiet (Geschäftsführerin des KKKpreises), Dr. Margit Zuckriegl (Jurymitglied), Preisträgerin Kerstin von Gabain und Erzbischof Dr. Franz Lackner. Foto: Birgit Probst

 

 

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