Pastoraltagung: Immer mehr Rituale außerhalb der Kirche

 

Theologin Schweighofer über wachsenden „Ritualmarkt“: Menschen sind Subjekte ihrer eigenen Gottesbeziehung

 

 

 

SALZBURG (kap/eds-12.01.2019) / Die Kirchen sind nach wie vor Hauptanbieter auf dem sich auffächernden Markt an Lebensübergangsritualen: 56 Prozent aller Kinder in Österreich werden getauft, fast zwei Drittel aller Verstorbenen kirchlich bestattet. Bei den Trauungen allerdings sank dieser Prozentsatz zuletzt auf 24, wie die in Tübingen lehrende Pastoraltheologin Teresa Schweighofer am Freitag bei der Pastoraltagung ausführte. Dass 1950 noch 97 Prozent aller Taufen, 89 Prozent aller Begräbnisse und 72 Prozent aller Eheschließungen im kirchlichen Rahmen gefeiert wurden, liege am steigenden Anteil Anders- oder Nichtglaubender, aber auch am Umstand, dass heute „rituelle Lebensbegleitung auf den Markt gekommen“ sei und damit zunehmend auch außerhalb der Kirche angeboten wird – als flexible, individuell zugeschnittene Dienstleistung etwa für Bindungswillige, Jubilare, Abschiednehmende oder Mondsensible, wie Schweighofer darlegte.

Unzufriedenheit mit Sakramenten

Der Grund für deren Inanspruchnahme liege oftmals in der Unzufriedenheit mit Kirchenritualen und Sakramenten, manchmal – wie im Fall gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oder Wiederverheiratungen – an kirchenrechtlichen Hindernissen, aber auch an der Angst davor, bei Kirchenritualen etwas falsch zu machen. Die Alternativangebote dazu sind, wie die aus Österreich stammende Theologin für ihre Doktorinnenarbeit ausfindig machte, durchaus nicht areligiös. Vielfach würden diese Rituale abseits religiöser oder staatlicher Institutionen sogar von kirchlich verbundenen bzw. sozialisierten Zeremonienleitern offeriert.

Für Schweighofer ergeben sich aus dem relativ neuen Phänomen folgende Konsequenzen für die Kirchen: Es gelte Augenmerk auf die Qualität der eigenen Rituale und Sakramente zu legen – bei gleichzeitigem Vertrauen in die Kompetenz und Kreativität der vorhandenen Akteure; und durch den Kontakt mit den meist gar nicht kirchenfeindlichen Alternativritual-Anbietern komme es zu Anregungen etwa zu den Bedürfnissen jener, „die nicht mehr kommen“. Jedenfalls gelte es als Grundsatz ernst zu nehmen: „Die Menschen sind Subjekte ihrer eigenen Gottesbeziehung.“

Die Pastoraltagung ist die größte kirchliche Seelsorge-Fortbildungsveranstaltung in Österreich, alljährlich nehmen hunderte Mitarbeitende in Seelsorge und Religionspädagogik sowie Interessierte aus dem In- und dem benachbarten Ausland teil. (Detailprogramm: www.pastoral.at/pastoraltagung)

 

 

 

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