Papst Franziskus ruft zum Teilen auf

 

Reise nach Bulgarien und Nordmazedonien: Themen waren Europa, Flüchtlinge und die Ökumene

 

SKOPJE/SOFIA (eds/kap-7. 5. 2019) / Zum Höhepunkt seines eintägigen Besuchs in Nordmazedonien hat Papst Franziskus am Dienstag eine Messe im Zentrum der Hauptstadt Skopje gefeiert. An dem Gottesdienst auf dem Mazedonienplatz am Vardar-Ufer nahmen mehrere Tausend Personen teil, Beobachtern zufolge auch viele Orthodoxe und Muslime. Ganz Nordmazedonien zählt nach Vatikanangaben nur etwa 15.000 Katholiken, weniger als ein Prozent der Bevölkerung. Die Mehrheit ist orthodox, etwa ein Drittel sind Muslime.

In seiner Predigt lud Franziskus ein, aufzubrechen und Mitgefühl mit anderen zu teilen. Viele Menschen hätten „Hunger nach Brot, Hunger nach Brüderlichkeit, Hunger nach Gott". Zugleich warnte er davor, andere zu etikettieren und schnelle und sichere Antworten zu suchen. „Wir haben uns daran gewöhnt, das harte Brot der Desinformation zu essen", so der Papst. Viele seien durch Konformismus gleichgültig und durch Träume von Pracht und Größe einsam geworden oder hätten über dem Streben nach Vernetzung „den Geschmack an der Brüderlichkeit verloren".

Es ist das erste Mal, dass ein Papst Nordmazedonien besucht. Die Visite fällt zusammen mit dem 25-jährigen Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen dem Vatikan und der seit 1991 unabhängigen Republik.

Der Papst als Mutmacher

Vor seinem Aufenthalt in Nordmazedonien war der Papst in Bulgarien. Er besuchte hier unter anderem ein Flüchtlingscamp. Der Papst macht nicht viele Worte, sagt nur, die Welt der Flüchtlinge und Migranten sei „ein Kreuz der Menschheit und ein Kreuz, das viele Menschen erleiden". Vor allem will Franziskus in Bulgarien wie in anderen Ländern ein Zeichen setzen. Bereits am Sonntag hatte Franziskus an Regierung und Politiker appelliert, sich Migranten nicht zu verschließen.

Doch Bulgarien lehnt den im Dezember in Marokko beschlossenen UN-Migrationspakt ab; bei der Sicherung der EU-Außengrenzen vertritt das Land einen harten Kurs; Menschenrechtsorganisationen beklagen Gewaltanwendung gegenüber Flüchtlingen. Die meisten kommen aus Afghanistan, Irak, Syrien und Pakistan. Von den 2.540 Asylanträgen im Jahr 2018 wurden laut Landesstatistik fast alle Syrer, aber kaum Afghanen und nur jeder zehnte aus Irak anerkannt.

Bulgarien, das an die Türkei grenzt, ist für Flüchtlinge meist nur Durchgangsland. Im ärmsten EU-Land will in der Regel keiner bleiben. Auch etliche Bulgaren nicht. Seit 1990 haben rund 2 Millionen meist junge Bulgaren wegen mangelnder Zukunftschancen das Land gen Westen verlassen. Zwar hat sich die Lage seit dem EU-Beitritt gebessert, aber der Abstand zur übrigen EU ist noch groß.

Wohl auch deshalb gerät die Ansprache des Papstes an Katholiken in der südbulgarischen Kleinstadt Rakowski am Nachmittag zu einer Mutmach-Predigt. Von Schwierigkeiten sollten sie sich nicht einschüchtern lassen. „Männer und Frauen Gottes sind die, die den Mut zum ersten Schritt haben", sagte er und zitiert erneut den in Bulgarien geschätzten Papst Johannes XXIII.: „Ich habe nie einen Pessimisten getroffen, der etwas Gutes hervorgebracht hätte".

Zurück in Sofia, wirbt Franziskus bei einem abendlichen Friedensgebet der Religionen für „Dialog als Weg", „allgemeine Zusammenarbeit als Verhaltensregel" und „gegenseitiges Verständnis als Methode und Maßstab". Ziel sei ein „aktiver Friede, der gegen alle Formen von Egoismus und Gleichgültigkeit gewappnet ist". Der Ort der Feier ist geschichtsträchtig. Der Unabhängigkeitsplatz, wie er heute heißt, war früher nach Lenin benannt; entstanden war er im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs.

Orthodoxe bleiben distanziert

Außerdem liegt der Platz – an diesem Abend der Begegnung ebenfalls bedeutsam – in Sichtweite oder nur wenige Gehminuten entfernt von der Synagoge, der Moschee, der armenischen und der katholischen Kirche neben der orthodoxen Sankt-Nedelja-Kirche. An einer Kerze mit dem Logo der Papstreise werden sechs Fackeln entzündet, die für die beteiligten Glaubensgemeinschaften stehen.

Dass bei der Feier fünf offizielle Religionsvertreter auf der Bühne stehen, die orthodoxe Kirche aber „nur" durch einen Kinderchor vertreten wird, ist ebenfalls symbolisch. Die offiziellen Vertreter der Mehrheitskirche Bulgariens fühlen sich vom Besuch aus Rom überrumpelt. Sie beteiligen sich höflich, aber reserviert und beäugen die Franziskus-Euphorie etwas argwöhnisch. Den Besuch des Papstes im Flüchtlingszentrum goutieren einige von ihnen ohnehin nicht, sie drängen die Regierung eher dazu, die Grenzen weiter dicht zu halten.

Foto: Kinder heißen Papst Franziskus in Bulgarien willkommen. / Foto: Government of Bulgaria

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