Muslime in Österreich: Nur Offenheit baut Vorurteile ab

 

Großer Redebedarf in Hallein nach Veröffentlichung von Islam-Studie

 

Hallein (eds-22. 1. 2020) / Wolfgang Aschauers Studie zum Islam hat die Wogen in den vergangenen Wochen hochgehen lassen. Unter dem Titel „Einstellungen zu Muslimen in Österreich“ fand der Wissenschafter der Universität Salzburg heraus, dass die überwiegende Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher den Islam im eigenen Land sehr kritisch sieht.

„Muslime in Österreich – Fehlt es an Respekt vor dem Islam?“ – unter diesem Titel trafen Dienstagabend Salzburger Politiker, Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich und der Erzdiözese Salzburg in Hallein (Salzburgs zweitgrößter Stadt mit der stärksten türkischen Community) zusammen. Sie suchten Antworten auf drängende Fragen, welche Aschauers Studie aufgeworfen hatte.

Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: 90 Prozent der Befragten sagen, Muslime sollten sich der österreichischen Kultur anpassen, 75 Prozent glauben, dass der Islam keine kulturelle Bereicherung für Österreich darstelle. „Es ist traurig, dass so viel Ablehnung gegenüber einer so kleinen Gruppe besteht“, sagte Kimbie Humer-Vogl, die Klubobfrau der Grünen im Landtag und Stadträtin für Integration, Zusammenleben und Energie in Hallein.

Probleme entstehen im Alltag

Herausforderungen im Alltag – wie etwa das Entstehen von Parallelgesellschaften, muslimische Männer, die nicht auf weiblichen Vorgesetzen hören Frauen den Handschlag verweigern – verstärken ein negatives Bild allerdings, konterte Landtagsabgeordnete Karin Berger (FPÖ). „Lassen wir die Religion einmal beiseite und kümmern wir uns um Fragen des Alltags, der Gewohnheiten und der Moral, die uns scheinbar trennen“, sagte Matthias Hohla, Referent für den interreligiösen Dialog in der Erzdiözese Salzburg.

Was genau heißt Anpassung und wie soll Integration geschehen? – Diese Unsicherheit zeigte sich in den Wortmeldungen, die bei der Diskussion aus dem Publikum kamen.

Für Ahmet Yilmaz steht fest: „Integration geht nicht ohne Konflikte.“ Er ist der Vorsitzende der Islamischen Glaubensgemeinschaft Salzburg; er fordert, dass sowohl die Mehrheitsgesellschaft als auch die Minderheit möglichst nüchtern und unaufgeregt an Themen herangehen müsse.

In einem waren sich alle Teilnehmer auf dem Podium an diesem Abend jedenfalls einig: Nur das gegenseitige Kennenlernen und der offene Dialog bewirken einen Abbau von Vorurteilen; dafür bauen diese Maßnahmen mehr Sicherheit und Selbstvertrauen bei den muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auf.

 

Foto: Ahmet Yilmaz (Vorsitzender der Islamischen Glaubensgemeinschaft Salzburg), Wolfgang Aschauer (Soziologe und Studienautor), Tarik Mete (SPÖ), Karin Berger (FPÖ), Sri Fackler (Moderatorin und Pastoralassistentin in Hallein), Kimbie Humer-Vogl (Grüne), Karl Zallinger (ÖVP), Matthias Hohla (Erzdiözese).
Foto: eds/dap

 

 

 

 

 

 

 

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