Neue Reliquien für St. Peter

 

Erzbischof Lackner wird am 22. September den neuen Altar der Stiftskirche St. Peter weihen. Dazu mussten im Voraus drei Reliquien versiegelt werden

 

 
SALZBURG (eds-19.09.2019) / Wie viele Reliquien er in seinem Leben schon versiegelt hat, das kann Albert Thaddäus Esterbauer gar nicht genau sagen: „Ich bin jetzt 25 Jahre da und habe das seitdem wahrscheinlich jedes Jahr ein oder zwei Mal gemacht.“ Esterbauer ist Vizekanzler der erzbischöflichen Kurie in Salzburg. Vor kurzem war er mit der Aufgabe betraut, die Reliquien für den neuen Altar der frisch sanierten Stiftskirche St. Peter zu versiegeln. Am 22. September wird Erzbischof Franz Lackner im Zuge der Wiedereröffnung der Kirche den neuen Altar weihen und darin den versiegelten Reliquienstein beisetzen. Dieser alte Ritus besteht aus mehreren Schritten: Zuerst erfolgt die Beisetzung der Reliquien, danach wird der Altar mit Weihwasser besprengt und gesalbt. An fünf Stellen, die an die Wundmale Christi erinnern, verbrennt man Weihrauch. Erst im Anschluss spricht der Zelebrant das Weihegebet. Abschließend wird das Altartuch aufgelegt und die Kerzen entzündet.

Totalsanierung von St. Peter

Ein Jahr lang wurde wurde die Stiftskirche St. Peter saniert. Anlass dafür waren statische Probleme in der Vierungskuppel und bei der Rückwand des Hochaltares. Eine „Sanierung light“ kam nicht in Frage. Dazu P. Korbinian Birnbacher OSB, Erzabt von St. Peter: „Ich bin heilfroh, dass wir im Konvent mit 18 von 20 Stimmen dem Baukonzept zugestimmt haben.“ Der Kirchenraum erstrahlt im wahrsten Sinne des Wortes in neuem Glanz. Moderne LED-Lampen sorgen für eine warme Beleuchtung. Eine neue Orgel kommt in fünf Jahren. Bis dahin spielt das ausgebaute Pfeifen- und Registerwerk aus dem linken Oratorium.

Im mit Baumaterial vollgestellten Altarraum erklärt Erzabt Korbinian das liturgische Konzept der Anlage: „Durch die kleine runde Öffnung im Boden sind wir Feiernden mit den Toten der Krypta und zugleich durch die Kuppelfenster mit dem Himmel verbunden. In der Euch­aristie sind immer alle dabei.“ Der gesamte Altarraum wurde von alten Einbauten, Verkleidungen und Stufen befreit und wirkt jetzt offener und geräumiger. Sieben Tonnen Untersberger Marmor wiegt der neue Volksaltar des Architekten Thomas Wizany, der den gesamten Raum entworfen hat. Auf den Altar ist der Erzabt besonders stolz: „Die Tradition des Volksaltares besteht in St. Peter schon seit der Liturgiebewegung in den 1920er-Jahren – auch wenn die Feier dort nur während der Hochschulwochen für einige Auserwählte möglich war.“ Am Tag der Altarweihe kehren nun Reliquien in die Kirche zurück.

Ehrfurchtsvolle Momente

Eine Reliquienversiegelung, wie sie kürzlich für die Stiftskirche stattfand, ist immer etwas Besonderes für Albert Thaddäus Esterbauer. „Da spüre ich Ehrfurcht. Einerseits, weil in so einer speziellen Situation Teile eines Menschen vor mir sind und andererseits, weil das eben auch Teile eines ganz besonderen Menschen sind“, erzählt Esterbauer. Für die Versiegelung gäbe es keine festgesetzte Ordnung, meistens mache er das alleine. „Bevor ich die Reliquie verschließe, spreche ich immer ein Gebet. Damit ist das Geschehen in einen religiösen Rahmen eingebettet. Beigelegt wird auch eine Urkunde, die der Herr Erzbischof zuvor unterschrieben hat und ich gegengezeichnet habe. Auf ihr steht, dass der Erzbischof an diesem Tag den Altar geweiht hat und welche Reliquien darin sind.“ In der Diözese sei es seit vielen Jahren Brauch, eine Verbindung zur Kathedrale und somit zu den Gründerbischöfen herzustellen. Daher komme stets ein Stück von Rupert und Virgil in den jeweils neuen Altar, erklärt der Vizekanzler.

Ursprünglich wurden im frühen Christentum Altäre über den Gräbern von Märtyrern errichtet. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der Brauch, bei einer Altarweihe auch eine Märtyrerreliquie beizusetzen. Im Falle von St. Peter ist es eine des sel. Franz Jägerstätter, der während der Terrorherrschaft der NS-Zeit aufgrund seines Glaubens den Kriegsdienst verweigert hatte und daraufhin hingerichtet worden war.

Esterbauer erläutert, dass inzwischen viele Altäre mit ihren Reliquien in der Erzdiözese Salzburg erneuert worden seien. Häufig geschehe dies, wenn es Renovierungsarbeiten an Kirchen gebe, immer aber, wenn in einem Gotteshaus der Altar getauscht werde. Ein spannender Moment ist für ihn jedes Mal aufs Neue, wenn in einer Kirche ein Altar abgetragen wird. „Dann kommen die Reliquien zu mir und ich schaue, wen ich da vor mir habe und aus welcher Zeit die Urkunde stammt“, erzählt er begeistert.

 

Termin:

Sonntag, 22. September, 15 Uhr

Wiedereröffnung der Stiftskirche St. Peter nach der Renovierung mit einem feierlichen Pontifikalgottesdienst durch Erzbischof Franz Lackner

 

Fotos: eds/Höckner-Pernkopf/Pernkopf

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