„Ohne letzte große Hoffnung landen die kleinen im Grab“

 

Wiener Theologe und Bioethiker Matthias Beck bei der Österreichischen Pastoraltagung in Salzburg/St.Virgil

 

 

 

SALZBURG (eds/kap - 12.1.2018) / Hoffnung als ein auf Zukunft ausgerichteter Grundvollzug des christlichen Glaubens ist auch in der säkularisierten Gesellschaft nicht obsolet und eine „Tugend für den aufgeklärten Menschen“. Diese These hat der Wiener Theologe und Bioethiker Matthias Beck am Freitag bei der Pastoraltagung in Salzburg mit dem lapidaren Hinweis untermauert: Wer angesichts der eigenen Endlichkeit keine „letzte große Hoffnung“ hat, für den seien letztlich auch die vielen kleinen Hoffnungen unbegründet und sinnlos; „es wartet nur das dunkle Grab“. Christen dagegen hätten die Hoffnung, dass das Leben nicht ins Leere läuft, „wie ein Skispringer“ könnten sie sich davon als „Luftpolster“ tragen lassen. 

Beck sprach vor 320 Teilnehmenden der diesjährigen größten kirchlichen Seelsorge-Fortbildungsveranstaltung in Österreich, die heuer dem Thema „Der Hoffnung Räume öffnen“ gewidmet ist. Mehrere Bischöfe und Fachleute für Seelsorge und Glaubensvermittlung aus ganz Österreich und darüber hinaus sind dazu ins Salzburger Bildungszentrum St. Virgil angereist. 

In einem kulturellen Umfeld, in dem Kirche und Christentum an Bedeutung verloren, hat sich nach den Worten Becks „innerweltlicher Ersatz“ für eine religiös begründete Hoffnung herausgebildet: Der Theologe und ausgebildete Mediziner nannte den auch in der Genetik gebräuchlichen Begriff „Enhancement“, der für „Verbesserung“ etwa des menschlichen Genpools stehe und auf Lebensverlängerung, Krankheitseliminierung und „Human-Design“ steht. „Verbessern“ wollten sich auch US-Studenten, die Drogen zur Leistungssteigerung bei Prüfungen nehmen. 

Mit Spiritualität gegen innere Leere 

Eine vielfach zu beobachtende materialistische Ausrichtung – „mehr haben statt mehr sein zu wollen“ – trägt laut Beck dazu bei, dass innere Leere, Sinnlosigkeitsgefühle und Depressivität in der modernen Gesellschaft zunehmen. Im Hintergrund stehen seiner Überzeugung nach auch spirituelle Defizite, denn die vermeintliche „Fremdbestimmung“ durch die Bitte im Vaterunser, dass nicht der eigene, sondern Gottes Wille geschehe, verleihe inneren Frieden und Trost. 

Aus ihrer Gelassenheit und Lebensfreude heraus stünden Christen freilich vor dem Auftrag, die Welt im Sinn des Evangeliums zu gestalten, sich nicht zu verkriechen, sondern ihren Glauben selbstbewusst zu leben, betonte Beck, der selbst neben seiner Lehrtätigkeit an der Uni Wien Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben und der österreichischen Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt ist. Er griff das Sprichwort „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ auf – und nannte es „Unfug“. Viele Hoffnungen erwiesen sich als unerfüllt, wer seinen letzten Sinn etwa in der Familie sehe, könne nach einem Schicksalsschlag jederzeit vor dem Nichts stehen.

Hoffnung in der Bibel 

Auf das Thema Hoffnung in der Bibel konzentrierte Elisabeth Birnbaum, Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks, ihre Ausführungen am Freitag. Zu den auch im Alten sowie Neuen Testament vorfindbaren enttäuschten Hoffnungen merkte sie an, dass dies manchmal am unzulänglichen Gegenstand der Hoffnung liege – etwa wenn sie sich auf militärische Macht, auf menschliche Stärke oder auf Götzen beziehe. Aber auch berechtigte Hoffnungen würden in der Bibel manchmal aus unerfindlichen Gründen nicht erfüllt. Birnbaum verwies auf das Beispiel Hiobs, dessen gottgefälliges Leben ihn nicht vor schlimmsten Katastrophen bewahrt habe. „Er riss meine Hoffnung aus wie einen Baum“, lässt das Alte Testament den derart Gepeinigten über seinen Gott sagen. 

Und doch: Derlei „Ent-Täuschungen“ können laut der Bibelwerksdirektorin „verengte Konzepte aufbrechen“ und – wie auch bei Hiob – zu einem „neuen heilsamen Blick auf die Wirklichkeit führen“, der Raum für etwas Anderes schaffe. 

Hoffen auf Gott habe nach biblischem Zeugnis nicht mit Passivität oder Angepasstheit zu tun, er ermögliche vielmehr erst zielgerichtetes Vorgehen etwa gegen Unrechtsverhältnisse. Und Hoffnung habe in der Bibel auch nichts mit Egozentrik zu tun, betonte Birnbaum: „Die eigene Hoffnung rettet auch andere.“ 

 
Foto: eds

 

 

Zurück