Neuer Katakombenpakt

 

Mehr als 40 Bischöfe aus Amazonien schließen in Domitilla-Katakomben in Rom Pakt für Ökologie sowie eine arme und inklusive Kirche

 

ROM (eds/kap-21.10.2019) / Mit einem „Pakt für das gemeinsame Haus“ haben sich am Sonntag in Rom mehr als 40 Bischöfe aus dem Amazonasgebiet – unter ihnen der österreichisch-brasilianische Bischof Erwin Kräutler – zum Schutz der südamerikanischen Region und seiner Bewohner, einer respektvollen Verkündigung des Evangeliums und einem einfachen Lebensstil verpflichtet. Am Ende eines Gottesdienstes in der am Stadtrand gelegenen Domitilla-Katakombe unterzeichneten die Bischöfe und zwei Kardinäle die gut zweiseitige Selbstverpflichtung. Damit knüpften sie an einen ersten Katakomben-Pakt an, mit dem sich im November 1965 am selben Ort rund 40 lateinamerikanische und einige europäische Bischöfe zu einer Kirche der Armen verpflichtet hatten.

An dem Gottesdienst unter Leitung des brasilianischen Kardinals Claudio Hummes, der als Generalrelator auch eine wesentliche Rolle bei der aktuell im Vatikan stattfindenden Amazonien-Synode hat, nahmen insgesamt rund 150 Gläubige teil: etliche Priester und Ordensfrauen, indigene Vertreter und andere. In seiner Predigt betonte Kardinal Hummes, wichtig seien das persönlich gelebte Zeugnis jedes Einzelnen für Christus und das Volk wie auch das Gebet füreinander, insbesondere die Menschen Amazoniens.

Bischof Kräutler einer der Initiatoren des neuen Katakomben-Paktes

Bischof Kräutler wurde am Ende des Gottesdienstes als Anerkennung seines jahrzehntelangen Einsatzes für die Menschen im Amazonasgebiet eine Stola des 1999 verstorbenen brasilianischen Erzbischofs Dom Helder Camara (1909–1999) überreicht. Kardinal Hummes legte dem 80-jährigen Kräutler, der von 1981 bis 2015 Bischof der Amazonas-Prälatur Xingu war, jene Stola um den Hals, die Camara selbst bei der Unterzeichnung des Katakomben-Pakts von 1965 getragen hatte.

Kräutler ist einer der Initiatoren des neuen Katakomben-Paktes. Darin verpflichten sich die Bischöfe unter anderem zu einer „integralen Ökologie“ und dem Schutz des amazonischen Regenwaldes in Verpflichtung gegenüber dem Bund Gottes mit seiner ganzen Schöpfung. Sie erneuern ihre „vorrangige Option für die Armen, vor allem unter den Indigenen“, verschreiben sich dem Einsatz gegen jede Form von Gewalt, verpflichten sich zur Ökumene und einer synodalen Kirche, in der alle Getauften sich mit ihrem Anliegen und Stärken einbringen können.

Insbesondere der vielfältige Einsatz und Dienst von Frauen, die Gemeinschaften in Amazonien leiten, müsse anerkannt werden. Daher wollen die Bischöfe Frauen, die eine Dorfgemeinschaft und Gemeinde de facto leiten, „mit angemessenen Diensten und Ämtern stärken“.

Darüber hinaus wollen die Bischöfe sich stärker dafür einsetzen, dass die katholische Kirche vor Ort präsenter ist und „das Recht der Gemeinden auf den Tisch des Wortes und den Tisch der Eucharistie verwirklicht ist“.

Schließlich verpflichten sich die Bischöfe „angesichts der Konsum-Lawine zu einem "frohen, nüchternen und einfachen Lebensstil an der Seite der Menschen, die wenig oder nichts haben“.

Die Feier und Unterzeichnung des neuen Paktes fand parallel zur dreiwöchigen Amazonien-Synode statt, die noch bis zum 27. Oktober im Vatikan tagt.

Dom Helder Camara war von 1964 bis 1985 Erzbischof von Olinda und Recife. Er gehörte zu den profiliertesten Vertretern der Befreiungstheologie und kämpfte während der Militärdiktatur (1964–1985) für die Menschenrechte. Auch gründete er die ersten kirchlichen Basisgemeinden in Brasilien.

Foto: Unterzeichnung des Katakomben-Paktes in der Domitilla-Katakombe.

Foto: Vatican News

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