Option für die Armen und Amazonien

 

Zum 80. Geburtstag von „Amazonas-Bischof“ Erwin Kräutler               

 

SALZBURG (eds/12.7.2019) / Dom Erwin – so nennen die Menschen Bischof Erwin Kräutler in Brasilien. Sein Einsatz für die Menschen am Amazonas machte ihn zu einem der bekanntesten Bischöfe Südamerikas. Am 12. Juli feiert er seinen 80. Geburtstag.  Von Ruhestand kann beim Bischof emeritus der Prälatur  am Xingu aber keine Rede sein. Die Amazonas-Synode im Vatikan im Oktober fordert den gebürtigen Vorarlberger und stellt auch sein Lebenswerk in den Fokus: die Option für die Armen und für Amazonien. 

Seit 54 Jahren wirkt Erwin Kräutler im Amazonasgebiet und ist mit dem Volk Gottes am Xingu unterwegs. „Er ist ein liebender Vater für uns“, sagen die Menschen in „seiner“ Diözese am Xingu-Fluss.  Er war nie ein Schreibtisch-Bischof – auch nicht nach seiner Emeritierung 2015. Er setzt sich nach wie vor für die Rechte der Indigenen ein, für die Armen und Heimatlosen. Er ist „empört über all die Ausbeutung und Plünderung der Menschen und ihrer Mit-Welt“. Sein Einsatz hat ihm nicht nur den Alternativen Nobelpreis eingebracht. Er stand nach einem versuchten Mordanschlag und wiederholten Drohungen unter Polizeischutz. Kräutler aber ließ sich nicht aufhalten: „Die äußere Freiheit können sie mir nehmen, die innere nicht.“

Derzeit ist der aus Vorarlberg stammende emeritierte Bischof der brasilianischen Amazonas-Diözese Altamira-Xingu in die Vorbereitung der Amazonas-Synode eingebunden. Bei der Synode soll es neben der Ökologie um Theologie und Seelsorge, um die Belange der Indigenen sowie um Menschenrechte gehen. 

In einem „Kathpress“-Interview (einen Auszug finden Sie in der aktuellen Printausgabe des Rupertusblattes oder www.kirchen.net/rupertusblatt) spricht Bischof Erwin Kräutler über die Folgen der skrupellosen Entwaldung Amazoniens, den Priestermangel und die notwendige Suche nach „neuen Zugängen zum Weiheamt“. 

Amazonas-Bischof wird 80

Erwin Kräutler wurde am 12. Juli 1939 in Koblach in Vorarlberg geboren. Nach der Matura Eintritt in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut; anschließend Studium der Philosophie und Thelogie an der Universität Salzburg. Am 3. Juli 1965 wird er durch Erzbischof Andreas Rohracher im Salzburger Dom zum Pries-ter geweiht. Schon kurz nach seiner Priesterweihe geht er nach Brasilien. Von 1981 bis 2015 wirkte er – als direkter Nachfolger seines Onkels Erich Kräutler – als Bischof von Altamira-Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens und mit 350.000 Quadratkilometern viermal so groß wie Österreich. 1983 wurde Kräutler international bekannt, als er bei einer Solidaritätsaktion mit Arbeitern, denen man den Lohn vorenthielt, verhaftet und verhört wurde. Im gleichen Jahr wurde er Präsident des Indigenenmissionsrats CIMI der Brasilianischen Bischofskonferenz. Dieses Amt übte er bis 1991 und später erneut von 2006 bis 2015 aus.

1987 setzte sich Kräutler bei der Verfassunggebenden Versammlung Brasiliens erfolgreich für die Verankerung der Rechte der Ureinwohner ein. Kurz darauf wurde er bei einem mysteriösen Autounfall, bei dem ein Kleinlastwagen das Fahrzeug Kräutlers rammte, schwer verletzt. Nach mehreren Morddrohungen steht der Bischof seit 2006 unter Polizeischutz. Kräutler, der sich jahrelang an vorderster Front gegen den Bau des Amazonas-Kraftwerks Belo Monte einsetzte, ist auch international ein gefragter Experte für Menschenrechte, Umweltschutz und Indio-Rechte. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung Österreich, das Ehrendoktorat der Universität Salzburg und 2010 den Alternativen Nobelpreis. 

Mit der Erzdiözese Salzburg sehr verbunden

Mit Salzburg ist Kräutler sehr verbunden, hier empfing er 1965  die Priesterweihe. Sei So Frei Salzburg, die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung, unterstützt seit vielen Jahren Dom Erwins Arbeit in Brasilien. Im August erscheint ein neues Buch, das Bischof Kräutler in Zusammenarbeit mit dem Salzburger Journalisten Josef Bruckmoser verfasst hat. „Erneuerung jetzt“ ist das Buch zur Amazoniensynode, es zeigt Wege auf für eine Kirche der Zukunft – in Amazonien, aber ebenso in Europa.

Foto1: Bischof Erwin Kräutler.  

Foto2: Dom Erwin mit seiner indigenen „Adoptivmutter“.

Foto3: Bischof Erwin Kräutler bei einer Prozession in Altamira.

Foto4: Dom Erwin, Bischof Erwin Kräutler, setzt sich unermüdlich für die Menschen in Amazonien ein, insbesondere für die indigenen Völker. Er warnt davor, ihren Lebensraum weiter den Interessen der globalen Wirtschaft zu opfern. 

Fotos: eds/privat/ibu

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