„Orthodoxie gehört zweifellos zu Europa“

 

Salzburger „Disputationes“ im Zeichen der Ostkirche

 

 

 

SALZBURG (eds-28.7.2016) / Von Samstag, 23.7 bis Mittwoch 27.7 fand zum fünften Mal die vom Herbert-Batliner-Europainstitut und den Salzburger Festspielen gemeinsam veranstaltete Gesprächsreihe „Disputationes“ statt. Unter dem Titel „Ex Oriente Lux. Begegnung mit dem christlichen Osten“ fragten Ostkirchenexperten nach der Bedeutung der Orthodoxie im europäischen Kontext. Erzbischof Franz Lackner forderte, das „einende Miteinander anstatt das sich ausschließende Gegeneinander“ in den Vordergrund zu rücken.

„Wir leben in einer zerrissenen Welt“, sagte der Erzbischof am Mittwochabend bei der Abschlussveranstaltung der Disputationes. Es seien Risse, die Existenzformen durchziehen würden – auch Religionen seien betroffen. Den Salzburger Festspielen und dem Herbert-Batliner-Europainstitut sprach Lackner in diesem Zusammenhang seinen Dank aus, da gerade die Disputationes den Dialog zwischen den Religionen fördern würden. „Gerade jetzt, wo es nötiger ist als sonst“ müsse der Dialog zum Thema gemacht werden, so der Salzburger Erzbischof. Es zähle das „einende Miteinander anstatt das sich ausschließende Gegeneinander“. Ein Beispiel dafür sei die Grabes- und Auferstehungskirche in Jerusalem; sie stelle in diesem Zusammenhang einen beispielhaften Minimalkonsens dar: „Für alle Christinnen und Christen ist es der Ort des Mysteriums von Tod und Auferstehung.“

Die Theologische Fakultät ist – neben PRO ORIENTE – Kooperationspartner der Veranstaltung; mit dem Zentrum zur Erforschung des Christlichen Ostens (ZECO) floss Expertenwissen in Konzeption und Planung der Veranstaltung ein: Dekan Dietmar Winkler, seit 2008 Konsultor des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, beklagte, „dass Vielen die Welt der Orthodoxie fern und unbekannt erscheint.“ Dabei sei die Ostkirche längst durch Migration und Emigration im Westen angekommen. Mit den EU-Mitgliedsstaaten Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Zypern und Estland – mehrheitlich orthodox geprägte Länder – ließe sich diese Behauptung auch in Hinsicht auf die politische Landschaft Europas bestätigen. „Die Orthodoxie gehört zweifellos zu Europa, wie auch Europa eine Verantwortung für den Orient hat, wo die Wiege des Christentums steht“, fasste Winkler zusammen.

Theologische Differenzen zwischen den Kirchen müssten nicht immer Gegensätze sein – „Kirchen können einander bereichern, einander ergänzen“, betonte der Ostkirchenexperte. Im Veranstaltungsprogramm habe man auf das Gesamte Europas verweisen wollen, so Winkler weiter: Die Vielfalt in der Ostkirche und der christlichen Kirche im Allgemeinen spielten dabei ebenso eine Rolle, wie die Schätze der orthodoxen Kirchen – vom Mönchtum bis zu den Ikonen.

Am Mittwochabend zog Winkler ein positives Resümee: Ziel des Themenschwerpunkts wäre eine Einführung in die Kirche des Ostens gewesen, um Vorurteile abzubauen und zur grundsätzlichen Verständigung beizutragen: „Die bunte Mischung der Referenten – Ostkirchenexperten aus Ost und West und Vertreter der Orthodoxen Kirchen – hat zu Austausch und Verständigung zwischen den einzelnen Vertretern geführt“, zeigte sich Winkler erfreut.

Die Disputationes wurden vom Herbert-Batliner-Europainstitut unter der Leitung von Erhard Busek, in Kooperation mit den Salzburger Festspielen ins Leben gerufen, um die Ouverture spirituelle, seit 2012 spiritueller Prolog der Salzburger Festspiele, mit Diskussionen und wissenschaftlichen Erörterungen zu interkulturellen und interreligiösen Themen zu bereichern.

 

 

Foto (v.l.n.r.): Bischof Andrej Cilerdzic von der serbisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Franz Lackner, Erhard Busek (Präsident Herbert-Batliner Europainstitut), Erzbischof der Archieparchie der katholischen Armenier von Istanbul und der Türkei, Boghos Lévon Zékiyan, und Grigorios Larentzakis, emeritierter Prof für Ökumenische Theologie, Ostkirchliche Orthodoxie und Patrologie der Universität Graz und Dekan Dietmar W. Winkler, Theologische Fakultät der Universität Salzburg

 

Fotos: Franz Neumayr

 

 

 

 

 

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